The Walking Dead - Staffel 8, Folge 11: Die Toten aus dem Sumpf

The Walking Dead - Staffel 8, Folge 11: Dead or Alive Or
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The Walking Dead - Staffel 8, Folge 11: Dead or Alive Or
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Schaut zu viel ins Internet.

Für gewöhnlich profitiert The Walking Dead davon, sich pro Episode nur einer Handvoll Figuren zu widmen. Immerhin kann so ein bestimmtes Ereignis aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchtet werden und langfristig ist ebenfalls gewährt, dass kein Mitglied des inzwischen stattlichen Ensembles ohne großen Moment aus einer Staffel geht. Nach zwei intensiven Episoden stehen wir nun allerdings vor dem Problem, dass nicht unbedingt die stärksten Handlungsstränge übrig geblieben sind, um die 45 Minuten von Dead or Alive Or in ein vergleichbar dichtes Drama wie in den letzten Wochen zu verwandeln. Je weiter die 11. Episode der 8. Staffel von The Walking Dead jedoch voranschreitet, desto besser zeichnen sich ihre hintergründigen Motive ab. Besonders spannend wird es, wenn die Tragik der Überläufer in den Vordergrund des Geschehens rückt und vermoderte Gestalten im Nebel aus dem Sumpf gekrochen kommen.

Nach der Zerstörung Alexandrias befinden sich Daryl (Norman Reedus), Tara (Alanna Masterson) und Rosita (Christian Serratos) mit den übrigen Überlebenden auf den Weg zur Hilltop Colony. Dazu gesellt sich auch Siddiq (Avi Nash), der einmal mehr beweist, dass er Carls (Chandler Riggs) Tod ehren will, und seine Dienste fortan dem Wohl der Gruppe anbietet. Es sieht ganz so aus, als wäre die Vertrauensfrage geklärt, ähnlich wie bei Dwight (Austin Amelio), der dem Lager der Saviors den Rücken gekehrt hat, um sich Ricks (Andrew Lincoln) Gruppe anzuschließen. Wenn er von einem besseren Weg durch das Labyrinth der Bäume berichtet, geht Daryl tatsächlich auf seinen Vorschlag ein. Komplett aus der Welt geschafft sind die alten Wunden damit allerdings noch nicht. Denise (Merritt Wever) ist immer noch tot und daran wird kein entschuldigender Treuebeweis etwas ändern. Vorerst bereitet Daryl die Logistik der Flucht aber mehr Sorgen.

Anders sieht es dagegen bei Tara aus, die das Wirrwarr im Sumpf schließlich ausnutzt, um eine persönliche Rechnung zu begleichen. Immer wieder hält sie Dwight die Waffe an den Kopf und konfrontiert ihn mit seiner fragwürdigen Vergangenheit. "I hate them. I hate Negan", platzt es verzweifelt aus diesem heraus, doch die Verteidigung ist zu schwach, um Taras Gefühle zu bändigen. Im Irrglauben, der Schuss würde die Hölle, in der sich Tara und die anderen befinden, auch nur ein Stück weit erträglicher machen, drückt sie schließlich den Abzug und legt all ihre sonst so munteren Eigenschaften ab. Der eiskalte Blick einer Killerin ziert nun ihr Gesicht - allerdings auch der einer Killerin, die aufgrund ihres rasenden Pulses ihr Ziel verfehlt. Die daraus resultierende Verfolgungsjagd durchs Unterholz wird mit einem unerwarteten Seitenwechsel aufgelöst. Um Taras Kugeln zu entkommen, pokert Dwight mit hohem Einsatz und schließt sich erneut den Saviors an.

