Game of Thrones - Staffel 7, Folge 3: Das große Treffen

Game of Thrones - S07 E02 Featurette Inside the Episode (English) HD
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Besuch aus dem Norden: Daenerys in Game of Thrones
01.08.2017 - 09:20 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Jon Snow und Daenerys Targaryen treffen sich zum ersten Mal in der 3. Folge der 7. Staffel von Game of Thrones, doch ein Abschied überstrahlt den steifen Besuch bei Hofe.

Geradezu unglaublich viel passiert in der 3. Folge der 7. Staffel von Game of Thrones, zumindest für die Verhältnisse einer Serie, die ihre Figuren schon mal in der Wüste stehen lässt. Viel Zeit nehmen sich die Autoren in The Queen's Justice (Die Gerechtigkeit der Königin) für das lang erwartete erste Treffen von Daenerys Targaryen und Jon Snow, doch diese Strophe von Feuer und Eis fällt vergleichsweise frostig aus. Schlachten werden darüber hinaus geschlagen, Flotten abgefackelt, tödliche Krankheiten geheilt, Todesprophezeihungen getätigt und den Small Talk-unbegabtesten Stark haben wir nun auch ausfindig gemacht. Noch vier Folgen und dann ist diese Staffel 7 vorbei, und gelegentlich wirkt es, als ob die Autoren es gar nicht erwarten können. Genau zum rechten Zeitpunkt aber kommt eine geduldig geschriebene Szene wie jene, in der Olenna Tyrell, die Queen of Thorns, sich aus der Serie verabschiedet. Ihr Abgang ist vielleicht brutaler als so mancher zermanschter Kopf. Zumindest für die Lannisters. Diana Rigg, ich werde dich und deine verbalen Giftpfeile vermissen.

Trotz der Schlachten um Casterly Rock und Highgarden wird in dieser Folge von Game of Thrones vor allem geredet, am liebsten in der Weite der Natur, am liebsten im Duett, am liebsten mit Blick aufs Meer, als enthülle es die ungewisse Zukunft (und die fantastische Arbeit der Location Scouts). Cersei (Lena Headey) mag es demgegenüber klaustrophobischer. Im Thronsaal der Red Keep empfängt sie Euron Greyjoy (Pilou Asbæk), der sein Geschenk präsentiert: die Sand Snakes Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) und ihre Mutter Ellaria (Indira Varma). Im Kerker stillt Cersei ihre Lust nach Rache "durchaus poetisch" mit einem vergifteten Kuss und dem Versprechen, dass Ellaria für den Rest ihres Lebens auf die Leiche ihrer Tochter blicken muss, so wie Myrcellas lebloses Gesicht womöglich Cersei quält. Eine Spirale der Rache erreicht hier einen Zwischenstopp, die im Grunde bei der Ermordung von Joffrey Baratheon ihren Anfang genommen hatte. Die Tat lastete Cersei ihrem verhassten Bruder Tyrion an, der vor Gericht kam, sich mit einem Zweikampf zu retten versuchte, was zum Tod des nicht weniger rachsüchtigen Oberyn Martell führte, der wiederum den Putsch der Sand Snakes in Dorne und die Ermordung von Myrcella befeuerte. Nun steht Tyrion auf der Seite der Gegner und die tatsächlich Mitschuldige freut sich aufs Jenseits, wo sie Tywin und Renly und Stannis und all die anderen hoffentlich bis in alle Ewigkeit für ihr erbärmliches Versagen zusammenstauchen wird.

Queen of Put-downs

Diana Rigg wird schmerzlich fehlen in Game of Thrones, nicht nur wegen ihrer Fähigkeit, die tödlichsten Zeilen von Westeros über ihre Lippen rollen zu lassen, als hätte Gore Vidal vom Grabe aus für sie geschrieben. Olenna Tyrell war die letzte Vertreterin der alten Garde in einem Krieg der "Kinder". Ihr an den Jahren geschulter Blick vermittelte Perspektive über die tagesaktuellen Intrigen hinaus, vielfach genügte dafür ihre reine Präsenz. Die Dornenkönigin war ein seltenes Lehrbeispiel fürs Überleben als Frau in diesen Gesellschaften, die mit Cerseis, Danys und Sansas verfahren wie mit Besitzgütern. Ein Überleben erhobenen Hauptes und in Besitz von Macht. Es mag als wegweisend für die anderen Damen gedeutet werden, dass die Ränkespielerin Olenna sich ihrem Ende im selben Moment einen Riesenschritt näherte, als sie de facto die Herrschaft über Highgarden übernahm, um persönlichen Rachegelüsten nachzugehen. Vor Daenerys hatte sie in der letzten Folge noch über ihre Langlebigkeit geprahlt: "Be a dragon." Ob und was Dany von Olenna wohl gelernt hat, wie es Sansa, Vertretungshüterin des Nordens, vor ihr getan hatte?

