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Farblose Kunst

Top 7 der Schwarz-Weiß-Filme des 21. Jahrhunderts

25.07.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Viel Lärm um nichts
© Sony Pictures
Viel Lärm um nichts
Gestern startete Joss Whedons Viel Lärm um nichts in den deutschen Kinos. Gedreht wurde die Shakespeare-Adaptation buchstäblich im Wohnzimmer des Regisseurs. Ungewöhnlich ist auch, dass der Film im Schwarz-Weiß-Format veröffentlicht wird.

Schwarz-Weiß ist immer noch im Trend und das nicht nur für Hipster-Instagram-Selfies, sondern auch im Kino. In den letzten 12 Monaten erreichten uns drei gute Filme, bei denen diese besondere Kunstform zum Einsatz kam: Frances Ha, Nebraska und Ida. Gestern kam außerdem Joss Whedons kleines Shakespeare-Projekt Viel Lärm um nichts in die Kinos. Es ist schön zu sehen, dass das Format auch im 21. Jahrhundert noch gesund und munter ist. Die meisten großen Regisseure drehen mindestens einen Schwarz-Weiß-Film in ihrer Karriere. Vor zwei Wochen erst verkündete Guillermo del Toro zum Beispiel ein kleines Projekt, das er ohne Farbe vor Pacific Rim 2 drehen will.

Mehr: 5 nackte Fakten über… Joss Whedon

Doch was sind die besten Schwarz-Weiß-Filme des noch jungen Jahrtausends? Sin City war ein Kassenschlager und konnte auch bei den Kritikern punkten, doch die häufige und gezielte Verwendung von Farbe disqualifiziert die Comic-Verfilmung und schaffte es deshalb nicht auf unsere Liste. Ansonsten überzeugten The Artist und Coffee and Cigarettes, doch sie scheiterten knapp daran, sich einen Platz in unserer Top 7 zu sichern. Wer es geschafft hat, könnt ihr unten nachlesen.

Platz 7: Blancanieves von Pablo Berger
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Blancanieves ging neben dem Triumph von The Artist in Cannes und bei den Oscars ein wenig unter. Eigentlich handelt es sich aber um einen viel interessanteren europäischen Stummfilm, der ein Jahr später in die Kinos kam. Im heimischen Spanien wurde Blancanieves jedoch groß gefeiert und konnte gleich zehn Goyas abräumen. Der Film von Pablo Berger wird durch das klassische Märchen Schneewittchen inspiriert und verwandelt es in ein originelles, modernes Epos mit Stierkämpfen. Die Titelheldin ist hier eine Torera und die sieben Zwerge sind Clowns in einem fahrenden Zirkus.

Schönster Moment: Der finale Stierkampf.

Platz 6: Good Night, and Good Luck von George Clooney
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In Good Night, and Good Luck gab Gorgeous George Clooney seinem Kollegen David Strathairn die Rolle seines Lebens als Talkshow-Moderator Edward R. Murrow. Der Journalist legte sich 1954 mit dem Senator Joseph McCarthy an, der eine paranoide Hetzjagd auf mutmaßliche Kommunisten veranstaltete. Die Schwarz-Weiß-Bilder haben hier eine Doppelfunktion. Zum einen macht es die 50er Jahre authentischer und trägt zur Atmosphäre des Films bei. Daneben erlaubt es Clooney Archivbilder von McCarthy nahtlos einzubauen und der Senator wird dadurch zum bedrohlichen Bösewicht des Films.

Schönster Moment: Hier führt kein Weg an Edward Murrows legendärer Rede vorbei.

Platz 5: Control von Anton Corbijn
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Control war der erste Spielfilm von Anton Corbijn, der eigentlich als Fotograf arbeitet. Er versteht das Spiel mit dem Licht perfekt und findet die schönsten Bilder in einer unschönen Umgebung. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik passt wunderbar zum Manchester der 70er Jahre und der Musik von Joy Division. Auch inhaltlich kann der Film überzeugen. Sam Riley ist sehr stark als Ian Curtis, der aufgewühlte Frontman der Band. Control vermittelt das Gefühl der musikalischen Energie, die damals durch die Straßen von Manchester strömte.

