Unterhaltsamer MCU-Blockbuster erlebt Rückschlag: Der Misserfolg von The Marvels erklärt

19.11.2023 - 12:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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The Marvels punktet mit drei der coolsten Superheldinnen im Marvel-Universum. Trotzdem lief der Film deutlich unter den Erwartungen im Kino an. Vier Gründe erklären den Misserfolg.

Das Marvel Cinematic Universe war lange Zeit die verlässlichste Blockbuster-Schmiede in Hollywood. Über eine Dekade haben Iron Man, Black Widow und Co. das Geschehen auf der Leinwand dominiert und Milliarden eingespielt. Der neueste Film aus dem Mega-Franchise konnte allerdings nicht durchstarten. The Marvels legte trotz großer Namen wie Brie Larson und unterhaltsamen Sequenzen mit Musical-Einlagen und Monster-Tentakel-Katzen den schlechtesten Start in der MCU-Geschichte hin.

Wie konnte das passieren?

The Marvels schneidet an den Kinokassen schlechter ab als Der unglaubliche Hulk von 2008

Wie der Hollywood Reporter  berichtet, erzielte The Marvels zum Start in den USA nur 47 Millionen US-Dollar. Das ist der schwächste Start seit Der unglaubliche Hulk, der 2008 mit 55 Millionen US-Dollar ins Box-Office-Rennen ging. Zum Vergleich: Der erste Captain Marvel-Film sicherte sich am ersten Wochenende 153 Millionen Dollar in den USA. Das ist mehr als die 110 Millionen US-Dollar, die The Marvels nach seinem Start weltweit vorweisen kann.

Mit einem MCU-Film gehen größere Erwartungen einher. Immerhin hat The Marvels ein Budget von 220 bis 250 Millionen US-Dollar verschlungen, wie Forbes  und Variety  festhalten. Ohne Steuerbegünstigung reden wir sogar von 270 Millionen US-Dollar. Nicht mit eingerechnet ist das Marketingbudget. Damit ein Blockbuster profitabel wird, muss er das Zwei- bis Dreifache seiner Produktionskosten einspielen, so die Faustregel.

Hier könnt ihr den Trailer zu The Marvels schauen:

The Marvels - Trailer (Deutsch) HD
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Die Box-Office-Niederlage von The Marvels lässt sich nicht auf einen Grund reduzieren. Wie bei vielen anderen Filmen sind verschiedene Faktoren für Erfolg oder Misserfolg eines Projekts verantwortlich. Wir haben uns die Zahlen von The Marvels und den Status quo der gegenwärtigen Kinolandschaft angeschaut, um herauszufinden, warum der neue MCU-Blockbuster unter den Erwartungen gelaufen ist.

Grund 1: Der Streik der Schauspielenden in Hollywood

Das größte Hollywood-Thema des Jahres ist der Doppelstreik der vergangenen Monate. Von Mai bis September streikten die Drehbuchautor:innen der Gewerkschaft WGA. Von Juli bis November legten die Mitglieder der Schauspieler:innen-Gewerkschaft SAG-AFTRA ihre Arbeit nieder. Für viele Produktionen bedeutete das: Die Stars konnten ihre Projekte nicht zum Kinostart bewerben. The Marvels ist einer der letzten Filme, die davon betroffen sind.

Wenn ein neuer MCU-Film ins Kino kommt, ist es selbstverständlich, dass Stars in TV-Shows sitzen, Magazin-Cover zieren und unzählige Interviews geben. Mit Brie Larson, Teyonah Parris und Samuel L. Jackson gingen The Marvels drei populäre Stimmen verloren, ganz zu schweigen von Newcomerin Iman Vellani, die problemlos mehrere virale Hits mit ihrer Marvel-Begeisterung und ihrem Comic-Wissen gelandet hätte.

Grund 2: Die Superhelden-Müdigkeit breitet sich weiter aus

Vom Ende des Superhelden-Kinos zu sprechen, wäre verfrüht. Auffällig ist aber, dass längst nicht mehr jede Comic-Verfilmung durch die Decke geht. Black Adam, Morbius, Blue Beetle, Shazam! Fury of the Gods und Ant-Man and the Wasp: Quantumania sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben – zu austauschbar, zu unausgereift. Die erfolgreichsten Genre-Vertreter waren zuletzt sorgfältig aufgebaute Event-Filme, die mit beliebten Figuren und Nostalgie (Spider-Man: No Way Home) oder dem Versprechen auf einen neuen Ansatz punkten, den es so zuvor noch nicht zu sehen gab (The Batman).

