Gilmore Girls: Ein neues Jahr - Die erste Folge im Recap

Emily Bishop, Lauren Graham und Alexis Bledel in Gilmore Girls: Ein neues Jahr
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Emily Bishop, Lauren Graham und Alexis Bledel in Gilmore Girls: Ein neues Jahr
25.11.2016 - 14:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Vor fast zehn Jahren fieberten wir der letzten Folge der Gilmore Girls entgegen. Jetzt sind die Mädels wieder da, um uns in vier Folgen darüber aufzuklären, wie ihr Leben ohne uns verlaufen ist. Die erste Folge Winter füllt schonmal einige Lücken.

Eine so beliebte Sendung wie die Gilmore Girls nach einer langen Zeit fortzusetzen, und sei es auch nur für vier Folgen, das ist ein schwieriges Unterfangen. Darum ist es den Schöpfern der Serie (Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino) auch nicht übel zu nehmen, dass sie die wohl einfachste Variante einer Fortsetzung gewählt haben und ihrem ursprünglichen Format größtenteils treu geblieben sind. Dass Experimente in diesem Bereich auch nicht so gut ausgehen können, mussten wir alle bei der 9. Staffel von Scrubs - Die Anfänger leidig miterleben. Gilmore Girls: Ein neues Jahr ist als Miniserie mit vier Spielfilm-Folgen à 90 Minuten genau richtig angelegt, um offene Fragen zu klären und Nostalgie in uns langjährigen Fans zu wecken. Das schafft sie mit der altbekannten Dynamik zwischen Rory (Alexis Bledel) und ihrer Mutter Lorelai (Lauren Graham), vielen bekannten Gesichtern und der Original-Musik. Diejenigen allerdings, die die ursprünglichen sieben Staffeln der Gilmore Girls nicht gesehen haben, dürften sich etwas ins kalte Wasser geworfen fühlen.

Schon von der ersten Sekunde an will Gilmore Girls: Ein neues Jahr Erinnerungen in uns wecken: Die erste Folge beginnt mit einem schwarzen Bild, aus dem Off kommen Zitate aus den sieben Staffeln, die uns zurück werfen zu Rorys erstem Kuss, Lorelais ständigem Verlangen nach Kaffee und den Zankereien zwischen ihr und Emily (Kelly Bishop) bei den freitäglichen Abendessen. Immer mehr Stimmen kommen hinzu, bis die Kakophonie mit einem Mal stoppt. Dann erklingt nur Lorelais Stimme: "I smell snow" sagt sie und erinnert uns damit nicht nur an ihre Gabe à la Fräulein Smillas Gespür für Schnee, sondern weist uns auch auf sanfte Weise in die Struktur der Serie ein: Jede der Folgen wird zu einer anderen Jahreszeit im selben Jahr spielen, den Anfang macht der Winter. Dementsprechend winterlich sieht es auch aus in der ersten Szene, die uns einen prächtigen Blick auf ein verschneites Stars Hollow präsentiert, in dessen Mitte Lorelai (natürlich mit Kaffee) auf Rory wartet. Die ist nämlich so wie wir seit langer Zeit zum ersten Mal wieder in ihrer Heimatstadt und muss auf den neuesten Stand gebracht werden. Bei dem obligatorischen Spaziergang durch das Städtchen sehen wir eine erschreckend schmale und ergraute Miss Patty (Liz Torres) aus der Tanzschule winken, und während Rory auf der Suche nach Netz in Taylors Laden kurz angebunden auf eine wie eh und je hippe Lane (Keiko Agena) trifft, die sich über die Karriere ihres Mannes Zach (Todd Lowe) beschwert, begegnet Lorelai einem weiteren beliebten Charakter der Show: Kirk (Sean Gunn). Der hat mittlerweile sein eigenes Taxiunternehmen gegründet, das er Ooober nennt und auf keinen Fall zu verwechseln ist mit Uber. Im Laufe der Folge werden uns weitere alte Bekannte im Schnelldurchlauf präsentiert: Taylor (Michael Winters), Gypsy (Rose Abdoo), Lorelais Hund Paul Anka und Lanes Band Hep Alien bekommen alle Kurzauftritte.

