Aladdin: Da ist eine große Enttäuschung im Anflug

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"I am what I am and I do what I can."

Ich wollte mich auf Disneys Remake von Aladdin freuen. Wirklich. Aber nach allem Bild- und Video-Material, was bisher veröffentlicht wurde, fällt mir das zunehmend schwerer. Nun ist der erste lange Trailer zu dem neusten der zahlreichen Live Action-Remakes von Disney erschienen ... und mein Vorhaben, den Film noch nicht vor seinem Kinostart am 25.05.2019 abzuschreiben, gerät einmal mehr stark ins Wanken. Ich fürchte zunehmend, dass da ein Flop auf seinem fliegenden Teppich herannaht.

Aladdin: Blasse Figuren vor einem zu bunten Hintergrund

Alles, was wir bereits zu Aladdin wissen, ließ bei mir vor allem einen Eindruck entstehen: Guy Ritchies Aladdin wird bunt. Sehr bunt. Ich will nicht ausschließen, dass die überdrehte Farbpalette in einem historischen Setting funktionieren kann, zumal Aladdin zwar in der Vergangenheit, aber in einer fiktiven Fantasy-Welt spielt. Doch wenn Kostüme und Sets in ihren strahlenden Regenbogenfarben ablenken, statt in einer völlig neuen Welt einen Traum wahr werden zu lassen, dann schießt die überambitionierte Kolorierung vielleicht über das Ziel hinaus.

Jasmins Kleid ist zum Beispiel so pink, dass es mich stark an die synthetischen Plastik-Erzeugnisse erinnert, die einige meine kostümierten Mitschülerinnen zur Grundschul-Faschingszeit überstülpten. Durch ihre farbliche Übertreibung laufen die Gewänder in Aladdin Gefahr, billig zu wirken.

Die Tanznummern beschwören zudem einen bewusst gewählten Exzess herauf, der zwar gut choreografiert zu sein scheint, mich persönlich aber stark an Bollywood-Einlagen erinnert. Doch ich erwarte eigentlich hier arabische Nächte und keine indischen...

Diese kulturelle Vermischung sollte nach vorangegangenen Kontroversen wie nachgebräunten Statisten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zwar wurde "White Washing" diesmal bei der Besetzung tunlichst vermieden, doch Gadgets verweist mit dem "Colourism"-Vorwurf gegen Aladdin gleich auf die nächste Schwierigkeit: nämlich, dass die Schauspieler zwar in ihrer Hautfarbe, aber nicht in ihrer wahren Herkunft ihren Figuren entsprechen und nur Äußerlichkeiten zählen.

Wenn Charaktere wie Aladdin (Mena Massoud), Jasmine (Naomi Scott) und Jafar (Marwan Kenzari) im Trailer wenigstens schon darstellerisch zeigen könnten, was in ihnen steckt, wäre das vielleicht ein Pluspunkt, doch leider bleiben die meisten Hauptdarsteller bisher blass - beziehungsweise werden von einem strahlend blauen Will Smith zur Nebensächlichkeit herabgesetzt.


Will Smith überstrahlt in Blau den Rest von Aladdin

Will Smith ist mit Abstand das bekannteste Cast-Mitglied in Aladdin. Insofern ist es als Verkaufsstrategie bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehbar, dass er als Zugpferd für das Disney-Remake in Aktion tritt und als Bekannter unter eher unbekannten Schauspiel-Gesichtern hervorsticht.

Dennoch: Der Film heißt Aladdin und nicht Dschinni. (Ist es nicht bezeichnend, dass mit Genies bereits ein entsprechender Disney-Film über den Lieblings-Flaschengeist in früher Planung ist?) Insofern sollte eigentlich das von Aladdin im Trailer erschaffene Alter Ego Prinz Ali nicht hinter dem Prinz von Bel-Air verschwinden. Doch leider tut er das, schon allein durch Will Smiths Besetzung.

Wenn der Dschinni auf Kosten seines Flaschenputzers die Lacher des Publikums auf seiner Seite hat (Stichwort: Prinzenerschaffung, Kontrolle auf der Tanzfläche), dann wird Aladdin zur Will-Smith-Show und Protagonist Aladdin zur Marionette seiner Gags.

Das weitreichende Problem daran ist nur: Will Smith muss sich für seine Dschinni-Rolle an Schauspiel-Ikone und Vorlagen-Sprecher Robin Williams messen lassen. Dieser Vergleich entlockte den Fans trotz nachgelieferter blauer Farbe bisher allerdings wenig Gegenliebe, ja ließ den Flaschengeist sogar eher zur Lachnummer werden. Wenn aber seine Figur des Dschinni nicht ernst genommen wird, könnte das Aladdin endgültig zu Fall bringen.

Guy Ritchie als Aladdins Regisseur: Segen oder Fluch?

Als bekannt wurde, dass Guy Ritchie zu Aladdins Regisseur werden würde, überzeugte mich diese Disney-Entscheidung. Schließlich verstand sich der britische Filmemacher von Werken wie Snatch, Codename U.N.C.L.E. und Sherlock Holmes auf leichtfüßige Action mit erinnerungswürdigen Charakteren. Tatsächlich ist auch im Aladdin-Trailer seine augenzwinkernde Handschrift zu spüren, z.B. wenn die Titelfigur durch Gassen flieht oder gefesselt dem Wasser entgegenstürzt.

Meistens habe ich großen Spaß an Guy Ritchies rasanter Inszenierung schnell geschnittener bzw. gefilmter Action-Szenen. Allerdings müssen diese Schauwerte unterfüttert werden, dürfen also nicht nur als leere Hülsen existieren, wie es leider zuletzt im CGI-überladenen (und Charakter- und Story-unterladenen) King Arthur: Legend of the Sword passierte. Dass sich dieses Malheur nicht wiederholen wird, muss Aladdin leider erst noch beweisen.

Letzter Hoffnungschimmer: Drei Wünsche zu Aladdins Rettung

Der am 28.03.2019 startende Dumbo und der im Sommer, am 18.07.2019 folgende Der König der Löwen, wirken momentan auf mich wie die attraktiveren Remakes - obwohl sich auch schon hier Zweifel einschleichen, dass Disneys millionenschwere Realfilm-Neuauflagen nicht vor Abstürzen gewappnet sind. Trotzdem will ich von der letzten Hoffnung von Aladdin als gutem Film noch nicht ganz Abschied nehmen. Wenn ich selbst eine Wunderlampe besäße und drei Wünsche frei hätte, würden diese so aussehen:

  • 1.) Anders als bei anderen Filmen wünsche ich mir, dass der Trailer einen falschen Eindruck vom Film vermittelt, indem er die falschen Aspekte betont.
  • 2.) Ich wünsche mir, dass Aladdin nicht zur One-Man-Show von Will Smith verkommt, sondern auch anderen Charakteren Raum zur Entfaltung zwischen all der versprochenen Action einräumt.
  • 3.) Zu guter Letzt wäre es außerdem mein Wunsch, dass der Film es am Ende doch noch schafft, mit den bekannten Liedern das alte Disney-Gefühl zurückzubringen, das im Trailer zumindest ansatzweise anklang und für ein wenig Gefühl und Gänsehaut sorgte.

Dann könnte Aladdin doch noch abheben statt auf dem Teppich zu bleiben. Denn der Film soll lieber einen "kleinen Freundschaftsdienst" leisten, statt nur "schnell weg" sein, wie schon die Lieder des Originals so weise verkündeten.

Seid ihr nach dem Aladdin-Trailer auch enttäuscht oder eher hoffnungsvoll?

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