Heute im TV: Bruce Willis' größte Action-Reihe ist tot und dieser Film ist schuld

27.08.2021 - 11:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Stirb Langsam 4.0 - Trailer (Deutsch) HD
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Bruce Willis als John McClaneAbspielen
© 20th Century Fox
Bruce Willis als John McClane
In seiner größten Action-Rolle wird Bruce Willis wohl nie wieder zu sehen sein. Dafür ist ein Film verantwortlich, der heute im Fernsehen läuft.

Die Stirb Langsam-Filme werden von Action-Fans zu Recht geliebt: Hauptfigur John McClane ist einer der menschlichsten, unwahrscheinlichsten und besten Blockbuster-Helden der Kinogeschichte. Leider hat auch ihn der unvermeidliche Absturz ereilt. Während Stirb Langsam - jetzt erst recht noch einen der besten Bruce Willis-Kracher darstellt, läuft mit seinem Nachfolger heute der Sargnagel der Reihe im TV: Stirb langsam 4.0 hat mit einem großen Fehler das Schicksal der Action-Blockbuster besiegelt.

Bruce Willis wird zum Action-Papa und Technik-Trottel

Dabei bietet der Plot des Films, der immerhin 12 Jahre nach dem Vorgänger erschien, ein passendes Update für seine Kult-Hauptfigur: John McClane (Bruce Willis) ist Anfang des neuen Jahrtausends ein Cop alter Schule, der von der Zeit überrollt wurde. Er wird alt, seine Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) will nichts von ihm wissen und mit diesem ganzen neumodischen Internet-Zeug hat er es auch nicht so.

Als er sich um den Schutz von Top-Hacker Matthew (Justin Long) kümmern soll, versteht er also erstmal nur Bahnhof. Aber dann stellt sich heraus, dass Cyberterrorist Gabriel (Timothy Olyphant) nicht nur hinter dem jungen Mann, sondern hinter der Herrschaft über die gesamten USA her ist. Sich den Weg freischießen und größenwahnsinnige Spitzbuben zur Strecke bringen: Plötzlich ist McClane ganz in seinem Element.

Stirb Langsam 4.0 macht bei Bruce Willis' Figur einen großen Fehler

Bruce Willis in Stirb Langsam 4.0

Manche Fans mögen Bruce Willis ungern in der Rolle des angestaubten Technik-Opas sehen, andere empfinden die Storyline des enttäuschenden Vaters als zu klischeehaft. Eine heißgeliebte Reihe nach über einer Dekade Sendepause fortzusetzen birgt immer das Risiko, alte Fans zu vergraulen. Stirb Langsam 4.0 ist aber kein Fließband-Produkt: Die Filmemacher haben sich Mühe gegeben, mit Einfallsreichtum dem Franchise neues Leben einzuhauchen, und das merkt man. Nur in einer Hinsicht ist ihnen ein ziemlich schwerwiegender Fehler passiert.

McClane ist nämlich nicht mehr McClane. Einst schnitt sich der New Yorker Cop an Glas die Füße wund, kroch keuchend und in Fetzen durch Lüftungsschächte und schien jede Konfrontation nur um Haaresbreite zu überleben. Der vierte Stirb Langsam-Teil läutet den Tod dieser Figur ein.

Bruce Willis wird vom Tollpatsch-Cop zum Action-Champion

Stattdessen bieten die Produzenten einen unkaputtbaren Action-Helden an, der Polizeiwagen mit links in Helikopter sausen lässt und auf einem fliegenden Kampfjet herumspringt, als trüge er ein buntes Cape.

Justin Long und Bruce Willis müssen einen Cyberangriff stoppen

Zwar sind McClane die Kampfspuren anzusehen und seine Unzerstörbarkeit wird längst nicht so haarsträubend ausgereizt wie im Nachfolger Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben. Aber das Fundament zur Unsterblichkeit ist gelegt, der erste Schritt zur unaufhaltsamen Kampfmaschine gemacht. Der New Yorker Cop von nebenan muss der allmächtigen Action-Ikone weichen. Und der vergleichsweise große Kino-Erfolg des vierten Teils von 388 Millionen Dollar gab dieser Entscheidung scheinbar recht.

Das ist insofern problematisch, weil McClanes ganze Figurenzeichnung erheblich auf seinen menschlichen Schwächen aufbaut: Seiner Liebe zu seiner Ehefrau Holly, seiner zerrütteten Ehe, seinem losen Mundwerk, seinem bisweilen ziemlich langsamen und unflexiblen Verstand. Diese Eigenschaften sind bei einem unzerstörbaren Berserker entweder völlig hinfällig oder wirken absolut unpassend.

Bruce Willis war immer das Action-Gegenbild zu Sylvester Stallone

Mehr noch, McClane verliert dabei, was ihn erst von den eiskalten Muskelbergen der 80er absetzte: Anders als Stallone oder Schwarzenegger war Willis als McClane kein Ideal, kein Supersoldat, sondern einfach ein verschmutzter Arbeiter mit Knarre, frecher Schnauze und einer Menge Pech. Wer die 80er auf der Leinwand mitgemacht hatte, war die steroidgetriebene Macho-Perfektion leid und fand in McClane seinen unbeholfenen neuen Champion.

Mary Elizabeth Winstead als McClanes Tochter und Timothy Olyphant als Bösewicht

Aber Stirb Langsam 4.0 inszenierte einen alternden McClane zunehmend wie seine Gegenbilder und besiegelte damit den Untergang der Reihe: Ohne seinen unvollkommenen Charme war McClane nur ein weiterer Dampfzug von Action-Held, den niemand aufhalten kann und der immer gewinnt. Und im Gegenzug zu den großen Leinwand-Überhelden unserer Zeit hat Bruce Willis' Figur nicht mal ein schickes Kostüm.

Es ist nicht verwunderlich, dass der Stirb Langsam-Reihe mit diesem Wandel in der Rollenzeichnung das Interesse der Fans und damit auch die finanzielle Puste ausging: Einen Stirb Langsam 6 wird es für lange Zeit nicht geben. Schade: Bei so viel Superhelden-Glanz wäre etwas McClane-Schmutz im Kino eine willkommene Abwechslung. Er wäre einmal der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

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