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Moviepilot Speakers' Corner

Die Spezies Capeträger im Film

25.04.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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The Avengers erobern das Kino
© Marvel
The Avengers erobern das Kino
Heute wird es in der Speakers’ Corner super, denn es geht um Helden, die mit einem umgebundenen Cape für Gerechtigkeit kämpfen. Diesen Comic-Heroen hat User In_Ex_Fan einen Text gewidmet.

Comicverfilmungen mit dem Schwerpunkt Superhelden überfluten zurzeit die Leinwände. Der geneigte Zuschauer wie ich freut sich darüber, andere wiederum verdrehen die Augen. Doch auch auf meine geliebten Capeträger sollte durchaus der ein oder andere Blick geworfen werden.

Superhelden und ihr Einstieg in die Popkultur
Superhelden gibt es wie Sand am Meer. Und der Urvater dieser Helden ist Superman. 1938 debütierte er in DCs Action Comics und schon wenige Jahre später sah man ihn und andere Helden in Serials im Kino. Bei einem breiteren, nicht Comic lesenden Publikum wurden Superhelden jedoch erst durch die Serie Batman mit Adam West richtig populär, welche in den Jahren 1966-68 produziert wurde. Mit Batmans Schlaumeiersprüchen und niedlichen „Pow!“ Einblendungen während der Kämpfe erreichte die Serie Kultstatus. Die Annahme, dass die Serie die Vorstellung des „Helden in Strumpfhosen“ maßgeblich prägte, ist wahrscheinlich gar nicht so falsch.

Der erste ernstzunehmende Kinofilm, der zu diesem Genre zählt, dürfte wohl DCs Superman von 1978 sein. Christopher Reeve wurde zum Mann aus Stahl und faszinierte die Zuschauer. Dies hatte drei Sequels und ein Spin-Off in Form von Supergirl zur Folge, welche nicht alle an den Erfolg vom Erstling anknüpfen konnten. Trotzdem gewannen die Comic-Helden weiter an Popularität und auch der Verlag Marvel gönnte 1977 dem wohl wütendsten unter ihnen mit Der unglaubliche Hulk eine TV-Adaption. Dass zur selben Zeit eine Serie mit Spider-Man entstand, wissen nur wenige.

Die 90er und Batmans Nippelsuit
1989 erblickte nicht nur ich, sondern auch einer der besten Superheldenfilme aller Zeiten das Licht der Welt: Batman von Tim Burton. Wie es für den Kultregisseur üblich ist, verpasste er der Fledermaus seinen eigenen Stil. Der düstere Ton übertrug sich nach dem erfolgreichen Kinoauftritt auch auf die Comics. Dieses Franchise bekam ebenfalls Sequels spendiert. Ab Batman Forever übernahm Joel Schumacher die Regie, welcher Batman familientauglicher gestaltete. Nachdem das dritte Fledermausabenteuer ein finanzieller Erfolg wurde, durfte Schumacher noch einmal ran. Der vierte Film des Capeträgers wurde jedoch stark kritisiert. Die Geschichte wurde viel zu albern erzählt und die überzeichneten Charaktere kamen kaum an. Bane wurde vom Rückgratbrecher zum dümmlichen Handlanger, den genialen Wissenschaftler nahm Arnold Schwarzenegger wohl keiner ab und auch der Titelheld, den George Clooney nach eigenen Angaben als homosexuell verkörperte, konnte beim Publikum nicht punkten. Weltweit sorgten wohl die Gumminippel an den Kostümen von Batman & Robin für die meisten Aufreger und Clooney kam zur Erkenntnis, dass sie das Franchise (vorerst) zerstörten und der Film Geldverschwendung war. Krönung dieser Katastrophe war die 11-fache Nominierung für die goldene Himbeere.

Nach diesem Fiasko wurde eine weitere Fortsetzung auf Eis gelegt und es wurde Still im Genre der Helden. Was jedoch die wenigsten wussten: Marvel verkaufte zahlreiche Filmrechte, um sich vor der drohenden Pleite zu retten.

Die X-Men und das Comeback im neuen Jahrtausend
Nachdem Mitte der 90er ein erster Versuch, die X-Men auf die Leinwand zu bringen, scheiterte, nahm sich Bryan Singer bereits 1996 der Mutanten an. 2000 begann das Abenteuer der X-Men, welches 2003 mit X-Men 2 und 2006 mit X-Men: Der letzte Widerstand fortgesetzt wurde. Darauf folgten die Prequels X-Men Origins: Wolverine (2009) und X-Men: Erste Entscheidung (2011), welche beide zur Trilogie ausgebaut werden sollen.
Der Erfolg von X-Men machte zahlreiche andere Filme möglich, da das Genre als neuer Markt wiederentdeckt wurde.

Um bewusst potentielle Zuschauer zu gewinnen, erzählen die meisten Comicverfilmungen nun, wie der Held/die Helden entstehen, was die Möglichkeit eines Franchise begünstigt. So wurden schon einige Helden wie Spider-Man, Hulk und die Fantastic Four verarbeitet und auch Batman fand 2005 durch das Reboot Batman Begins seinen Weg zurück auf die Leinwand.

