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2003 - Johnny Depp reanimiert das Piratengenre

07.05.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Piratenkollegen: Johnny Depp & Errol Flynn.
© Walt Disney Pictures / Warner Bros. / moviepilot
Piratenkollegen: Johnny Depp & Errol Flynn.
Das Piratenfilmgenre war lange totgeglaubt, bis es Johnny Depp 2003 als Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik wieder zu Erfolg brachte. Grund genug, auch in das goldene Zeitalter des Piratenfilms zurückzuschauen.

Sie tragen Augenklappen und Holzaugen, ziehen sprechende Papageien den an Bord Unglück verheißenden Frauen vor, im Angriff knurren sie ihren Feinden schon mal ein grimmiges „Arrrrr“ entgegen, und während sie ständig „Yo Ho, Yo Ho“ singen, schütten sie Unmengen von Rum in sich hinein. Die Piratencrew im Blockbuster Fluch der Karibik lässt wirklich kein einziges Klischee aus und trifft damit erstaunlicherweise genau den Nerv des Publikums – zu einer Zeit, in der das Piratengenre schon längst totgesagt und in einer halb unter Wasser liegenden Grotte vergraben ist.

Vom Aufstieg und Fall der Piraten
Das goldene Zeitalter der Piraten, Korsaren und Freibeuter auf der großen Leinwand sind wohl die Vierziger Jahre. Der Seeräuber von Henry King wird 1943 mit einem Oscar ausgezeichnet, und danach gibt es kein Halten mehr. In unzähligen Filmen springen Darsteller wie Douglas Fairbanks und Errol Flynn in flatterärmeligen Hemden durchs Bild und spielen die Antihelden der sieben Weltmeere. Die meist extrem romantisierten Streifen tragen vielsagende Namen wie Liebe unter schwarzen Segeln, Der rote Korsar oder Die Schatzinsel und finden mit ihrer opulenten Ausstattung, historisch inspirierten Geschichten, den exotischen Schauplätzen und vielen durchtrainierten Oberkörpern reißenden Absatz.

Bis sie plötzlich Mitte der Fünfziger Jahre von der Bildfläche verschwinden. Trotz diverser Versuche schafft es kaum ein Regisseur, an die Glanzzeit des Genres anzuknüpfen, und 1995 kommt es schließlich zum Desaster. Renny Harlin leistet sich mit Die Piratenbraut den bis dahin größten Flop der Filmgeschichte und spielt gerade mal zehn Prozent seiner Ausgaben an den Kinokassen wieder ein. Ab sofort gilt der Piratenfilm als Kassengift.

Die Auferstehung eines Genres
Angesichts dieses riesigen Flops verwundert es kaum, dass ein Drehbuch über die Abenteuer eines ziemlich exzentrischen Piraten jahrelang abgelehnt wird. 2002 findet sich mit Gore Verbinski aber endlich ein Regisseur, der wagemutig genug ist, dem Genre mithilfe neuer Technologien wieder Leben einzuhauchen. Und das tut er.

Zwar basiert das Drehbuch zu Fluch der Karibik lose auf der Attraktion Pirates of the Carribean der Disney-Freizeitparks, doch Gore Verbinski lässt es sich nicht nehmen, auch Zitate alter Piratenfilmklassiker in sein Werk einzubringen. Segelt Captain Jack Sparrow zu Beginn auf einem sinkenden Schiff in den Hafen, so tut er das ganz nach Buster Keaton –Manier wie in Der Navigator. Aus Der rote Korsar mit Burt Lancaster stammt die Szene, in der Jack und Will Turner in einem umgedrehten Boot über den Meeresboden stapfen, und à la Jäger des verlorenen Schatzes wird Elizabeth im fremden Kleid zum Dinner mit Barbossa gezwungen.

Oh Captain, my Captain
Für junge Generationen jedenfalls ist mit Fluch der Karibik ein neues Musterbeispiel für den „besten Piraten der Welt“ gefunden: mit Johnny Depp steht und fällt der Erfolg des mittlerweile auf vier Teile ausgebauten Franchises. Der von allen Seiten umschwärmte Schauspieler stellt sich die früheren Piraten als die Rockstars der Meere vor, weswegen seine seine Figur auf der Rolling Stones-Legende Keith Richards basiert.

Die unleugbare Exzentrik von Jack Sparrow funktioniert. Denn genau wie oben angedeutet, muss kein heimlicher Piratenfan vermissen, was er in Kindertagen an seinen Lieblingsfilmen so geliebt hat: Rum, Augenklappen und eben das ganze Piratengetue. Die vielen ironischen Brechungen sorgen aber gleichzeitig dafür, dass es einfach nicht langweilig wird. So segelt also die Crew in einem Boot mit Orlando Bloom, Keira Knightley und Geoffrey Rush für mehrere Wochen an die Spitze der Kinocharts und beschert dem Piratenfilmgenre eine nicht vorhergesehene Renaissance. Und jetzt alle: „Yo Ho, Yo Ho, Piraten haben’s gut!“

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 2003 bewegte:

Sechs Filmleute, die gestorben sind
12. Juni 2003 – Gregory Peck, Captain Ahab aus Moby Dick
29. Juni 2003 – Katharine Hepburn, die alternde Jungfer aus Der Regenmacher
25. Juli 2003 – John Schlesinger, Regisseur von Der Marathon-Mann
08. September 2003 – Leni Riefenstahl, Regisseurin von Propagandafilmen wie Triumph des Willens
12. September 2003 – Johnny Cash, Countrysänger und das Walk the Line – Original
28. September 2003 – Elia Kazan, Regisseur von Die Faust im Nacken

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscar – Chicago von Rob Marshall (Bester Film)
Golden Globes – The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit von Stephen Daldry
Europäischer Filmpreis – Good Bye, Lenin! von Wolfgang Becker

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs von Peter Jackson
Findet Nemo von Andrew Stanton und Lee Unkrich
Matrix Reloaded von Andy Wachowski und Lana Wachowski

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
20. März 2003 – Der Dritte Golfkrieg beginnt
16. Mai 2003 – 40 Menschen kommen bei fünf Anschlägen in Casablanca ums Leben
13. Dezember 2003 – Saddam Hussein wird bei Tikrit festgenommen

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