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Katrin unter Palmen

Vorfreude auf das Festival in Cannes 2014

14.05.2014 - 08:59 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Grace of Monaco
© Universum/Squareone/Walt Disney Studios/Festival de Cannes
Grace of Monaco
Für moviepilot verschlägt es mich in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt auf das Filmfestival von Cannes. Meine erste Dienstreise sozusagen. Nervosität und Vorfreude halten sich in etwa die Waage.

Neid. Stechend gelb-grüner Neid. Das war das Gefühl, das ich vor etwa einem Jahr empfand, als eine ganze Handvoll meiner Kollegen gen Südfrankreich reiste, um an der pittoresken Côte d’Azur der Leidenschaft aller Cineasten zu frönen: Filme im Überfluss auf dem Festival von Cannes. Damals hoffte ich, irgendwann in ferner Zukunft auch einmal in diesen Genuss zu kommen. Wenigstens ein einziges Mal sollte auch mir das Glück hold sein und ich träumte mich an den Rand des roten Teppichs auf der Croisette. Wer hätte gedacht, dass es schon so bald so weit sein würde?

Nun bin ich tatsächlich auf dem Weg nach Cannes, wo in diesem Jahr die nunmehr 67. Ausgabe der Filmfestspiele stattfindet. Schon seit einigen Wochen lassen sich in schöner Regelmäßigkeit die Meldungen darüber nachverfolgen: Jane Campion, Regisseurin feinfühlig zwischenmenschlicher Dramen à la Das Piano oder Top Of The Lake, leitet die neunköpfige Jury, Sophia Loren tritt als Ehrengast auf und 18 Filme gehen ins Rennen um die heiß begehrte Goldene Palme. Sicher, im vergangenen Jahr gab es immer wieder eines zu lesen: Aufgrund der ambitionierten Filmauswahl seien die Filmfestspiele 2013 die wohl bedeutendsten der Gegenwart. Ich finde jedoch, auch der Wettbewerb in diesem Jahr muss sich keinesfalls verstecken. Die jüngsten Regiearbeiten von David Cronenberg, Olivier Assayas, Jean-Luc Godard oder Jean-Pierre Dardenne & Luc Dardenne wecken hohe Erwartungen und Ängste vor sich ohne Rücksicht auf Verluste drängenden Journalisten vor den Kinosälen.

Und doch lässt es sich nicht verschweigen: Auch einige Enttäuschungen mussten wir Filmfans im Vorfeld von Cannes einstecken. Das begann mit der Bekanntgabe des Eröffnungsfilms. In Grace of Monaco von Olivier Dahan spielt Nicole Kidman die Fürstin Grazia Patrizia, das einstige Starlet Grace Kelly. Geografisch passt dieses Biopic natürlich nach Cannes wie Batman nach Gotham City – trotzdem kommt es ein wenig zu mainstreamig daher, um ein Festival diesen Kalibers zu eröffnen. Harvey Weinstein zögerte ob der Distribution des Filmes in den Vereinigten Staaten, die Fürstenfamilie hob pikiert die Augenbrauen – wir Festivalbesucher werden aber einfach das Beste daraus machen: Grace of Monaco eine Chance geben und uns wenn nötig hinterher den Frust von der Seele schreiben.

Den Festspielen bleiben schließlich ganze zehn Tage, um gegebenenfalls Wiedergutmachung zu leisten, und bei mir überwiegt neben einer verhängnisvollen Mischung aus hibbeliger Vorfreude und Nervosität letztlich doch die Zuversicht. Für gute Laune sorgen bei mir außerdem Verwandte und äußerst medienferne Bekannte, die zugegebenermaßen sehr belustigende Vorstellungen davon pflegen, wie ich die kommenden Tage an der Croisette verbringen werde. Wer nicht einfach davon ausgeht, dass ich im Grunde in den Urlaub fahre, wünscht mir viel Spaß bei der engagierten Autogrammjagd und beauftragt mich, nach Brad Pitt und Co. Ausschau zu halten. Eine entfernte Bekannte fragte schließlich sogar, welcher international renommierte Designer mir wohl die Abendkleider für den Gang über den roten Teppich sponsern würde; bei den Schauspielerinnen funktioniere das doch schließlich auch so.

Ich schüttele lachend den Kopf und freue mich unterdessen vielmehr auf die Filme als auf irgendwelche Stars und Sternchen. Besonders groß ist die Vorfreude zum Beispiel auf die neuste Regiearbeit des kanadischen Wunderkindes Xavier Dolan, der mit Mommy im Wettbewerb ein weiteres Mal die schwierige Beziehung zu seiner Mutter aufarbeitet. Auch der Trailer zu Foxcatcher geistert schon seit einiger Zeit durch das World Wide Web und macht mich außerordentlich neugierig. Und dann ist da noch das italienische Drama Land der Wunder von Alice Rohrwacher, in dem Monica Bellucci als ätherisches Wesen vier Schwestern betört. Aber auch außerhalb des Kampfes um die Goldene Palme gibt es einiges zu sehen. In der Sektion Un Certain Regard bin ich zum Beispiel gespannt auf Lost River, das Regiedebüt von Ryan Gosling, der hier unter Beweis stellen kann, ob er auch hinter der Kamera etwas taugt. The Disappearance of Eleanor Rigby: Her und Bird People lassen unterdessen mein Indie-Herz höher schlagen – genau wie das Drama Whiplash mit Miles Teller, das vor einigen Monaten das Rennen auf dem Sundance Film Festival machte und in Cannes in der Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs läuft. Ein wenig unterrepräsentiert ist dafür in diesem Jahr das asiatische Kino. Aber auch hier findet sich doch noch die ein oder andere Perle: das Drama Coming Home von Yimou Zhang zum Beispiel; und die neuste Studio-Ghibli-Produktion Die Legende der Prinzessin Kaguya wird ganz bestimmt auch zu meinen Highlights gehören.

Bevor das Licht im Saal gedimmt und der Vorhang geöffnet wird, gilt es aber erst noch, einige organisatorische Hürden zu nehmen. Der Weg vom Flughafen von Nizza nach Cannes will gefunden und das Gemeinschaftsappartement mit den Kollegen bezogen werden. Die nächste große Überraschung wird dann wohl bei der Ankunft die Farbe meines Pressebadges – die Hierarchie unter den Berichterstattern in Cannes ist streng. Und schließlich muss ich aus der vollen Kraft schöpfen, die in der Kaffeebohne steckt, um dem Schlafmangel zu trotzen und gute Plätze in den Kinosälen zu ergattern. Wer Wert auf persönliche Eindrücke und Fotos legt, den lade ich ein, mich auch via Tumblr zu begleiten. Ich werde das ganz bestimmt schaukeln. Immerhin muss ich in diesem Jahr mit einem nicht fertig werden: mit gelb-grün stechendem Neid.

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