Marvel 2018: Nach Infinity War muss das MCU endlich etwas riskieren

Das Marvel Cinematic Universe 2018
© Disney
Das Marvel Cinematic Universe 2018
21.12.2018 - 18:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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2018 war ein aufregendes Jahr für alle Fans des Marvel Cinematic Universe. Zu dem durchschlagenden Erfolg von Avengers 3: Infinity War und Black Panther gesellen sich allerdings auch unangenehme Niederlagen.

Zehn Jahre ist das Marvel Cinematic Universe dieses Jahr alt geworden. Zehn Jahre - das bedeutet 20 bunte Comic-Verfilmungen, die in ihre Wucht das aktuelle Blockbuster-Kino dominieren wie kaum ein anderes Franchise. 2018 erwarteten uns drei neue MCU-Filme auf der großen Leinwand, womit die erhöhte Frequenz des vergangenen Jahres aufrechterhalten wurde. Im Gegensatz zu Guardians of the Galaxy Vol. 2, Spider-Man: Homecoming und Thor 3 lieferten Marvel und Disney in der ersten Jahreshälfte gleich zwei Mega-Blockbuster ab, die den popkulturellen Diskurs der nachfolgenden Monate im Alleingang bestimmen sollten und weltweit mehr als drei Milliarden US-Dollar in die Kinokassen spülten.

Doch die Geschichte des Marvel Cinematic Universe ist 2018 nicht nur von Erfolgen, sondern ebenfalls von einigen Niederlagen und der lähmenden Ungewissheit nach Thanos' vernichtendem Fingerschnipp geprägt.

Black Panther avanciert zum popkulturellen Phänomen 2018

Zu Beginn des Jahres war die Stimmung im Marvel Cinematic Universe noch super. Die gute Laune des zweiten Guardians-Abenteuers ging von Spideys erstem MCU-Solofilm und Taika Waititis nachfolgenden Ragnarok-Gewitter einwandfrei in die Vorfreude auf Black Panther über, der schließlich den ansonsten von großen Blockbustern gemiedenen Februar in den ersten Geldregen für Marvel verwandelte und sich mit 1,3 Milliarden US-Dollar in die Top 10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten katapultierte.

Ryan Cooglers MCU-Einstand traf den Nerv der Zeit und brachte sämtliche Prognosen von Box-Office-Analysten durcheinander. Selbst wenn T'Challa bei weitem nicht der erste schwarze Superheld in einem Hollywood-Blockbuster war, avancierte Black Panther zu den Tönen des von Kendrick Lamar kuratierten Soundtracks zum Phänomen, das selbst den späteren Triumph von Avengers 3: Infinity War in den Schatten stellt.

Black Panther

Zwar steht Avengers 3: Infinity War mit einem Einspiel von zwei Milliarden US-Dollar direkt hinter Avatar, Titanic und Star Wars 7: Das Erwachen der Macht in der Liste der erfolgreichsten Filme. Als Fortsetzung zweier Avengers-Filme und vorläufiger Höhepunkt der dritten MCU-Phase entspricht dieses Ergebnis allerdings eher der Mindestanforderung für den Koloss von Film, dessen Produktionsbudget bis zu 400 Millionen US-Dollar verschlungen haben soll.

Nach zehn Jahren MCU und unzähligen Superstars mit (un-)vorteilhaften Verträgen entpuppte sich das dritte Avengers-Klassentreffen zwar als logistische Meisterleistung, aber nur bedingt als eigenständiger Film. Einmal mehr spielte das MCU auf Zeit und rettete sich mit einem gigantischen Cliffhanger das Leben, der ähnlich wie das Ende der 6. Staffel von The Walking Dead einen Sturm an Diskussionen und Spekulationen nach sich zog und alles übertönte, was danach kam.

Der Schatten von Thanos' Fingerschnipp und Avengers: Infinity War

So ehrgeizig Ant-Man and the Wasp das geschickte Manöver des ersten Teils zu wiederholen versuchte, so machtlos war die Füll-Episode gegen die Last, die aus Thanos' Fingerschnipp resultierte, der wohl mächtigsten unscheinbarsten Geste. Avengers 3: Infinity War sicherte sich alle zur Verfügung stehende Aufmerksamkeit und kanalisierte den Hype Richtung The Avengers 4, dass der zweite Solofilm des Ameisenmannes nicht mehr als einer Randnotiz gleichkam.

Auf der Höhe seiner Macht erhielt das Franchise zudem unerwartet Risse: Der Rausschmiss von James Gunn markiert einen Bruch in der guten MCU-Laune, wie er seit der unglücklichen Edgar Wright-Katastrophe nicht mehr zu vernehmen war. Nach allen Anlaufschwierigkeiten, die das MCU überwunden hatte, sollte einer der größten Triumphe der perfekt geölten MCU-Maschine zur bittersten Niederlage führen.