"There are always lessons in failures" - "Yes, you must be very wise by now."

Olenna wird allerdings auch fehlen, weil sie manch expositorische Erklärstunde in Game of Thrones erträglich machte. Das tut sie bis zu ihrem Tod durch Gift, als sie mit ihrem Henker Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) in ihrem angeheirateten Heim Highgarden nochmal die Taktik der königlichen Armee durchkaut. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde, gehören ihr ungewohnt, aber treffend brüskes Fazit zu Joffrey ("He really was a cunt, wasn't he?") und ihr vernichtender Gruß an Cersei doch zu den bisherigen Höhepunkten der Staffel. Es ist ein würdiger Abgang, bei dem die Macher lieber den Charakter zu einem logischen Endpunkt führen, anstatt sich im Spektakel der Gewalt zu ergehen. Das trifft im Übrigen auch auf die Kerkerszene mit den Sand Snakes zu, die sowohl Lena Headey als auch der sträflich verschenkten Indira Varma Gelegenheit zum Aufspielen gibt. Headey profitiert davon, dass die Autoren Cerseis Wahn mit Intelligenz mischen und immer wieder an die Trauer ihrer Figur erinnern. Varmas wortlose, durchs Tiefste ihres Körpers zuckende Qual wiederum gestaltet die Bestrafung wesentlich berührender, als es der Sand Snakes-Plot verdient hat.

Während Sansa (Sophie Turner) ihre Untertanen im Norden äußerst souverän auf den Winter vorzubereiten sucht, erhält Daenerys Gelegenheit, ihren Anspruch auf den Thron der Sieben Königreiche auf seine Alltagstauglichkeit zu überprüfen. Die Targaryen-Tochter drückt nach sechs Staffeln und zahlreichen Anfechtungen ihren Machtanspruch in jedem Härchen ihrer Augenbrauen aus, was den Kontrast zum emotionalen Brutkasten Jon Snow (Kit Harington) weiter herausarbeitet. Das führt zu amüsanten Szenen, wie jener, in der Missandei (Nathalie Emmanuel) die einschüchternde Titelsammlung ihrer Königin ausbreitet und Davos (Liam Cunningham) sich ein "This is Jon Snow ... He's king of the north" herausquetscht. Symbolpolitische Formalitäten bei Hofe liegen nicht im Interesse der Nordmänner. Entsprechend gering ist denn auch Jons Lust darauf, einer Herrscherin Loyalität zu schwören, die ihre Macht auf einen vor Jahren gestürzten Despoten zurückführt.

Kit Harington gibt den Kämpfer im unbequemen Politiker-Wams mit einer gelungenen Mischung aus militärisch gewachsener Autorität und blanker Unsicherheit. Der Bastard, der hier nicht hingehört, lugt manchmal im Thronsaal von Dragonstone hervor, aber auch der vom eisigen Schrecken jenseits der Mauer Erleuchtete. Dass das so lang erwartete erste Gespräch dennoch etwas hölzern wirkt, ist eher Daenerys anzulasten. Emilia Clarke spielt momentan eine Herrscher-Hülse, deren Innenleben uns größtenteils verborgen bleibt, sofern es existiert. Was den vielen Szenen in Thronsälen angelastet werden kann oder ihrer mit dem Abschied von Daario und Essos verkümmerten persönlichen Agenda oder eben Clarkes Schauspielvermögen selbst. Es mag ein Zusammenspiel von all dem sein.

I will return one last time. I have to die in this strange country, just like you.

