Neue Folge bei Netflix: Warum Riverdale verloren ist ohne Cheryl Blossom

Riverdale - Staffel 3, Folge 12 mit Cheryl Blossom
© The CW
Riverdale - Staffel 3, Folge 12 mit Cheryl Blossom
moviepilot Team
Surfer Rosa Hendrik Busch
folgen
du folgst
entfolgen
Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Kaum eine Figur wurde in dieser Riverdale-Staffel so vernachlässigt wie Cheryl Blossom. Die meist sichtbar unterforderte Madelaine Petsch trat immer dann auf, wenn es einer Folge an Farbe mangelte. Es gab eine lange und düstere Episoden-Strecke, da war ihre Cheryl in der feuchten Umkleide der Riverdale Highschool praktisch festgefroren und musste sich Folge auf Folge halbnackt von Detective Betty verhören lassen. Oder sie massierte wie in einem Softporno aus den Achtzigern eine verwirrte Mitschülerin.

Cheryls seltsame Dessous-Phase in Riverdale ist vorbei

Jede Figur muss in Riverdale hin und wieder mal blank ziehen, das steht so im Riverdale-Grundgesetz. Aber manche Darsteller trifft es eben doch häufiger als andere. Und auffällig häufig die am schlechtesten geschriebenen Hauptfiguren, also den orientierungslosen Archie. Bei Cheryl hatte das alles einen fauligen Beigeschmack, weil sich bei ihr die viele Nacktzeit nicht auf noch mehr Bildschirmzeit verteilte, sondern Nacktzeit gleich Bildschirmzeit bedeutete, was einfach widerlich ist.

Nun war Cheryl nie ganz weg aus Riverdale, das sowieso zuletzt ganz andere Probleme hatte, als sich um die Wiedereingliederung vergessener Lieblingsfiguren zu sorgen. Im Hintergrund der verheerenden Ereignisse der Serie wurde sie zu einer der vielseitigsten Figuren aufgebaut.

Cheryl ist immer noch das Miststück der ersten Folgen, hat aber unter einer dicken, schweren Steinschicht ein Herz entdeckt, ihre Persönlichkeit geschärft, einen Gerechtigkeitssinn entwickelt - und gleichzeitig ihre bi - oder homosexuellen Neigungen, die vorher kaum eine Rolle spielten. Riverdale behandelt Themen wie sexuelle Identität zwar regelmäßig, machte bisher aber wenig Dampf darum. Die Episode Bizarrodale bildet eine Ausnahme.

Der Gargoyle King unterdrückt Homosexualität

Bizarrodale ist eine ungewohnt ernste Riverdale-Episode. Der Einfluss von Riverdale-Showrunner Greg Berlanti ist in dieser Episode besonders zu spüren. Berlanti, eigentlich ein Jugendserien-Genie, veröffentlichte letzten Sommer seinen ersten Kinofilm. Im Coming-of-Age-Drama Love, Simon wird ein homosexueller Schüler zu seinem Outing gezwungen.

Bizarrodale ist quasi die Riverdale-Variante von Love, Simon, mit einer Cheryl, die nur das Richtige tun will, aus Übereifer aber Kevin Kellers Freund Moose zum Outing zwingt. Über drei Ecken führt das zur Wiederbelebung des (von mir) totgeglaubten Gargoyle King, der, das ist wiederum ganz nach meinem Geschmack, als Symbol für die Generationen übergreifende Unterdrückung von Homosexualität herhält.

Dass Cheryl zur Kernfigur einer der moralischsten Episoden wird, ist eine wichtige Entscheidung der Autoren, wenn auch erzählerisch mal wieder sehr sprunghaft. Die Serie ist so unverlässlich wie noch nie zuvor, sie verliert Woche für Woche den Faden. Der Wiedergeburt letzte Woche mit einem elegant verwobenen Noir-Geflecht folgt eine Episode, die kaum einen der eröffneten Stränge wieder aufnimmt. Das ist wahnsinnig frustrierend.

Dazu kommt noch, dass Riverdale es jetzt schon einer halben Staffel nicht auf die Kette kriegt, eine richtige Hauptfigur aufzubauen, weil keiner der verfügbaren Charaktere diese Last über einen längeren Zeitraum schultern kann - das gilt auch für die papierdünnen Persönlichkeiten von Betty und Vroni und Juggy, von Archie brauchen wir gar nicht anfangen. Riverdale braucht mehr starke, gut geschriebene Figuren. Cheryl, mit ihrer neuen Gang, den "Pretty Poisons", bildet da einen guten Anfang.

Was sonst noch los war in Riverdale

Zitat der Episode: "Cheryl, tu einfach, was ich dir sage, und nimm deinen Bogen mit."

  • Es gibt eine Universität in Riverdale, was mich in meinem Glauben bekräftigt, dass Riverdale zu dieser fantastischen Gattung Serie gehört, die sich Orte, Gebäude oder auch ganze Bergketten einfach dazuerfindet, sobald sie in der Geschichte benötigt werden. Buffy zum Beispiel tat das auch ganz gerne mal.
  • Wer nach dieser Episode weiterschauen will: In den USA entdeckt das aufgeklärte Indie-Kino gerade Geschichten über unterdrückte Homosexualität. In Boy Erased und The Miseducation of Cameron Post geht es um lesbische oder schwule Kids, die von ihren Eltern "umgedreht" werden sollen.
  • Vroni und Reggie - Vreggie - spielen in dieser Episode Bonnie und Clyde, also Blyde.
  • Reggie sagt ganz verrucht zu Vroni "Du kannst meinen Fluchtwagen fahren, aber bitte mach keine Kratzer rein", als wäre das irgendeine sexuelle Anspielung, und ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich nicht herausfinden konnte, auf was.
  • Charles Melton, Reggie-Darsteller und Vroni-Mätresse, knutscht übrigens gerade auch quer mit Ariana Grande, falls ihr das wissen wolltet.
  • Und Gladys Jones übernimmt das Zepter. Ihr Kniescheiben zerbrechender Ruf eilt ihr voraus, selbst knallharte Serpents wie Sweet Pea zucken bei ihrem Anblick zusammen.
  • Archie und Josie trösten sich. Aber die nächste Enttäuschung ist nicht weit: Die Josie-Darstellerin Ashleigh Murray verlässt Riverdale.
  • Zum Riverdale-Cast stößt stattdessen Chad Michael Murray - er spielt Edgar Evernever.

Alle Recaps zur 3. Staffel von Riverdale

Wie hat euch die Episode gefallen?

moviepilot Team
Surfer Rosa Hendrik Busch
folgen
du folgst
entfolgen
Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.
Deine Meinung zum Artikel Neue Folge bei Netflix: Warum Riverdale verloren ist ohne Cheryl Blossom
9829a43da2ab457abca47a03a1f5cb70