Joker: Der DC-Film braucht unbedingt eine Fortsetzung mit Batman

20.10.2019 - 09:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
Christian Bale in Batman Begins und Joaquin Phoenix in JokerWarner Bros.
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Joker wird aller Voraussicht nach keine Fortsetzung bekommen. Schade, denn das DC-Drama hat das volle Potential von Joaquin Phoenix noch gar nicht ausgeschöpft.

Während Marvel fleißig an seinem großen zusammenhängenden Filmuniversum werkelt und die Kinos pausenlos mit MCU-Abenteuern flutet, geht DC einen anderen Weg und setzt derzeit auf Filme, die für sich alleine stehen können.

Nachdem Shazam! trotz seiner Eigenständigkeit immer noch mit dem DCEU verbunden war, wendet sich Joker bereits radikal von der Idee eines MCU-Konkurrenten ab. Fortsetzungen soll es keine geben, das machte Regisseur Todd Phillips mehrfach deutlich, auch wenn Joaquin Phoenix dem Gedanken nicht abgeneigt ist.

Aber ist Joker wirklich ein solches Meisterwerk, sodass jede Fortsetzung nur an dem Denkmal nagen könnte, das Todd Phillips im verseuchten Moloch Gotham Citys hinterlassen hat? Nein: Das volle Potential von Joaquin Phoenix' meisterhafter Joker-Inkarnation muss erst noch erforscht werden, in dem sich ihm Batman als ebenbürtiger Gegenspieler in den Weg stellt.

  • Joker ist kein perfekter Film. Für eine Fortsetzung gibt es noch Luft nach oben.
  • Todd Phillips schuf eine hervorragende Origin-Story für Joker und Gotham City, die als starkes Fundament für mindestens eine weitere Geschichte dienen könnte.
  • Erst mit der Transformation von Joaquin Phoenix zum Joker entfaltet der Film seine volle Wucht. Es wäre schade, würde er nie auf Batman treffen.

Joker ein Meisterwerk? Na und?

Bisher habe ich vor allem ein Argument gegen eine Fortsetzung von Joker gehört. Viele Fans loben, dass der DC-Film im Zeitalter des Franchise-Wahnsinns eine abgeschlossene Geschichte erzählt. Doch dem stimme ich nur bedingt zu. Ja, die Einbindung in ein größeres Universum kann einem Film schaden. Allerdings nur, wenn er Verbindungen zum Franchise erzwingt und dabei seinen Fokus auf die eigene Handlung verliert.

Batman v Superman hat zum Beispiel eine Sequenz, die nur dazu dient, die Helden von Justice League anzukündigen, doch zum Film selbst trägt dieser Moment nichts bei. Joker hat keinerlei solche Szenen und auch ein Sequel muss nicht dem Franchise-Zwang nachgeben, sondern kann ganz einfach ein zweiter Teil sein, der sinnvoll auf dem ersten aufbaut.

Joker ist kein Teil des DCEU und das ist gut so.

Selbst wenn es sich bei Todd Phillips' Psychodrama um ein Meisterwerk handeln sollte (eine Meinung, die ich nicht teile), dann könnte eine Fortsetzung noch mehr aus dem Batman-Bösewicht rausholen. Würden gute Filme keine Sequels bekommen, würden wir in einer Welt ohne Klassiker wie Der Pate 2, Aliens - Die Rückkehr oder The Dark Knight leben.

Als Origin-Story ist Joker hervorragend

Ähnlich wie bei der Nolan-Trilogie, die mit Batman Begins ein bombenfestes Fundament legte, auf der The Dark Knight wunderbar aufbauen konnte, sehe ich auch bei Joker mit Joaquin Phoenix eine große Chance. Ein zweiter Teil könnte den Vorgänger vielleicht sogar übertrumpfen. Denn die größte Qualität von Joker liegt ohnehin darin, dass der Film eine grandiose Origin-Story für den DC-Schurken liefert.

