Dune soll das neue Herr der Ringe werden, hat gegenüber dem Fantasy-Erfolg aber einen gewaltigen Nachteil

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Dune
10.09.2021 - 09:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Auf den Schultern von Dune lastet eine große Bürde. Das der gigantische Science-Fiction-Blockbuster mit Timothée Chalamet und Zendaya in den Hauptrollen soll Warners neues Herr der Ringe werden.

Der Hype ist riesig: Spätestens seit den euphorischen Kritiken von den Filmfestspielen in Venedig mausert sich Dune dazu, das Kinoevent des Jahres zu werden. Der Science-Fiction-Blockbuster genießt viele Vorschusslorbeeren und hat eine enorme Aufgabe zu erfüllen. Warner Bros. erwartet nichts weniger als sein nächstes Der Herr der Ringe. Dune kommt allerdings mit einem entscheidenden Nachteil daher.

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Bekannte Marken sind in der gegenwärtigen Film- und Serienlandschaft das wertvollste Gut, das es gibt. Große Studios setzen alles auf den Ausbau bestehender Franchises, angefangen bei Star Wars über Fast & Furious bis hin zum Marvel und DC. Blicken wir uns in den vergangenen Jahren um, lässt sich kaum ein Blockbuster ohne Anschluss an eine bestehende Geschichte finden. Ein neues Franchise zu starten, ist jedoch knifflig.

Dune ist ein Sci-Fi-Epos, aber kein garantierter Erfolg

Klar, Dune kommt nicht von irgendwo. Der Film basiert auf Frank Herberts wegweisender Romanvorlage gleichen Namens, die bereits mehrfach adaptiert wurde. Am bekanntesten ist David Lynchs Verfilmung aus dem Jahr 1984. Eine populäre Vorlage verspricht jedoch keinen automatischen Erfolg, wie das phänomenale Scheitern von Der dunkle Turm trotz Stephen King-Bonus bewiesen hat.

Der gigantische Trailer stimmt auf Dune ein:

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Dune steht ganz am Anfang und trägt eine große Bürde auf seinen Schultern. Die 165 Millionen US-Dollar teure Unternehmung soll das Grundwerk für ein Franchise legen, das in den nächsten Jahren ausgebaut werden kann. Regisseur Denis Villeneuve war zu Beginn der Produktion nie verlegen, zu betonen, dass er Dune als Zweiteiler plant, wenngleich die Fortsetzung offiziell noch kein grünes Licht erhalten hat. Zudem befindet sich für den Streaming-Dienst HBO Max die Spin-off-Serie Dune: The Sisterhood in Entwicklung.

Denis Villeneuve hat keinen Herr der Ringe-Freifahrtschein

Warner setzt große Hoffnungen in Dune, doch einen – rückblickend verblüffenden – Freifahrtschein wie Peter Jackson bei seiner Herr der Ringe-Trilogie hat Villeneuve nicht erhalten. Er darf nicht drei Filme direkt hintereinander drehen, die ein vollständiges Erlebnis in einer umfangreichen Fantasiewelt garantieren. Dune muss als einzelner Film alle wichtigen Hürden überwinden, bevor die komplette Saga erzählt werden kann.

Besonders vier Punkte machen Dune zu einem risikoreichen Unterfangen:

  • Die Corona-Pandemie: Dune startet inmitten der Corona-Pandemie in den Kinos und wird in den USA zeitgleich auf HBO Max veröffentlicht. Das macht es sehr schwer, den Erfolg des Films eindeutig zu beziffern. Villeneuve sagt, dass er erst im Dezember weiß, ob er mit der Arbeit an der Fortsetzung anfangen kann.
  • Die Franchise-Tauglichkeit: Dass Herberts Dune-Kosmos Stoff über mehrere Filme und Serien bereithält, steht außer Frage. Komplexe Figuren und Ereignisse türmen sich in seinen Büchern. Allerdings war die Dune-Geschichte nie die zugänglichste. Dune muss das Konzept nun einem Mainstream-Publikum verkaufen.
  • Die logistischen Probleme: Jackson konnte die Herr der Ringe-Trilogie ohne Unterbrechung in Neuseeland drehen. Das verdichtete die Produktion, sparte Kosten und erleichterte die Arbeit von Cast und Crew. Für Dune existiert diese Infrastruktur noch nicht. Stattdessen erfüllt der erste Film die Rolle eines Piloten.
  • Das Vertrauen des Publikums: Zu viele Sci-Fi-/Fantasy-Reihen wurden in den vergangenen Jahren verfilmt und vorzeitig abgebrochen. Das Publikum könnte dementsprechend skeptisch bei Dune ins Kino gehen, zumal hier nicht einmal ein ganzes Buch, sondern nur die Hälfte eines Buchs umgesetzt wurde.
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Während wir beim ersten Punkt nur abwarten können, wie sich Dune im Angesicht der aktuellen Situation an den Kinokassen entwickelt, sorgt der zweite Punkt für mehr Aufsehen. Obwohl es bereits mehrere Verfilmungen gab, ist Dune eine der Geschichten, die aufgrund ihres Umfangs und der sperrigen Erzählung gerne als unverfilmbar bezeichnet werden. Alejandro Jodorowsky scheiterte etwa in den 1970er Jahren an einem 14-Stunden-Epos, wie die Dokumentation Jodorowsky's Dune eindrucksvoll festhält.

Dune ins Kino zu bringen, ist kein Selbstläufer – und Denis Villeneuves Karriere ebenso kein zuverlässiger Garant für einen Mega-Hit. Obwohl das Schaffen des kanadischen Regisseurs regelmäßig von der Kritik gefeiert wird und viele Fans gefunden hat, war sich der stimmungsvoll inszenierte Blade Runner 2049, sein wichtigster Film vor Dune, aus finanzieller Perspektive eine Enttäuschung und zog keine Fortsetzung nach sich.

Denis Villeneuve ist noch kein Christopher Nolan

Villeneuve ist noch kein Name wie Christopher Nolan, der selbst die verrückteste Idee als Blockbuster verkaufen kann. Seine Filme sind alle eine Spur schwerfälliger und damit weniger für den Mainstream geeignet. Villeneuve ist fraglos eine interessante Wahl für Dune, aber nicht der Regisseur, der den bitteren Untergang des Haus Atreides im Handumdrehen in ein vergnügliches Blockbuster-Spektakel verwandelt.

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Villeneuve will ein ungemütliches Star Wars für Erwachsene auf die Leinwand bringen und hat dafür alle verfügbare Star-Power in Hollywood zusammengetrommelt, angefangen bei Timothée Chalamet und Zendaya über Oscar Isaac und Rebecca Ferguson bis hin zu Josh Brolin, Dave Bautista und Javier Bardem. Mindestens ein Gesicht auf dem Dune-Poster wird die Aufmerksamkeit von geneigten Kinogänger:innen erhaschen.

Der Film muss nun das Kunststück vollbringen, seine Welt, seine Figuren und seine Geschichte so greifbar zu machen, wie es Peter Jackson vor 20 Jahren mit J.R.R. Tolkiens Mittelerde-Universum getan hat. Villeneuve hat einen Film, eine Chance. Entweder begleitet uns die Reihe noch lange Zeit oder wir schauen dem Scheitern eines der ambitioniertesten Franchise-Starter jüngerer Vergangenheit zu und haben einen Rumpffilm zu beklagen.

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Glaubt ihr, Dune wird es zum nächsten großen Hollywood-Franchise schaffen?

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