Die erste große Enthüllung gelingt wunderbar beiläufig und es ist eine, auf die Fans der Serie schon lange gewartet haben: Der Concierge im Dragenfly Inn, Michel (Yanic Truesdale), lässt den Namen seines Ehemanns, Frederic, fallen. Nachdem (fast) jede der Figuren in den Gilmore Girls eigene Liebesgeschichten bekommen hat, ist nun endlich auch Michel dran, um dessen Präferenzen lange Zeit ein Geheimnis gemacht wurde. Dass eine ansonsten recht moderne Sendung so lang brauchte, um einen ihrer Nebencharaktere als schwul zu outen, ist eigentlich eine Schande. Umso besser, dass es endlich geschehen ist und Gilmore Girls: Ein neues Jahr jetzt noch einen oben drauf setzt: Michel und Frederic denken über Kinder nach. Und auch Luke (Scott Patterson) und Lorelai treiben sich mit dem Gedanken an Nachwuchs um. Es verschlägt sie sogar in eine Fruchtbarkeitsklinik, die Paris (Liza Weil), Rorys alte Rivalin und beste Freundin, leitet. Während Luke nicht wirklich begeistert wirkt, sieht man Lorelai den wachsenden Wunsch nach einem weiteren Kind an.

Währenddessen scheint Rorys Leben komplett aus den Fugen: Sie hat gerade ihre Wohnung in Brooklyn aufgelöst, lebt jetzt aus Kisten und Koffern und jettet regelmäßig der Arbeit wegen um die Welt. Das einzige unbekannte Gesicht der Folge lernen wir als Rorys Freund Paul (Jack Carpenter) kennen. Während wir noch dabei sind, ihre Beziehung zu dem nichtssagenden Mann einzuschätzen, den alle ständig zu vergessen scheinen (einschließlich Rory), da ist sie schon wieder in London. Nicht ganz überraschend ist es Rorys alte Flamme Logan Huntzberger (Matt Czuchry), bei dem sie in der britischen Hauptstadt unterkommt und mit dem sie anscheinend eine offene Beziehung führt. Wir erinnern uns: Die Beziehung der beiden begann in Staffel 5 schon mit einem solchen Arrangement und damals konnten beide nicht besonders gut damit umgehen. Ob nun alles anders ist? Schließlich lehnte Rory am Ende der letzten Staffel einen Heiratsantrag von Logan ab, mit der Begründung sie wolle eine offene Zukunft. Dass sie ihre Mutter über die Beziehung zu Logan belügt, dürfte in den kommenden Folgen für Zündstoff sorgen.

Gilmore Girls: Ein neues Jahr springt in seinen 90 Minuten Spielzeit mehr oder weniger hektisch von Figur zu Figur und gibt uns kaum Verschnaufpausen, bis die Geschichte schließlich zu Emily Gilmore, Lorelais Mutter, kommt. Hier nehmen sich die Macher viel Zeit für eine Beerdigungsszene, um nicht nur die Charaktere und uns, sondern sicherlich auch das Cast um Lorelais Vater Richard (Edward Herrmann) trauern zu lassen, denn es ist nicht nur die Figur, die verstorben ist, es ist auch der Schauspieler selbst. Neben einer typischen Lorelai-Aktion bei der Trauerfeier ist es vor allem der Auftritt von Emily, der in Erinnerung bleibt. Sie bewegt sich in "Winter" auf einem schmalen Grad zwischen ihrem alten, herrischen selbst und einer neuen, ungewöhnlich zerbrechlichen Frau, die eine ganze Familie Einwanderer bei sich unterkommen lässt, ihre Besitztümer aus Trauer wegwirft und Jeans und T-Shirt trägt. "Half of me is gone", sagt sie traurig und wie sie da so sitzt in Klamotten, die sie eigentlich hasst, zusammen gesunken und fragil, glaubt man es ihr wirklich. Nie zuvor hatte Emily so einen starken Auftritt in einer Folge der Gilmore Girls. Neben all den Komponenten, die quasi direkt aus der ursprünglichen Serie übernommen wurden, ist es dieser Charakterwandel, der Hoffnung darauf gibt, dass Gilmore Girls: Ein neues Jahr mehr als nur eine Nostalgie-Revue wird.

Lieblingszitat:

Rory und Lorelai umarmen sich.
Lorelai: "How long has it been?"
Rory: "Feels like years"


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