Aladdin: Mit Will Smith als Dschinni kann das Disney-Remake nur gewinnen

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Junior Redakteurin im Content-Team bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Serien, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Nach überragenden Kassenerfolgen in den letzten Jahren mit Filmen wie Die Schöne und das Biest hat Disney eine regelrechte Remake-Offensive in Gang gesetzt und so erwarten uns gleich mehrere Neuauflagen liebgewonnener Zeichentrick-Klassiker. Den schwersten Stand scheint dabei momentan Aladdin zu haben. Allein auf Grundlage des bislang veröffentlichten Materials wurde schon viel am neuen Film von Guy Ritchie herumgenörgelt, bei mir allerdings steigt die Vorfreude mit jedem neuen Bildschnipsel.

Mit Aladdin und Guy Ritchie geht Disney ein Wagnis ein

Ehrlich gesagt kann ich meinen Augen kaum trauen: Der erste lange Trailer zu Aladdin sorgt für eine absolute Reizüberflutung und deutet an, dass Ritchie das Original nicht unbedingt mit Samthandschuhen anfasst. Die Songs wurden offensichtlich umgedeutet, während die gezeigten Actionsequenzen bereits deutlich die kecke, von flotten Schnitten bestimmte Handschrift des Regisseurs erkennen lassen - und das sind nur zwei Faktoren, die eingefleischte Disney-Fans schnell mal vor den Kopf stoßen können.

Offenbar schlägt Aladdin einen denkbar anderen Weg ein als etwa Der König der Löwen, dessen Trailer sich vor allem durch die fast schon akribisch genaue Nachahmung der Zeichentrick-Version (nicht) auszeichnet. Sollte der fertige Film diese Tendenz bestätigen, kann eigentlich nur von einem kreativen Armutszeugnis gesprochen werden. Aladdin hingegen riskiert zu scheitern, wo viele andere Disney-Produktionen nach Formeln inszeniert sind, und dafür hat er meine Sympathien.

Aladdin: Ein bisschen Spaß muss sein

Im Nachhinein verwundert es doch sehr, dass der Megakonzern Disney und Guy Ritchie überhaupt zusammengefunden haben. Ein echter Erfolg an den Kinokassen war dem Briten schon lange nicht mehr vergönnt, im Gegenteil legte er zuletzt mit King Arthur: Legend of the Sword eine Bruchlandung hin. Ihm gewisse künstlerische Freiheiten zu gewähren, ist für ein großes Studio zumindest aus kommerzieller Sicht ein Risiko und doch kam dieses Kuriosum Aladdin irgendwie zustande. Eine Tatsache, die wir feiern sollten.

Will Smith ist eine Bereicherung für Aladdin

Besondere Aufmerksamkeit zieht bei Aladdin natürlich Will Smith auf sich, gleichwohl sein Dschinni ursprünglich nicht die Hauptfigur der Geschichte ist. Smiths Casting ließ so manche Augenbraue nach oben wandern, auf Basis des Trailers vermute ich mittlerweile jedoch, dass er die Idealbesetzung für den Flaschengeist sein könnte. Die Rolle ist für ihn eine gute Gelegenheit, mal wieder richtig jene Stärke auszuspielen, die ihn einst zum Superstar machte: sein humoristisches Talent.

Nach unter anderem seinem Auftritt in dem von Kritikern zerrissenen Netflix-Film Bright sowie seinem Ausstieg bei Suicide Squad 2 befindet sich Will Smith gerade an einem schwierigen Punkt in seiner Karriere. Ein Publikumsmagnet wie noch vor 20 Jahren ist er im Grunde schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Bevor er demnächst aber die Chance hat, mit dem Sequel Bad Boys 3 den Geist der 1990er-Jahre zu beschwören, darf er sich in blauer Farbe auf alte Qualitäten berufen. Die Tür für eine Will Smith-Renaissance steht damit offen.

Dem alten Dschinni sollten wir nicht hinterher trauern

Natürlich werden wir in Aladdin einen komplett neuen (rappenden!) Dschinni erleben, der mit der einst von Robin Williams gesprochenen Figur nicht allzu viel gemein hat. Dies als Vorwurf gegen das Remake zu richten, halte ich aber für nicht sehr ergiebig und außerdem will den Fans das beliebte Original ja niemand wegnehmen. Offenbar hat Guy Ritchie zumindest im Fall von Dschinni die Figur auf den Darsteller zugeschnitten, was hier definitiv mehr verspricht als die umgekehrte Variante.

Damit bleibt noch die Befürchtung, Will Smith könne als Nebendarsteller den restlichen Cast überstrahlen und Aladdin zu einer Solo-Show machen. In der Tat müssen Mena Massoud und Naomi Scott erst noch beweisen, dass sie in der Lage sind, mit der Leinwandpräsenz ihres Kollegen mitzuhalten, ein endgültiges Urteil sollten wir uns diesbezüglich aber erst nach dem Kinostart von Aladdin erlauben. Die Newcomer haben eine faire Chance verdient. Ohnehin war auch schon im Original Dschinni der einprägsamste Charakter.

Aladdin verspricht ein buntes Spektakel

Seien wir ehrlich: Ein tiefgründiges Charakterdrama ist bei Aladdin von vorneherein nicht zu erwarten. Dagegen sprechen die Beteiligung von Disney und Guy Ritchie, der erfahrungsgemäß eher Wert auf eine rasante Inszenierung legt, gleichermaßen. Die Schauwerte hingegen stimmen schon auf den ersten Blick und entführen uns in eine ebenso märchenhafte wie abgedrehte Welt.

Der Grat zwischen Genie (bzw. Dschinni) und Wahnsinn ist manchmal sehr schmal. Der Trailer zu Aladdin dient dafür als gutes Beispiel, doch auch, wenn Guy Ritchie das Projekt letztlich doch gegen die Wand gefahren haben sollte, ist mir sein Ansatz weitaus lieber als das Aufwärmen von Altbekanntem. Den Verlauf der Handlung des Originals scheint der Regisseur dabei immerhin in groben Zügen beibehalten zu haben und wer weiß: Vielleicht überrascht sein Aladdin uns alle.

Wir habt ihr den Aladdin-Trailer aufgenommen?

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