Superhelden: Potentielle Star-Macher und Kassenmagnet
Das Genre der Superhelden im Film ist, in den meisten Fällen, finanziell sehr lukrativ und das hat sich rumgesprochen. Viele große Stars wie z. B. Jack Nicholson, Edward Norton oder Ian McKellen gaben sich die Ehre und wirkten teilweise in mehreren Filmen mit. Tommy Lee Jones tritt sogar in verschiedenen Comicadaptionen auf und Heath Ledger wurde durch seinen Auftritt in The Dark Knight zur Legende. Die Darstellung des psychopatischen Joker brachte ihm posthum sogar einen Oscar als Bester Nebendarsteller ein.

Aber diese Filme können auch für die Karriere förderlich sein. Christopher Reeve hat mit Superman schon im zweiten Film seiner Laufbahn Weltruhm erlangt und so ziemlich jeder bringt Hugh Jackman, neben den Musicals, als erstes mit Wolverine in Verbindung.

Robert Downey Jr. ist ein weiteres Beispiel. Er ist zweifelsohne einer der besten Schauspieler, die sich zurzeit in Hollywood tummeln und auch schon länger im Business sind, aber die meisten seiner Filme waren keine Kassenschlager. Nach Drogenexzessen und vielen Nebenrollen war er 2008 in seinem ersten Blockbuster zu sehen: Iron Man. Hier mimte er den Milliardär Tony Stark. Und wenn Batman uns eins gelehrt hat, dann dass philanthropische, milliardenschwere Jungs nichts Besseres zu tun haben, als sich mit allerlei Zeug auszustatten und die bösen Buben kräftig zu verhauen. Keiner kann abstreiten, dass der Eisenmann Downeys Karriere einen gewaltigen Schub gab.

Das Marvel Cinematic Universe und der scheinbare Sieg über DC
2008 wurde aus zwei kleinen Auftritten, welche eher als kleiner Gag für die Fans gedacht war, eins der größten Filmprojekte der letzten Jahre. Als Jon Favreau in Iron Man Captain Americas Schild einbaute und zum Schluss auch noch Nick Fury, gespielt von Samuel L. Jackson, auftauchen ließ, war die Freude bei den Fans riesig. Für alle stand fest: Die Avengers kommen! Eigentlich war das ursprünglich nicht geplant. Doch diese „Schnapsidee“ entwickelte sich rasant weiter und mit Der unglaubliche Hulk, der ebenfalls 2008 in die Kinos kam, entstand das „Marvel Cinematic Universe“.

Hier treten erstmals mehrere Helden in derselben Kontinuität auf. 2010 wurde mit Iron Man 2 die Geschichte um die „mächtigsten Helden der Welt“ weitergeführt und eine weitere Comicfigur trat auf: Black Widow, gespielt von Scarlett Johansson. Die Riege der Rächer war damit aber noch nicht komplett. 2011 überraschte Chris Hemsworth in Thor die Zuschauer und brachte gleich Hawkeye mit, der von Jeremy Renner verkörpert wurde. Um die Truppe zu komplettieren, wurde Chris Evans in Captain America – The First Avenger vom dürren Hempfling zum Supersoldaten. Die von vielen herbeigesehnte Zusammenkunft dieser Helden gibt’s dann in Marvel’s The Avengers zu sehen.

Doch wo Marvel einen Erfolg nach dem anderen feiern darf, sieht das bei DC und dem Mutterkonzern Warner Bros. anders aus.
Abgesehen von Cristopher Nolans Batman ist in den letzten Jahren keiner der Helden der Konkurrenz wirklich erfolgreich gewesen. Catwoman floppte gnadenlos, Superman Returns stellte sich als zu steril heraus und auch die Watchmen waren, trotz großer Fanbase, kein Geldmagnet. Die größte Enttäuschung sollte jedoch 2011 folgen. Green Lantern, welcher von Warner Bros. als Harry-Potter-Nachfolger gehandelt wurde, verlor den Kampf gegen Marvels Großoffensive. Circa 220 Mio. Dollar spülte Ryan Reynolds in den Kinokassen, dem stehen jedoch 200 Mio. Dollar Produktionskosten gegenüber.

Aber was macht Marvel scheinbar besser? Nun, ich denke es ist das, was sie auch in den Comics machen. Die Protagonisten kämpfen nicht nur mit Schurken, sondern auch mit persönlichen Problemen und Konflikten. Das ist es was sie interessant macht: sie auch nur Menschen.

Comics: Meine Kindheit
Comicverfilmungen haben einen festen Platz im Kino eingenommen und auch abseits der Superhelden gibt’s einiges was sehenswert ist, wie Hellboy, Sin City oder die Men in Black. Doch für mich sind sie (fast) immer etwas Besonderes, da ich mit ihnen noch einmal in die unbeschwerte Zeit meiner Kindheit reisen kann. Die Zeit, in der man sich ein Handtuch um den Hals knotet und seinen Idolen nacheifert. Knapp 2 Stunden, die immer unkompliziert und einfach sind.

In diesem Sinne: Lasst euch hin und wieder auch mal retten!


Vorschau: Nächste Woche steht das Business mit seinen Fallstricken auf dem Prüfstand.


Dieser Text stammt von unserem User In_Ex_Fan. Wenn ihr die Moviepilot Speakers’ Corner auch nutzen möchtet, dann werft zuerst einen kurzen Blick auf die Regeln und schickt anschließend euren Text an ines[@]moviepilot.de

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