Spider-Man: No Way Home

The Marvels hat den Sprung zum Blockbuster-Event nicht geschafft. Trotz Highlights wie Guardians of the Galaxy Vol. 3 ist das Vertrauen in die Marvel-Marke geknickt. Die Serie Secret Invasion kommt bei Rotten Tomatoes  etwa nur auf 53 Prozent Zuspruch von der Kritik und 48 Prozent vom Publikum – weit unter dem Durchschnitt beliebter MCU-Projekte wie die Avengers-Filme, die sich im Bereich 80 bis 90 Prozent wiederfinden.

Grund 3: The Marvels erfordert zu viel MCU-Vorwissen

Was einst die Stärke des MCU war, könnte ihm inzwischen zum Verhängnis geworden sein: Alle Geschichten sind (mehr oder weniger) miteinander vernetzt. Nach über 30 Kinofilmen und zahlreichen Serien ist es jedoch schwer, den Überblick zu behalten – und das Wissen aus allen neuen Veröffentlichungen aufzusaugen. Gerade The Marvels setzt darauf, dass man sich in den letzten Jahren ausgiebig mit dem MCU beschäftigt hat.

Der Film ist nicht nur eine Fortsetzung zu Captain Marvel. Er schließt ebenfalls an die Ereignisse der MCU-Serien WandaVision und Ms. Marvel an. Was für viele Fans ein aufregendes Crossover-Event ist, scheint bei der breiten Masse nicht zu greifen. Für das Publikum, das nur gelegentlich ins MCU eintaucht, bringt The Marvels einen Berg an Hausaufgaben mit, der gegen die Idee eines unverbindlichen Kinobesuchs spricht.

Grund 4: Der Hype war nicht auf der Seite von The Marvels

Der erste Captain Marvel kam in der Hochphase des MCU ins Kino, im Windschatten von Avengers 3: Infinity War und in freudiger Erwartung von Avengers 4: Endgame. Dazu gesellte sich die Neugier auf Brie Larsons MCU-Debüt und den ersten MCU-Blockbuster mit einer weiblichen Titelrolle. Der Hype hätte nicht größer sein können. Captain Marvel war 2019 Teil eines popkulturellen Ereignisses, das man nicht verpassen durfte.

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Bei der Fortsetzung haben sich dagegen negative Schlagzeilen gehäuft, angefangen bei Startterminverschiebungen bis zu Problemen hinter den Kulissen, die kürzlich von Variety  aufgeschlüsselt wurden. Auch die durchwachsenen Kritiken haben der öffentlichen Wahrnehmung des Films nicht geholfen. 62 Prozent bei Rotten Tomatoes  und 50 bei Metacritic  deuten nicht auf den Must-See-Film des Jahres hin.

Ist The Marvels damit jetzt endgültig gefloppt?

Die 47 Millionen US-Dollar, die The Marvels am ersten Wochenende eingespielt hat, sind kein gutes Zeichen. Blockbuster sind in der Regel "frontloaded", was bedeutet, dass sie einen Großteil ihrer Einnahmen am ersten Wochenende erzielen. Gesehen haben wir das dieses Jahr u.a. bei The Flash, der mit 55 Millionen US-Dollar minimal besser startete und danach stark abgebaut hat, wie aus den Zahlen von Box Office Mojo  hervorgeht. In den USA konnte The Flash nach neun Wochen das Einspielergebnis seines Starts nicht einmal verdoppeln. Weltweit hat er es auf 270 Millionen US-Dollar gebracht – ein Flop.

Gleichzeitig hat Disney dieses Jahr bewiesen, dass trotz schwachem Start einiges möglich ist: Der 200 Millionen US-Dollar teure Pixar-Film Elemental kam zuerst nur auf 30 Millionen US-Dollar in den USA. Ein Blick in Box Office Mojo  zeigt jedoch, dass sich Elemental über mehrere Wochen stabil im Kino halten konnte. Es hat sich herumgesprochen, dass der Film einen Kinogang wert ist. In den USA kam Elemental am Ende seiner Auswertung auf 154 Millionen US-Dollar. Weltweit kratzte er sogar an den 500 Millionen US-Dollar.

Nun dürfen wir gespannt sein, welche Route The Marvels einschlägt.

The Marvels läuft seit dem 15. November 2023 in den deutschen Kinos.

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