Wortwörtlich springt er durchs Gebüsch, um die Menschen zu überraschen, die er angeblich so hasst. Nun ist es Tara, die sich mucksmäuschenstill verstecken muss, während sie innerlich am liebsten explodieren würde. Entgegen ihrer schäumenden Wut, gelingt es Dwight, Tara schlussendlich dennoch von seiner Loyalität zu überzeugen, wenn er seinen Mut zusammenrafft und die Saviors vom Sumpf wegführt. Gekonnt stellt das Drehbuch von Eddie Guzelian die Moral und den Ehrenkodex eines Überläufers infrage und verleiht der Episode emotionales Gewicht. Dwight bleibt eine nach wie vor streitbare Figur, die unsere Helden an ihre Grenzen treibt und provozierend auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse balanciert. Sein aufopferungsvolles Handeln löst trotzdem etwas in Tara aus, das auch beim wütenden, grummeligen Daryl für Gänsehaut sorgt, als ihm klar wird, wie dieser Tag hätte enden können. Denn heute ist keiner zum Mörder geworden.

Weniger Glück haben derweil Gabriel (Seth Gilliam) und Dr. Carson (R. Keith Harris), die orientierungslos durch den Wald irren, ehe sie die erlösenden Pforten einer heruntergekommenen Behausung finden. Wo Gabriel weiterhin Zeichen seines Schöpfers sieht, vertritt Dr. Carson die Position der Wissenschaft und will sich nicht von der Überzeugung seines Mitleidenden anstecken lassen. Ein Paradies ist für ihn nicht ein Reichweite. Gabriel träumt dennoch von der Hoffnung, von anderen gehört zu werden. Der Hoffnung, andere zu erreichen. Und der Hoffnung, nicht alleine zu sein in dieser Welt, die immer kleiner wird. Zwar mag sich der Gottesmann aufgrund seiner Infektion im Delirium befinden, als die Scherben aber wahrlich Glück bescheren, wirkt sein unerschütterlicher Glaube gar nicht mehr so fehl am Platz. "He’s still leading the way. Believe it and you’ll see", verkündet er Dr. Carson, der sich daraufhin ein Herz fasst und damit seinen Tod besiegelt.

Gabriels Tragik - metaphorisch ein bisschen zu offensichtlich durch sein eingeschränktes Sichtfeld symbolisiert - sucht in dieser Serie ihresgleichen. Kaum hat er seine innersten Widerstände überwunden, wird seine Zuversicht mit einer bitteren Pointe überrascht und völlig zunichte gemacht. Dagegen wirken Maggies (Lauren Cohan) Konflikte in Hilltop leider wenig überzeugend vorgetragen. Die gefangenen Saviors und Gregory (Xander Berkeley) bestehen darauf, besser behandelt zu werden. Da die Vorräte jedoch knapp sind, sieht sich Maggie gezwungen, überall Einsparungen zu machen, ehe sie nach der der Ankunft der Alexandrianer einen Kompromiss zur Lösung des Problems anbietet. In der Theorie funktioniert dieser Subplot deutlich besser als in seiner tatsächlichen Ausführung. Woran liegt es eigentlich, dass Maggie trotz ihrer einflussreichen Stellung in dieser Staffel ständig zu kurz kommt und immer nur auf die Bedürfnisse anderer reagieren darf?

Negan (Jeffrey Dean Morgan) überträgt Eugene (Josh McDermitt) derweil die Verantwortung für einen Außenposten. Der "bullet maker" soll endlich "bullets" machen - wofür hat er ihn denn sonst so lange durchgefüttert. Eugene, der selbst im Kreis der ausgebeuteten Saviors den jämmerlichsten Eindruck macht, nimmt sich diese Aufgabe sehr zu Herzen und vielleicht ein bisschen zu ernst, was einen der unangenehmsten Eugene-Momente in der gesamten TWD-Historie zutage fördert. Abseits davon lässt sich Negan hinsichtlich seiner Kriegsmethoden inspirieren und wälzt Lucille in den Innereien eines Beißers, sodass sein geliebter Baseballschläger in Zukunft noch gefährlicher und tödlicher ist als zuvor. Wirklich überzeugend ist allerdings auch dieser Teil von Dead or Alive Or nicht - immerhin dürften Blutspritzer, Hautfetzen und anderweitige Zombie-Bestandteile keine Seltenheit sein, wenn sich Rick und Co. durch die (tote) Menge prügeln.

Die 8. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream und Podcast.

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