Designated Survivor - Polit-Serie mit Kiefer Sutherland im Pilot-Check

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Welche schwerwiegenden Entscheidungen muss Kiefer Sutherland in Designated Survivor treffen?
23.09.2016 - 09:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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In seiner neuen ABC-Serie wird Kiefer Sutherland zum Designated Survior und darf nach einem verheerenden Anschlag die Leitung über sein Vaterland übernehmen. Doch wie schlägt sich Jack Bauer als Präsident der Vereinigten Statten von Amerika?

Würden wir uns auf die Suche nach amerikanischen Helden im Network-Fernsehen machen, es würde sicherlich keinen Wimpernschlag lang dauern, bis der Name Kiefer Sutherland fällt. Der gestandene Schauspieler verteidigte als Jack Bauer in einer der ersten großen Post-9/11-Serien, 24 , acht Staffeln lang als CTU-Agent sein Vaterland, von einem Fernsehfilm und einer nachfolgenden Miniserie ganz zu schweigen. Eineinhalb Dekaden nach der ersten Jack Bauer-Mission scheint seine Zeit allerdings abgelaufen zu sein. Zwar liebäugelt Kiefer Sutherland regelmäßig mit dem Gedanken, im Rahmen eines Kinofilms erneut seine Paraderolle aufzunehmen. In der Network-Realität hat jedoch unlängst Corey Hawkins sein Erbe angetreten. Ein amerikanischer Held bleibt Kiefer Sutherland trotzdem: In Designated Survivor wird er über Nacht zum mächtigsten Mann der Welt, als hätte Jack Bauer die nächste Evolutionsstufe erreicht. Doch wie gut ist die neue ABC-Serie wirklich?

Kreiert von David Guggenheim, der sich bisher als Drehbuchautor von Safe House - Niemand ist sicher und Stolen einen Namen gemacht hat, lässt sich Designated Survivor nicht lange bitten und führt innerhalb des kurzen Prologs geschickt zur großen Katastrophe hin, die alle nachfolgenden Geschehnisse in Gang setzt: Am Tag der Ansprache zur Lage der Union (State of the Union) erschüttert eine verheerende Explosion nicht nur das Kapitol, sondern komplett Amerika. Es gibt keine Überlebenden unter den Anwesenden des feierlichen Events - den Präsident der Vereinigten Staaten mit eingeschlossen. Der amerikanische Albtraum ist wahr geworden, die düsterste politische Fantasie des Landes tritt an die Stelle einer erbarmungslosen Wirklichkeit. Niemand war auf den Anschlag vorbereitet. Niemand weiß, was in den nächsten 24 Stunden passieren wird. Auch Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) verfällt in Schockstarre, als er das Kapitol in Flammen sieht.

Kiefer Sutherland in Designated Survivor

Der Secretary of Housing und Urban Development war einer der wenigen Politiker, die nicht vor Ort der Rede des Präsidenten folgten. Immerhin hatte er nur wenige Stunden zuvor erfahren, dass sich seine politische Karriere nicht so entwickeln wird, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Doch dann geht alles ganz schnell und ehe sich Tom versieht, befindet er sich im Oval Office und wird als Nachfolger des soeben getöteten Präsidenten vereidigt - schlicht aus dem Grund, weil alle in Frage kommenden, übergeordneten Politiker nicht mehr am Leben sind. Etwas verdutzt steht Tom da, ringt nach Worten und muss sich übergeben. Er selbst hat noch gar nicht realisiert, was genau passiert ist, da bekommt er bereits den nuklearen Spielball präsentiert. Die USA muss jetzt Stärke zeigen und das erfordert harte Entscheidungen von einem Mann, der offenbar gänzlich mit der Situation überfordert ist, wie aus verschiedenen Ecken des Krisenraums (Presidential Emergency Operations Center, nicht zu verwechseln mit dem Situation Room) zu vernehmen ist.