Avengers 3: Infinity War

Als Guardians of the Galaxy vor vier Jahren in die Kinos kam, war der Erfolg von sprechenden Bäumen und Waschbären nur bedingt abzusehen. Dass die Geschichte der Außenseiterbande schlussendlich doch funktionierte, ist fraglos auf James Gunn als Regisseur und Drehbuchautor zurückzuführen. Von dem hat sich Disney nun aber konsequent distanziert, nachdem alte Tweets mit derben Witzen über Pädophilie und andere Themen von Rechtskonservativen wieder ausgegraben wurden.

Eine Schlagzeile jagte die nächste, während die Fans ihr bedingungsloses Vertrauen in eine Marke hinterfragen, die sie in den vergangenen Jahren ausschließlich mit maßgeschneiderten Produktionen verwöhnt hatte. Guardians of the Galaxy 3, einer der vielversprechendsten Phase 4-Filme, liegt nun als Scherbenhaufen und Mahnmal da. James Gunn poliert derweil die Konkurrenz bei DC auf.

Post Avengers 4: Wenn das MCU dem Chaos des DCEU gleicht

Apropos Phase 4: Aufgrund der überdurchschnittlichen Fokussierung auf Avengers 4, die selbst ein Highlight wie Captain Marvel als Geduldsprobe erscheinen lässt, wissen wir bisher sehr wenig über die kommenden MCU-Filme. Selbst wenn Spider-Man: Far From Home, der Startschuss der nächsten Phase, im Sommer 2019 in die Kinos kommt, herrscht danach ein seltsamer Nebel.

Marvel-Chef Kevin Feige und sein Team lenken sämtliche Aufmerksamkeit auf das große Avengers-Finale, ohne einen konkreten Fahrplan für die kommenden Jahre vorzulegen. Zwar werden zahlreiche Projekte angekündigt, aktuell gleicht der Wust an irgendwann eintreffenden Filmen und Serien aber eher der Unordnung, wie wir sie bisher aus der DC-Ecke kannten. Nun schlummert irgendwo in Phase 4 die obligatorische Black Panther-Fortsetzung und Doctor Strange 2 ist auch nicht weit. Die vermeintlich sichere Nummer, Guardians of the Galaxy 3, liegt allerdings auf Eis.

Captain Marvel

Darüber hinaus überschlägt sich Disney aktuell mit Ankündigungen neuer Marvel-Serien, während die beliebten Netflix-Helden schneller verschwinden als die Figuren am Ende von Infinity War. Die B-Liga wird in Phase 4 das Kino verlassen und sich im Fernsehen austoben, angefangen bei Thors Bruder Loki über Vision and the Scarlet Witch bis hin zu Falcon und Winter Soldier. Richtig prickelnd hört sich diese Zweitverwertung bewährter Nebenfiguren allerdings nicht an.

Zum Glück gibt es da noch den längst überfälligen Black Widow-Film mit Scarlett Johansson, den frisch angekündigten Shang-Chi sowie die muslimische Heldin Ms. Marvel und The Eternals von The Rider-Regisseurin Chloé Zhao, der nach Avengers 4 zum nächsten großen Ding im MCU werden könnte.

Die Frage ist nur, wie all die tollen Personalentscheidungen gegen die Monotonie eines Franchises ankämpfen, das seinen Höhepunkt womöglich längst erreicht hat.

Das MCU sollte dringend mal wieder ein Wagnis eingehen

Nach zehn Jahren steht das MCU vor der - an sich wenig überraschenden - Herausforderung, sich neu zu erfinden, was in Anbetracht all der erprobten Elemente der bisherigen Filme gar nicht so leicht sein dürfte. Wenngleich das Engagement aufregender wie diverser Talente für zukünftige Projekte hoffnungsvoll stimmt, lässt sich nicht leugnen, dass das MCU seit Avengers 3: Infinity War in einem gelähmten Zustand fristet.

Nachdem wir dieses Jahr erfreulicherweise feststellen durften, dass wir die Todesanzeigen fürs DC-Universum zu früh geschrieben haben und Sony mit dem Anti-MCU-Film Venom und seinem animierten Spider-Man-Universum wieder auf Kurs ist, hat das MCU aktuell wenig zu bieten, das wirklich Neugier weckt. Ein Wagnis wäre einmal wieder von Nöten. Doch wenn wir ehrlich sind, verstecken sich die letzten Experimente des Franchise in der ersten Phase, als es noch jung und zerbrechlich war.

Wie habt ihr die Entwicklung des Marvel Cinematic Universe 2018 wahrgenommen?

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