Joker erzählt die Vorgeschichte des DC-Schurken.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal wissen möchte, wie der Joker zum Joker wurde. Doch Todd Phillips belehrte mich eines Besseren. Zwar finde ich die Inszenierung des Films teils etwas plump und plakativ, dennoch funktioniert die Figur Arthur Fleck wunderbar als Keimzelle des chaotischen Clowns. Dessen Entwicklung ist nachvollziehbar, in seiner hemmungslosen Konsequenz aber auch so wahnsinnig, dass sie die Essenz des Jokers erklärt, ohne sie zu entmystifizieren.

Auch Gotham City bekommt in Joker eine Vorgeschichte, von der ich nicht mal wusste, dass ich sie möchte. Mit seinem Ausbruch der Gewalt sorgt Arthur Fleck für einen Aufstand. Sein Amok-Auftritt in Frank Murrays Talk-Show setzt Unmengen an gewalttätiger Energie frei. Der Joker sorgt dafür, dass die Geburtstadt Batmans zum kriminellen Krisengebiet wird, das wir schon so lange kennen.

Joaquin Phoenix ist der beste Joker

Gerade in den Momenten, in denen Arthur Fleck sein groteskes Alter Ego hemmungslos auslebt, ist der DC-Film am stärksten. Joaquin Phoenix entwickelt als Joker trotz all seiner Brutalität eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Im einen Moment rammt er seinem Kumpel noch eine Schere in den Schädel, wenig später verfallen wir seinem Charisma, wenn er gemeinsam mit Robert de Niro lässigen Small Talk führt.

Joaquin Phoenix brilliertals Joker.

Die Personifikation des vor Entsetzen im Hals feststeckenden Lachens macht Joaquin Phoenix zur bisher besten Filminkarnation des Jokers. Auch Heath Ledgers Kreation war stark, stellte aber viel mehr eine abstrakte Neuschöpfung als eine charaktertreue Adaption des Comic-Schurken dar. Doch bei Joaquin Phoenix stimmt fast alles und die Vorgeschichte von Arthur Fleck verleiht ihm noch mehr Tiefe. Eine Sache fehlt ihm aber noch, um wirklich der perfekte Joker zu werden: Ein Gegenspieler in Fledermausgewand.

Der Joker braucht Batman

Joker und Batman sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Der eine steht für Anarchie und Willkür, der andere für Recht und Ordnung. Jetzt wo sich Arthur Fleck über Gotham City erhoben hat und in seiner Fantasiewelt zum heiligen Führer einer Revolution avancierte, braucht er jemanden, der ihm Paroli bietet, der vielleicht sogar versucht, das Gute im Joker hervorzuholen, wenn es denn überhaupt existiert.

Der Joker kann selbst Batman zum Wahnsinn treiben.

Ich denke da nicht an eine Verschmelzung von Todd Phillips Joker mit dem kommenden The Batman, in dem Robert Pattinson den Helden spielt. Dann wäre das eigenständige Werk doch wieder zu sehr Teil eines Franchises. Viel mehr würde ich gern einen Joker 2 sehen. Ein Film, in dem Joker aus Arkham ausbricht und feststellt, dass ein maskierter Rächer die im Chaos versunkenen Straßen wieder sicher gemacht hat.

Der Film würde dann aus der Perspektive vom Joker erzählt werden, aber seinen Fokus auf Batman legen, so wie es The Dark Knight einst genau umgekehrt machte. Natürlich müsste eine Fortsetzung mit Batman auch wirklich gut durchdacht sein. Es gibt viele Chancen, ein solchen Unterfangen gründlich zu versauen.

Doch mit fähigen Menschen vor und hinter der Kamera kann Joker mehr sein als ein außergewöhnlicher DC-Film, und zwar die Grundlage für eine außergewöhnlichen Fortsetzung.

Was haltet ihr von Joker? Wünscht ihr euch eine Fortsetzung mit Batman?

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