Schönster Moment: Disorder.

Platz 4: Guizi Lai Le von Jiang Wen
TITEL

Ein kleines Dorf am Fuße der Chinesischen Mauer. Ma Dasan (Wen Jiang) vergnügt sich nachts mit seiner Geliebten, als eine mysteriöse Figur ihm ein etwas anderes Paket aufdrängt: Auf einen gefangenen japanischen Soldaten und seinen Übersetzer soll der einfache Mann aufpassen, sie sollen später wieder abgeholt werden. Kein leichtes Unterfangen, denn inmitten des chinesisch-japanischen Krieges stürzt das Dorf in eine moralische Zwickmühle: Ausliefern und Strafe riskieren oder Festhalten und Strafe riskieren? Jiang Wens Devils on the Doorstep (internationaler Titel) bescherte ihm den Großen Preis der Jury beim Filmfestival in Cannes und uns eine teils surreale, äußerst komische als auch verstörende Parabel über Menschlichkeit zu Kriegszeiten, deren märchenhaft wirkende Licht-Schatten-Setzung eher in einem Film aus den 50er Jahren zu erwarten gewesen wäre.

Schönster Moment: Das Dorf verhört die Gefangenen.

Platz 3: Das Turiner Pferd von Béla Tarr
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Es ist nicht einfach, diesen Film zu beschreiben, wenn ihr noch nie einen Béla-Tarr-Film gesehen habt. Wir beobachten einen Mann, seine Tochter und ein Pferd, während eines ohrenbetäubenden Sturms. Es passiert sehr wenig. Tarr lässt die Kamera unheimlich lange laufen (die gesamten 2,5-Stunden setzen sich aus nur 30 Einstellungen zusammen) und baut dadurch eine bedrückende Atmosphäre auf. Das Thema des Films ist die Schwerfälligkeit der menschlichen Existenz, die in jeder Sekunde dieses Werks ausgedrückt wird. Wer die nötige Geduld für diesen Film aufbringen kann, wird mit wunderschönen Bildern belohnt.

Schönster Moment: Die erste Szene; Ohlsdorfer reitet durch den Nebel nach Hause.

Platz 2: Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte von Michael Haneke
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Michael Hanekes Palme-d’or-Gewinner ist ein extrem bedrückendes, schwieriges Werk. Ohne jegliche Filmmusik erzählt der Österreicher die Geschichte eines Dorfes im protestantischen Norden Deutschlands kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Diese erschreckende Parabel deutet ständig auf ein lauerndes Grauen innerhalb dieser Gesellschaft hin, ohne es uns vollständig zu offenbaren. Kameramann Christian Berger wurde für seine Arbeit mit einer Oscar-Nominierung belohnt, was für einen nicht-englischsprachigen Film höchst ungewöhnlich ist.

Schönster Moment: Ein verletztes Vöglein.

Platz 1: The Man Who Wasn’t There von Joel Coen
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The Man Who Wasn’t There beginnt als Tribut an den Film-Noir der 40er Jahre und verwandelt sich in eine Hommage an die Science-Fiction-Klassiker der 50er Jahre. Dieser außergewöhnliche Film der Coen-Brüder wurde, wie die meisten ihrer Werke, vom legendären Kameramann Roger Deakins gefilmt. Visuell ist der Film also selbstverständlich absolut erstklassig. Dazu kommen die klassischen Coen-Elemente: kuriose Charaktere, schräger Humor und eine absurde Handlung. Im Mittelpunkt steht Billy Bob Thornton, der hier fast Anti-Schauspielerei bietet. Sein ausdrucksloses Pokerface und seine gelangweilte Stimme machen den Friseur urkomisch. Wie es sich für einen altmodischen Schwarz-Weiß-Film gehört, hat er außerdem ständig eine Zigarette im Mund.

Schönster Moment: Ein fliegendes Auto.

Welchen modernen Schwarz-Weiß-Film findet ihr am besten?

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