Tom ist ein Familienmensch, dessen politische Gesinnung nie genau definiert wird und trotzdem ist nach wenigen Minuten klar, auf welcher Seite er steht, für welche Werte er sich einsetzt. Wenn er mit bequemem Pullover einem hochdekorierten General gegenübertritt, mag Tom natürlich einen unbeholfenen Eindruck machen. Auch der bisherige Verlauf seiner Karriere spricht nicht für den starken Anführer, den die Nation gerade so dringend braucht. Doch Tom ist nicht dumm und nimmt sämtliche Informationen um sich herum auf, sodass er spätestens im letzten Akt der Pilot-Episode im Weißen Haus den Ton angeben kann. Zwar mag der neue Präsident der Vereinigten Staaten kein Jack Bauer sein, was den voreiligen Gebrauch von Waffen aller Couleur angeht. Trotzdem ist Tom ein Mann, der an sein Vaterland glaubt und ebenfalls der Überzeugung ist, dass jemand in den sauren Apfel beißen muss, wenn es sonst niemand tut. Ob Designated Survivor patriotisch ist? Keine Frage.

Dennoch verbirgt sich in David Gugenheims West-Wing-Vision eine andere Komponente, die gleichermaßen unerwartet wie unverbraucht daherkommt: In einer Zeit, in der sich Donald Trump und Hillary Clinton ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug ins Weiße Haus liefern, zieht Designated Survivor ganz frech einen Schlussstrich, indem alle Mächtigen kurzerhand auf schmerzliche Weise ihres Amtes enthoben werden. Was auf der einen Seite furchtbar erschreckend ist, entpuppt sich auf der anderen als einmalige Chance. Wenngleich Tom anfangs nur mit Müh und Not Herr der Lag wird, so fasst er gegenüber seiner Frau, Alex (Natascha McElhone), einen wichtigen Entschluss: Er will nicht so werden wie die Anderen. Wer die Anderen sind, darin hält sich Designated Survivor sehr vage, liefert jedoch eindeutige Hinweise, dass sich hinter dem Anschlag keine Terroristengruppe versteckt, sondern Verräter aus den eignen Reihen.

Maggie Q in Designated Survivor

An diesem Punkt der Ereignisse kommt FBI-Agentin Hannah Wells (Maggie Q) ins Spiel, die direkt mit den Trümmern des Kapitols konfrontiert wird. Geradezu majestätisch begibt sich die Kamera in einer höhere Position, um den Anblick der brennende Ruine preiszugeben. Die Faszination an der Exekution dieser Schreckensvision ist erkennbar und es wird in den kommenden Wochen eine entscheidende Frage sein, in welche Richtung sich Designated Survivor an diesem Punkt entwickelt. Bisher bewegt sich die Serie im gemütlichen Gefilde des beherzt übertriebenen Network-Fernsehens. Sollten die wilden Verschwörungstheorien - bereits in der von Sherlock-Veteran Paul McGuigan inszenierten Pilot-Episode gibt es einige davon - in Zukunft aber nur Mittel zum Zweck sein, um das Format möglichst lange am Leben zu halten, ohne je eine Entscheidung mit tatsächlichen Konsequenzen zu treffen, könnte Designated Survivor schnell zur tristen wie langweiligen Angelegenheit werden.

Momentan fällt es allerdings noch schwer, der Serie ihre naive Aufrichtigkeit und das unendliche Selbstvertrauen in die eigene Prämisse böse zu nehmen, so exploitativ sie sich auch vertrauter Motive des Kriegs gegen den Terror bedient. Wenngleich die Bude brennt: Designated Survivor strahlt eine fast schon irritierende Zuversicht aus, dass bald alles besser wird, denn Kiefer Sutherland, der amerikanische Held, hat das Ruder (endlich) in der Hand. Das ist ein krasser Gegenentwurf zu all den zynisch-apokalyptischen Polit-Serien da draußen und dies, obwohl sich Designated Survivor der grausamsten/reißerischsten aller Terror-Ängste bedient. Am Ende lässt sich trotzdem nur eine Empfehlung für all jene aussprechen, die wissen, worauf sie sich einlassen. Designated Survivor ist nicht The West Wing, nicht House of Cards, nicht Scandal und auch nicht BrainDead. Ordentliche Polit-Thriller-Unterhaltung bietet der Auftakt aber allemal. Mit etwas Glück verwandelt sich Designated Survivor vielleicht auch in eine wirklich gute Serie.

Der Main-Cast von Designated Survivor

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