The Walking Dead - Wir schauen Staffel 6, Episode 12

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Gabriel (Seth Gilliam)
08.03.2016 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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So düster war The Walking Dead noch nie. In Not Tomorrow Yet, der zwölften Episode der sechsten Staffel, überquert Rick eine Linie, vor der er sich bisher stets versteckt hatte - und die Grenze zwischen Gut und Böse verschwindet endgültig.

Überzeugt von sich selbst und seiner Gruppe ließ Rick (Andrew Lincoln) vergangene Woche einen Ansage verlauten, die ihm - womöglich sprichwörtlich - das Genick brechen könnte. Um sich die Hälfte aller Güter der Hilltop Community zu sichern, ging er mit dem Anführer der Gemeinschaft, Gregory (Xander Berkeley), einen verhängnisvollen Deal ein: Er und seine Gruppe werden den bis dato immer noch gesichtslosen Negan (Jeffrey Dean Morgan) in seine Schranken weisen.

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Eine deutliche Kriegserklärung, die von einem entschlossenen "We kill them all" seitens Rick in Not Tomorrow Yet, der zwölften Episode der sechsten Staffel von The Walking Dead, erneut bestätigt wird. Bevor es jedoch so weit ist, sorgen Drehbuchautor Seth Hoffman und Regisseur Greg Nicotero für ein gekonnt irritierendes Opening, das nach mehreren Wochen Abstinenz endlich Carol (Melissa McBride) in den Mittelpunkt des Geschehens rückt.

There's no turning back now.

Während Weeds Or Wildflowers  von Parsonfield im Hintergrund läuft und für eine lockere Stimmung sorgt, widmet sich Carol ihrer Lieblingsbeschäftigung und backt einen Haufen köstlicher Kekse, die sie im Anschluss mit strahlendem Lächeln unter den Bewohnern von Alexandria verteilt. Die Situation ist bizarr - wie in einem schlechten Werbespot, in dem alle Menschen stets gut gelaunt sind und voller Erwartung das jeweilige Produkt in Empfang nehmen. Nur einer muss dem Miesepeter spielen: Tobin (Jason Douglas), der sich sichtlich unbeeindruckt von Carols guter Tag zeigt. "Will you just put it in your mouth, jerk", lautet Carols kompromisslose Antwort, die nicht nur innerhalb des Bruchteils einer Sekunde die vermeintliche Idylle zerstört, sondern ebenfalls verwundert, als sich Carol später dazu entschließt, mit dem Nörgler die Nacht zu verbringen. Vermutlich sucht Carol einfach Ablenkung, ohne groß Gefühle investieren zu müssen.

Emotionaler gestaltet sich dagegen das Aufeinandertreffen zwischen Carol und Morgan (Lennie James), die seit dem Mid-Seasonfinale kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Gelöst wird der Konflikt allerdings auch diese Woche nicht. Vielmehr scheint es so, als wolle Seth Hoffman die offene Auseinandersetzung begraben, um sich auf aktuellere Probleme zu konzentrieren. "Can we just forget it, move past it?" Nicht zuletzt sorgt Morgan wenige Minuten später für anderweitige Ungereimtheiten in der Gruppe, als Rick von der Begegnung mit der Hilltop Community berichtet. In der Kapelle von Alexandria versammeln sich die Überlebenden und lauschen Ricks Worten, die von Tod und Verderben künden. Morgan ist der einzige der Alexandrianer, der seine Stimme gegen den Anführer erhebt. Anstatt Negans Gefolgschaft direkt anzugreifen, möchte er vorerst einen Dialog etablieren. Die Begeisterung der Umstehenden hält sich jedoch in Grenzen.

Es ist durchaus erstaunlich, wie viel Rückhalt Rick bei dieser Angelegenheit von seiner Gruppe erhält. Immerhin nimmt er dieses Mal die Position der angreifenden Instanz und nicht die der verteidigenden ein. Rick wartet nicht mehr, bis der Feind zuerst schießt. Nein, er ist ab sofort derjenige, der zuerst schießt - und das ist gleichermaßen konsequent wie beängstigend. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion soll Negans Stützpunkt gestürmt werden. Wenngleich die Informationslage bedürftig ist und hauptsächlich auf vagen Spekulationen beruht, ist sich Rick seiner Sache sehr sicher. So sicher, dass folgende Nachfrage durchhaus berechtigt ist: Kann es sein, dass Rick die Lage etwas unterschätzt? Die Stimmung ist angespannt und trotz motivierter Gesichter, die bereit sind, sich in den Kampf zu stürzen, liegt eine Menge Skepsis in der Luft. Allerdings traut sich niemand (außer Morgan), Ricks Plan wirklich infrage zu stellen.

