Hommage zum Geburtstag

Der blauäugige Visionär Peter O'Toole wird 80

Was, Effendi, Ihr werdet schon 80 Jahre alt? Szene aus Lawrence von Arabien
© Columbia
Was, Effendi, Ihr werdet schon 80 Jahre alt? Szene aus Lawrence von Arabien

Peter O’Toole wurde 1932 geboren, wann und wo genau ist jedoch nicht ganz klar, verfügt er doch über zwei Geburtsurkunden. Die eine aus dem englischen Leeds zeigt den 2. August als Geburtsdatum, die andere aus dem irischen Connemara ein Datum im Juni. Peter O’Toole weiß laut seiner Autobiographie bis heute nicht, welche von beiden die richtige ist. Auch beruflich war nicht von Anfang an klar, wohin die Reise gehen sollte: Er arbeitete zunächst als Nachwuchs-Journalist und -Fotograf, von 1952 bis 1954 besuchte er die Royal Academy of Dramatic Art. Seine ersten Schauspielerfahrungen sammelte er im Theater, anschließend ab 1954 im Fernsehen. 1959 hatte er schließlich erste kleine Filmrollen in Im Land der langen Schatten, the-day-they-robbed-the-bank-of-england und Entführt – Die Abenteuer des David Balfour.

Plötzlicher Weltruhm
1962 wurde Peter O’Toole mit einem Schlag international bekannt, als er in Lawrence von Arabien die Titelrolle spielte, nachdem Marlon Brando und Albert Finney nicht wollten. Die Rolle des geheimnisvollen, visionären und für die damalige Zeit sexuell unkonventionellen Abenteurers Lawrence sollte auch für einige seiner späteren Figuren wegweisend sein und bleibt auf ewig mit ihm verbunden. Zwar geht der Film nicht direkt auf Lawrences Homosexualität ein, Peter O’Tooles Spiel macht sie jedoch für einen Film vom Anfang der 60er-Jahre überraschend deutlich. Die Rolle brachte ihm sofort eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller ein, gewonnen hat er allerdings nicht. Tatsächlich ist Peter O’Toole der größte ‘Verlierer’ der Oscargeschichte, da er insgesamt acht Mal nominiert war, aber nie gewann. 2003 erhielt er jedoch den Ehrenoscar für sein Lebenswerk, den er zunächst aber nicht annehmen wollte.

Nominierungen, Nominierungen, Nominierungen
Mit seiner Verkörperung von König Heinrich dem II. 1964 in Becket (neben seinem Kumpel Richard Burton) bewies Peter O’Toole, dass er keine schauspielerische Eintagsfliege war. Vier Jahre später spielte er den englischen König erneut, diesmal in Der Löwe im Winter. Für beide Darstellungen wurde er abermals für den Oscar nominiert. In Lord Jim von 1965 spielte er die Titelfigur ganz ähnlich wie Lawrence von Arabien (oder Lawrence zuvor wie Jim, wie die Kritikerin Pauline Kael bemerkte). Was gibt’s Neues, Pussy? aus demselben Jahr gab ihm die Gelegenheit, als Moderedakteur sein komisches Talent unter Beweis zu stellen. Dieses sollte er in vielen kommenden Filmen noch gut gebrauchen können. Für die romantische Rolle als Lehrer in Goodbye Mr. Chips wurde er 1969 abermals für den Oscar nominiert, genauso für die Komödie The Ruling Class 1972; hier spielte er einen verrückten Adeligen, der sich mal für Jesus, mal für Jack the Ripper hält.

Krise und Neubeginn
Neben seiner Filmkarriere vernachlässigte Peter O’Toole auch das Theaterspielen nicht und stand oft in Bristol, London, Dublin oder Stratford auf der Bühne. In den 70er Jahren geriet Peter O’Tooles Karriere jedoch zunehmend ins Kriseln, hatte er doch mit seinem Alkoholismus (praktiziert mit etlichen berühmten Saufkumpanen wie Richard Burton, Richard Harris oder Peter Finch) und anderen Gesundheitsproblemen zu kämpfen, die ihn an den Rand des Todes brachten. Auch filmisch lief es nicht gerade rund, so trat er im Don Quijote-Musicalfilm Der Mann von La Mancha auf, der allgemein verheerende Kritiken erntete. 1980 schaffte der Schauspieler jedoch ein Comeback, obwohl es zunächst nicht danach aussah, spielte er doch im Skandalfilm Caligula mit, einer vom Männermagazin Penthouse produzierten Mischung aus Monumentalfilm, Gewaltorgie und Porno. Für seine Rolle als tyrannischer Regisseur in Der lange Tod des Stuntmans Cameron erhielt er jedoch im gleichen Jahr seine sechste Oscarnominierung. 1982 heimste er eine weitere Oscarnominierung ein für Ein Draufgänger in New York, in dem er einen vergangenen Filmstar spielte. 1984 erntete er für seine Rolle im Flop Supergirl wenig Lob, dafür hätte 1987 ein doppelt fürstliches Jahr für Peter O’Toole werden können: Er spielte in Der letzte Kaiser einen schottischen Tutor und sollte im echten Leben zum Ritter geschlagen werden, was er jedoch aus persönlichen und politischen Gründen ablehnte.

Die 90er verbrachte Peter O’Toole zumeist in Nebenrollen, 1999 erhielt er seinen ersten Emmy für seine Rolle als Bischof in Jeanne d’Arc. 2006 kam die letzte Oscarnominierung für Venus, in dem er einen alten Schauspieler darstellt, der es noch einmal wissen will. 2007 sprach er den Restaurantkritiker in Ratatouille, 2008 spielte er in der zweiten Staffel von Die Tudors den Papst. Privat liebt Peter O’Toole Shakespeare-Sonette (laut einem Interview mit dem National Public Radio kann er alle auswendig) und hat zwei Autobiographien geschrieben (Loitering With Intent: The Child und Loitering With Intent: The Apprentice), die viel Kritikerlob erhielten; ein dritter Teil soll folgen. Auch politisch war Peter O’Toole engagiert, in den 50ern protestierte er gegen den Koreakrieg, in den 60ern gegen den Vietnamkrieg. Am 10. Juli 2012 verkündete er schließlich, dass er sich aufs Altenteil zurückziehen werde, da er nicht mehr das Herz für die Schauspielerei habe. Da bleibt uns nur noch, ihm nach seiner langen und abwechslungsreichen Karriere einen erholsamen Ruhestand zu wünschen!

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Lord C Christoph Dederichs
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Redakteur bei Moviepilot. Hat (fast) alles, was er im Leben wirklich braucht, von Star Trek gelernt. Lässt sich am liebsten von Hitchcock thrillen und von alten Horrorfilmen gruseln.
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