Warum Disneys König der Löwen-Remake Fluch und Segen zugleich ist

Der König der Löwen - Original oder Disney-Remake?
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"I am what I am and I do what I can."

Der erste Teaser-Trailer zu Disneys Realfilm-Remake von Der König der Löwen wurde veröffentlicht und hat einen allerersten Einblick in die Neuauflage von Jon Favreau ermöglicht, die am 18.07.2019 ihren deutschen Kinostart feiern wird. Unter all den schon gelaufenen und noch kommenden Live-Action Remakes von Disneys Zeichentrickklassikern ist der König der Löwen mir jedoch ein besonderes Anliegen. Da das Original einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist, blicke ich der Neuverfilmung mit gespaltener Freude entgegen.

Was sagt das Herz eines Fans zu einer König der Löwen-Neuauflage?

Ich glaube, fast jeder hat einen Disney-Film, der die eigene Kindheit maßgeblich geprägt hat - vielleicht, weil es der erste Kinobesuch war, vielleicht, weil die bald ausgeleierte VHS-Kassette (bzw. zerkratzte DVD) immer und immer wieder angeschaut wurde. Bei mir war das 1994 Der König der Löwen, der mich zum Lachen und Weinen und Singen brachte. Ich konnte jede Textzeile mitsprechen und jedes Lied mitträllern und spielte mit meiner besten Freundin auf dem Spielplatz auch schon mal den kompletten Film nach. Mein liebstes Kuscheltier war ein junger Simba, der gestreichelt wurde, bis er vollkommen abgegriffen war, und der mehr überall mithingenommen wurde als jedes andere Plüschtier im beachtlichen Arsenal meiner Geschwister und mir.

So eine Leidenschaft mag beim Älterwerden ein wenig abklingen. Aber sie hört niemals vollständig auf. Insofern ist die Aufregung meinerseits natürlich groß, dass es nächstes Jahr ein Realfilm-Remake dieses Lieblingsfilms geben soll. Doch die Erwartungshaltung ist derzeit noch eine nervöse: Eine Herzkammer pumpt wie verrückt und die andere ist noch skeptisch, ob sie sich wirklich auf diesen Film freut.

Der König der Löwen: Das Remake und seine beeindruckenden Bilder

Was das erste König der Löwen-Videomaterial auf jeden Fall beweist, ist, dass die Animation verblüffend realistisch daherkommt. Die Tiere der afrikanischen Savanne sehen täuschend echt aus, das Licht überflutet majestätisch die afrikanische Steppe und fast glaube ich, das flauschige Fell von Simba als Baby berühren zu können. Wenn Jon Favreaus The Jungle Book-Remake schon mit atemberaubend animierten Bilder für offenstehende Münder sorgte, dann hat Der König der Löwen mit seiner neuen Technologie noch einmal nachgelegt.

Überhaupt stimmt der Vergleich mit der Dschungelbuch-Neuauflage zuversichtlich. Obwohl der Disney-Klassiker nie einer meiner Lieblingsfilme war, konnte das Remake mich für sich einnehmen: Es fügte der bekannten Geschichte neue Elemente dazu, ohne das Original damit zu schmälern und verschmolz somit eine gewisse Eigenständigkeit trotz erwünschter bekannter Disney-Magie. Dass die Löwen bei Jon Favreau nun in den gleichen fähigen Regie-Händen liegen, macht mir Mut.

Der König der Löwen: "Erinnere dich" oder die Gefahr einer zu großen Ähnlichkeit

Der Teaser Trailers endet in seiner deutschen Version mit den Worten "Vergiss das niemals", was ganz klar die "Erinnere dich"-Szene des Zeichentrick-König der Löwen ist, in der ein erwachsener Simba der Wolken-Vision seines Vaters Mufasa hinterherjagt. (Im englischen Trailer sagt die Stimme "Remember".) Doch genau dieses Erinnern an das Original könnte für das Remake zugleich Segen und Fluch werden.

Die Ähnlichkeiten zwischen Original und Remake sind für keinen Fan zu übersehen. Aber obwohl ich ins Kino gehen werde, weil ich das Disney-Original liebe, besteht auch die Gefahr, dass das König der Löwen-Remake zu ähnlich ausfällt. Wenn jede Kopfdrehung des Babylöwen exakt kopiert wird, könnte die Neuauflage ein reiner Abklatsch und damit austauschbar werden. Natürlich fügte schon das äußerst nah am Original gehaltene Schöne und das Biest-Remake von Disney seiner Vorlage neue Szenen und Songs hinzu, doch wie weit können die Filmemacher hier gehen? Das Ergebnis muss nicht gleich eine kreative Bankrotterklärung seitens Disney sein. Es ist jedoch ein schwieriger Grenzgang zwischen Eigenständigkeit und Nostalgie, denn wenn Der König der Löwen zu sehr auf die Vorlage setzt, bietet er nichts Neues, aber wenn er sich zu weit entfernt, verprellt er vielleicht die Fans des Originals. Kann ein Lieblingsfilm überhaupt noch überboten werden, indem das Remake an einen Kindheits-Hype anknüpft?

Was der König der Löwen-Trailer noch nicht zeigt - und damit Vorfreude weckt

Nach dem ersten, trotz allem den Mund wässrig machenden Einblick in das König der Löwen-Remake sind es bei mir interessanterweise die noch fehlenden Szenen, denen ich besonders erwartungsvoll entgegenblicke. Gänsehaut hatte ich im Trailer zum Beispiel bei der in die Schlucht stürmenden Gnu-Herde, die natürlich für einen der traurigsten Disney-Tode schlechthin einsteht, ohne ihn hier schon zu zeigen. Außerdem gab es noch kein Wiedersehen mit bekannten Figuren wie Timon und Pumba, Nala, Zazu, Scar und den Hyänen.

Der englische stargespickte Sprach-Cast weckte bereits Lust auf den Film, doch bisher ist nur Mufasa-Sprecher James Earl Jones' tiefe Erzählerstimme zu hören. Überhaupt sehen wir noch keines der gezeigten Tiere sprechen, was bei einem Film, der sich mit möglichst real wirkenden Bildern schmückt, natürlich eine der größten Hürden darstellt, weil durch sprechende Tiere immer eine Verkehrung zur Lächerlichkeit droht. Abgesehen vom einleitenden, niemandem konkret zugeordneten Circle of Life-Song fehlt der Gesang ebenso, der das Original von Der König der Löwen als Musical so einprägsam gestaltete. Gleichzeitig dürfte klar sein, dass der erste Teaser-Trailer nicht gleich sein Beyoncé-Pulver verschießen wird.

Alles was wir zu Disneys König der Löwen-Remake wissen, deutet darauf hin, dass viel Mühe in die Adaption der geliebten Vorlage geflossen ist. Fest steht aber auch, dass Der König der Löwen ganz buchstäblich große Fußstapfen zu füllen hat - und sich dessen auch bewusst ist. Ich fühle mich im Moment also ein wenig so wie eines der zu Simbas Geburt versammelten Tiere: Ich blicke ehrfürchtig zum Königsfelsen hinauf und hoffe erwartungsvoll auf das, was da noch kommen mag.

Mit welchen Eindrücken hat euch der König der Löwen-Trailer zurückgelassen?

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