Game of Thrones-Finale: Das Ende von Sansa enttäuscht maßlos

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Betrachtet das Leben in 2.35:1 und hat in Programmkinos aufgrund der freien Platzwahl Angst vor einem Kontrollverlust.

Achtung, Spoiler zum Game of Thrones-Finale! In Game of Thrones werden eine Menge Geschichten erzählt, in denen verschiedene Häuser mit verschiedensten Gesichtern ihren Platz finden. Auf seinen letzten Metern offenbart sich das Fantasy-Epos aber vor allem als eine Geschichte über die Starks und deren Wolfsrudel.

Das Rudel hat überlebt, wie Sansa Stark (Sophie Turner) es einst prophezeit hat. Allerdings trennen sich die Wege und das Geschwister-Quartett um die Lady von Winterfell, Bran (Isaac Hempstead-Wright), Arya (Maisie Williams) und Quasi-Bruder Jon (Kit Harington) bricht erneut auseinander. Am Ende von Der Eiserne Thron stellen sich die Letzten der Starks ihrer wahren Bestimmung. Bei Sansa ist es die Krone des Nordens.

Sansa Stark ist die Königin des Nordens

Als neue Königin trifft diese auch eine folgenschwere Entscheidung. Im Moment, als Bran, der Gebrochene, zum neuen Herrscher über die Sieben Königslande ernannt wird, subtrahiert Sansa diese gleich mal um eines und ruft den Norden als autonomes Reich aus. Eine Überraschung, die dann doch gar nicht so überraschend ist.

  • Sansa krönt ihre Entwicklung in Game of Thrones im wahrsten Sinne des Wortes und bekommt ihren verdienten Abgang.
  • Im Gegensatz zum vollgepackten wie polarisierenden Rest der 8. Staffel sind den Autoren bei Sansa offenbar die Ideen ausgegangen.
  • Game of Thrones hat seine starken Frauenfiguren "irgendwie vergessen", wie David Benioff wohl sagen würde.

Bis hierhin erhielt Sansa in Staffel 8 vor allem "Kleiner Vogel"-Fan-Service-Momente, bei denen sich die Frage stellte, was das nun soll. Und jetzt? Nachdem sich Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) zum Unmut unzähliger passionierter Khaleesi-Fans als kläglich inkompetente Monarchin erwiesen hat, vertritt Sansa Stark die letzte weibliche Vorbildfigur im Lied von Eis und Feuer. Die große und eigentlich auch einzige Gewinnerin in einer Serie, die mal für ihre starken Frauenrollen gefeiert wurde.

Der Missachtung unwürdig ist Ritterin Brienne (Gwendoline Christie), die jetzt sogar die Königsgarde anführt und leere Seiten in Büchern mit Wundertinte füllt, jedoch nur noch des Kitsches wegen ihren Platz im Epos besetzt. Asha Graufreud (Gemma Whelan) mischt als Anführerin der Eiseninseln auch noch mit und legt jeden Anspruch auf Unabhängigkeit aus heiterem Himmel wieder ab. Und Arya, die Wonder Woman von Westeros, probiert sich jenseits dieses als Vasco da Gama.

Feminine Persönlichkeiten legen in der Finalstaffel ihre Entscheidungsgewalt ab, bei Sansa geht es genau in die andere Richtung. Warum sie dann, den eigenen Worten zufolge, als Königin "nichts" dagegen tun könne, dass Jon die Läuterung bei der Nachtwache antreten muss, wissen nur die Chef-Autoren.

David Benioff und D.B. Weiss haben sich letztendlich das ganz große Spektakel für andere Namen wie Daenerys oder Bran aufgehoben, das ganz ohne Absurditäten servierte Ende von Lady Stark mutet da fast langweilig an. Für den Charakter selbst wohl verdient, kein Bewohner von Westeros hat einen solch bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Die Unabhängigkeit des Nordens und der Thron in Winterfell bilden da nur eine logische Konsequenz.

Krieg unter vier Augen

Der Abschluss der Geschichte dieser Figur erfolgt rund. Er befriedigt, polarisiert aber nicht. Dabei bewiesen Benioff und Weiss mit ihren Staffel 8-Attitüden doch solch einen erzählerischen Größenwahn und auch Mut zur Handschrift. Sansa sterben oder zur neuen Cersei reifen zu lassen, wäre womöglich des Guten viel zu viel gewesen. Das waren der Mad Queen-Twist und viele, viele andere Ereignisse aber auch.

In einer Welt, in der nahezu alle Beteiligten jedweden Verstand verlieren und Bronn (Jerome Flynn) zum Meister der Münze ernannt wird, hätte es auch bei Sansa ein bisschen mehr sein dürfen. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Spaß die Szenen mit ihr und Daenerys gemacht haben.

In Episode 2 der 8. Staffel war es ein offenes Gespräch unter Frauen, in Folge 1 und 4 dagegen reichten die tödlichsten Blicke, die südlich der Mauer je geworfen wurden. Dieser unvergessliche Augenkontakt allein trug mehr Brisanz in sich als die zurückliegende Schlacht von Winterfell - er hätte eine finale Konfrontation verdient gehabt.

Sansas letzter Trick setzt kein Game of Thrones-Denkmal

Wer genau die Sansa mochte, die einen Ramsay Bolton (Iwan Rheon) den eigenen Hunden zum Fraß vorwirft oder einen Petyr Baelish (Aidan Gillen) skrupellos in die Falle lockt, der geht beim Serien-Finale leer aus. Der Schachzug in Richtung Daenerys verläuft diesmal weitaus unüberlegter. Die frühere Prinzessin plaudert in Die Letzten der Starks (die dümmste Folge der GoT-Geschichte) Jons wahren Namen gegenüber Tyrion (Peter Dinklage) aus und setzt damit ein Stakkato an Ereignissen in Gang. Chaos ist halt eine Leiter.

Offensichtlich hat sich das einstige Täubchen dieses Manöver von ihrem Quasi-Mentor Baelish abgeschaut. Ihr letztes aktives Eingreifen in den Thronkonflikt passt dann doch irgendwie zum überfüllten wie überhasteten Epilog der HBO-Serie. Versetzte man uns mit der Farce gegen Kleinfinger noch alle ins Staunen, werden hier Nägel mit Köpfen gemacht. Sansa schlug ihre Feinde ja stets mit deren eigenen Waffen. Bei Daenerys ist es der improvisierte Vorschlaghammer.

Bei der Langen Nacht, auch bekannt als Viel Lärm um Nichts, wird die Lady von Winterfell dagegen zur Passivität verdammt. Im Angesicht der Weißen Wanderer zieht sich Sansa auf Anweisung von Arya in die Krypta zurück, eine nicht gerade selbstbestimmte Entscheidung. Die "Kriegerin von Winterfell", wie Sophie Turner einst via Entertainment Weekly versprach, war das nun wirklich nicht.

Ihre Pflicht muss Sansa jetzt auch nicht auf dem Schlachtfeld erfüllen, sondern auf dem Thron des Nordens. Nach 73 Episoden ist ihre Geschichte ein für alle Mal auserzählt, ganz ohne Schlussknall und Shitstorm. Was soll's. Lang lebe die Königin.

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