Der Handlungsstrang in Dragonstone und insbesondere das große Treffen in dieser Folge profitieren jedenfalls von den Figuren, die um die Königin kreisen. Allen voran Tyrion, bei dessen Wiedersehen mit Jon am Strand die dramatischen Veränderungen seit der 1. Staffel von Game of Thrones mitschwingen. Damals waren der Kleinwüchsige und der Bastard zwei Außenseiter an der Mauer, heute gebieten sie über das Schicksal von Westeros. Wenn auch Tyrions Strategie mit der Zerstörung von Yaras/Ashas Iron Fleet und der Einnahme von Highgarden katastrophal scheitert. Von den drei verbliebenen Lannisters ist es ausgerechnet Tyrion, der den ideellen Wert von Casterly Rock komplett überschätzt, was seine Unbefangenheit als Ratgeber der Drachenkönigin in Zweifel zieht.

Treehugger: Bran Stark

Gegenüber dem stets unterhaltsamen Varys (Conleth Hill) gibt Melisandre (Carice van Houten) auf Dragonstone seltene Kenntnis von ihrem Gewissen. Zwei Königsmacher unter sich blicken in der Szene auf ihr Werk herab, möchte man meinen. Doch wie sie da auf den Klippen stehen mit der Aussicht, in Westeros zu sterben, liegt wenig ferner als der Jubel über ihren Erfolg. Treffen wie diese sowie Jons erster Blick auf einen Drachen (gleich nach dem Satz "I'm not a Stark"!) verleihen dem Dragonstone-Abschnitt dieser Game of Thrones-Episode ein Gefühl dramatischer Größe, welches die eigentlichen Gespräche zwischen Jon und Dany nicht recht einzulösen vermögen. Selbiges gilt, nebenbei bemerkt, für die unspektakulären Belagerungen von Casterly Rock und Highgarden. Dabei werden die Parallelen zwischen der Mutter der Drachen und dem König des Nordens mehrfach betont, in ihren eigenwilligen Allianzen mit Sklaven und Wildlings zum Beispiel, aber auch dem Ringen mit ihrem eigenen Wesen. Hier Jon, der hasst, was er am besten kann, nämlich töten. Da Daenerys, die anscheinend nicht erwarten kann, auf Drogon über die Ebenen und Wälder von Westeros zu fliegen und Feuer zu speien, die allerdings mit dem Blick auf den Landkartentisch ihres Vorfahren Vorlieb nehmen muss.

Nachdem das Kern-Ensemble der Serie ausgesiebt und in alle Winde verstreut wurde, erfolgt in Staffel 7 von Game of Thrones eine dramatische Konzentration. Manche Figuren entwickeln sich rasend weiter (Sam und Sansa beispielsweise), andere treten auf der Stelle, was am gravierendsten wohl auf Littlefinger (Aidan Gillen) zutrifft. Der spuckt im Vergleich zum ähnlich angelegten Varys nur noch Plattitüden aus, um Sansa zu beeinflussen. In erster Linie scheint er sich aber die Zeit bis zur Erlösung durch den Plot oder einem Dolch im Bauch zu vertreiben. Solche Veränderungen (oder deren Mangel) gestalten die Wiedersehen in Game of Thrones momentan spannender als das Schwerterklirren. Bei niemandem ist der Wandel so stark vorangeschritten wie bei Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright), der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen kann, was er seiner Schwester Sansa aufs intimste unter die Nase reibt. Abgehoben von menschlichen Bedürfnissen scheint er und das nicht nur, weil er seit Staffeln von aufopferungsvollen Dienern herumschleppt wird und das mit Bäumestreicheln und tödlichen Eishorden belohnt. Wie meint Davos noch an anderer Stelle verwundert: "This place has changed."

Zitat der Folge: "You see, I never saw the poison work before. Tell Cersei I want her to know it was me." (Olenna)


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Anmerkungen am Rande:

  • Cersei wird mehrmals in der Folge mit einem Monster verglichen, aber noch handelt sie, gerade in Hinsicht auf Euron, erstaunlich kontrolliert.
  • "I read the books and followed the instructions." (Warum ist Sam nicht König?)
  • Schöner, bewegender Handschlag zwischen Sam und Jorah.
  • "I didn't take you for a bashful girl." (Varys)
  • Tyrion und seine "weisen Männer"!
  • Mark Gatiss' Bänker mag keinen Wein. Ein Wunder, dass das Gespräch nicht im Blutbad endet.
  • "You look a lot better brooding than I do." (Tyrion schaut in seiner Freizeit offenbar auch GoT)
  • Bronn!

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