Dann geht die Sonne unter und es gibt kein Zurück mehr. Als hätte sich Teile aus Zero Dark Thirty (sowohl in puncto Terror als auch Chaos) ins The Walking Dead-Universum verirrt, erobern Rick und Co. Negans Festung Meter für Meter. Dass es sich bei dieser Unternehmung ursprünglich um eine Geiselbefreiung handeln sollte, ist schnell vergessen. Kaum wurde der Verschleppte den Händen seiner Peiniger entrissen, beginnt das skrupellose Töten. Während Negans Männer schlafen, bekommen sie von Abraham (Michael Cudlitz), Sasha (Sonequa Martin-Green) und Konsorten mit dem Messer die Augen ausgestochen. Routiniert und irgendwie cool wirkt es, wenn Daryl (Norman Reedus) sich taktisch durch die Gänge kämpft. Größere Zweifel hegt Glenn (Steven Yeun), der sichtlich mit seinem Gewissen kämpft. Wer hier gut und wer böse ist - das ist eine Frage, die für einen Moment tatsächlich schwer zu beantworten ist. Und vielleicht gehört Not Tomorrow Yet gerade aufgrund dieser verwegenen Einstellung zu den düstersten Episoden in der gesamten The Walking Dead-Historie.

Lediglich ein paar Polaroidbilder an der Wand einer Schlafkammer vergewissern uns, dass es sich bei dem Schlafenden auch wirklich um jene sadistischen Monster handelt, die aus Spaß an der Freude die zermatschten Körper ihrer Opfer fotografieren und die Abzüge danach bei sich zu Hause aufhängen. Die letzte Rückversicherung also, bevor einer nach dem anderen abgemurkst wird. Dennoch markiert die Episode jenen Punkt, an dem Rick eine der letzten Grenzen überschreitet, vor deren Überquerung er sich lange Zeit gefürchtet hat. Ist das die schöne, neue Welt, von der er zuletzt noch gegenüber Carl (Chandler Riggs) gesprochen hat? Die nächste Welt, die er unbedingt seinem Sohn zeigen wollte? Wo Robert Kirkman vor Jahren im Vorwort zum ersten The Walking Dead-Issue schrieb, er wolle zeigten, wie sehr und in was sich der Mensch im Angesicht der Zombie-Apokalypse verwandeln kann, löst die Serie mit Not Tomorrow Yet dieses Versprechen auf äußerst unangenehme Art und Weise ein.

"Why are you still wearing that?", fragt Rick Gabriel (Seth Gilliam), der weiterhin die Robe eines Geistlichen trägt, obwohl er mittlerweile ebenso beherzt zur Waffe greift, wenn es darum geht, einem Beißer den Garaus zu berieten. In dieser Episode tötet Gabriel sogar einen lebendigen Menschen - und keinesfalls aus Gnade. Trotzdem gestaltet sich seine Antwort wie folgt: "It's still who I was." Und die entscheidende Frage, die sich aus diesem unscheinbaren Gespräch ergibt, ist keine andere als: Weiß Rick überhaupt noch, wer er vorher war? Weiß Rick, dass er einst ein Sheriff war, der selbst zu Beginn der Zombie-Apokalypse bestimmte Ideale vertreten und verfolgt hat. Und weiß Rick, dass sich dieser Sheriff in den vergangenen Wochen in einen Killer verwandelt hat? The Walking Dead bewegt sich folglich auf extrem ambivalenten Terrain - aber gerade deswegen ist die Serie momentan so gut wie nie.

Anmerkungen am Rande:

  • Arsonist's Lullaby  von Hozier ertönt und der unerbittliche Überfall scheint in den frühen Morgenstunden ein Ende gefunden zu haben. Doch dann ist da noch dieser perfekte Cliffhanger: "We've got a Carol and a Maggie."
  • Zweckentfremdung abgehakter Zombieköpfe: Rick gibt sich besonders Mühe, um das Gregory-Double so hinzurichten, dass es zum Schluss absolut unkenntlich ist.
  • Bear McCrearys treibender Score entpuppt sich auch in Not Tomorrow Yet als Pulsschlag der Episode. Ich werde nie aufhören zu betonen, wie wichtig dieser Mann für die atmosphärische Gestaltung von The Walking Dead ist.
  • Eugene trägt ein Virginia is for Lovers-T-Shirt. Okay.
  • Vielleicht liegt es bloß an den gigantischen Satellitenschüsseln, aber irgendwie hatte diese Episoden einen starken James Bond 007 - GoldenEye-Vibe.
  • "Do you love her?" - "Yeah." - "So, you know what you're fighting for."
  • "Just want to know which one of them was Negan."

Was bisher geschah:

The Walking Dead - Staffel 6, Folge 1: First Time Again
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 2: JSS
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 3: Thank You
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 4: Here's Not Here
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 5: Now
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 6: Alway Accountable
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 7: Heads Up
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 8: Start to Finish
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 9: No Way Out
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 10: The Next World
The Walking Dead - Staffel 6, Folge 11: Knots Untie

Die 6. Staffel von The Walking Dead läuft in Deutschland beim Pay-TV-Sender FOX .

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