American Gods: Das muss sich in Staffel 3 definitiv ändern

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American Gods
09.05.2019 - 08:30 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Die Meinungen über die 2. Staffel American Gods gehen weit auseinander. Damit die 3. Staffel wirklich gut wird, müssen sich aber ein paar Dinge ändern.

Die 2. Staffel American Gods ist vorbei, ihr Finale führte einige Handlungsstränge sinnvoll zusammen, klang aber recht unspektakulär aus. Für viele ist "durchwachsen" wohl die beste Beschreibung dieser zweiten Runde Götterkrieg. Trotzdem besitzt die Serie noch immer großes Potenzial. Doch wenn die bereits in der Produktion befindliche 3. Staffel gut werden soll, muss sie einige Dinge anders machen als ihr Vorgänger.

Ein Wort der Verteidigung: Die 2. Staffel American Gods schafft das fast Unmögliche

Das Serien-Business ist ein unbarmherziges, was auch die Beteiligten der 1. Staffel American Gods zu spüren bekamen. Die Showrunner Bryan Fuller und Michael Green verließen das Projekt nach den berüchtigten kreativen Differenzen. Kurz darauf ging auch noch Media-Darstellerin Gillian Anderson. Nach diesem Krach musste der neue kreative Leiter Jesse Alexander ein führerloses Schiff zurück auf Kurs bringen. Neil Gaiman, der dabei helfen sollte, versank bis über beide Ohren in Arbeit am Set von Good Omens.

Seit Staffel 2 nicht mehr dabei: Gillian Andersons Media.

Im Interview mit Deadline  bezeichnete Gaiman Staffel 2 nicht nur als schwere Geburt, sondern als "Geburt, während der man unter Feuer stand und sich vor Explosionen wegducken musste". Die vollen Ausmaße des Chaos hinter den Kulissen sind uns also wohl kaum bewusst. American Gods musste also dem Kugelhagel ausweichen, die vorgegebene Geschichte sinnvoll weiterführen und zugleich dem eigenwilligen Fuller-Stil gerecht werden.

Das klappte zu Beginn der Staffel mehr schlecht als recht. Doch die Serie fing sich. Wir erfuhren mehr über die Schicksale hinter den Göttern, lernten, Mr. World zu fürchten und betrauerten gefallene Titanen. Gerade Folgen wie Treasure Of The Sun und The Greatest Story Ever Told fingen wahre Göttermagie ein. American Gods steht trotz heftigem Beschuss noch fest auf beiden Beinen, und das für sich ist schon ein kleines Wunder.

Die Reise geht weiter, und das ist schon eine Fügung.

Butter bei die Fische: Staffel 3 muss sich für eine Seite entscheiden

Nun aber zur Sache. Denn natürlich hatte Staffel 2 ihre Probleme, und die müssen behoben werden, wenn Staffel 3 uns weiter bei der Stange halten soll. Ein wichtiger Punkt ist hierbei das große Ziel, auf das American Gods derzeit (nicht) zusteuert.

Bislang hielt sich die Serie in manchen Belangen detailgetreu an die Buchvorlage, die House on the Rock-Sequenz beispielsweise scheint fast eins zu eins dem Roman entsprungen zu sein, wie auch Shadow Moons gesamter Handlungsstrang. Doch gerade die Geschichten einiger Nebenfiguren sind völlige Neuinterpretationen. Dieser Zwiespalt zwischen Treue dem Original gegenüber und eigenen Ideen war in der 2. Staffel des Öfteren negativ zu spüren, und er könnte große Plotlöcher ins Gefüge der Serie reißen.

Wo soll die Reise für diese beiden hingehen?

Dementsprechend müssen Neil Gaiman und der neue Showrunner Charles H. Eglee bis zum letzten Detail austüfteln, wo sie am Ende mit ihrem Götterepos landen wollen. Letztlich ist es egal, ob nun alles anders wird oder sich an den Roman hält, doch die Versatzstücke müssen eleganter miteinander verbunden werden als bislang. Ohne ein klares, bis zum Ziel durchgeplantes Konzept kann die Serie auf Dauer nicht funktionieren.

Shadow Moon muss sich endlich als würdig erweisen

Die wohl größte Stärke der 2. Staffel American Gods lag in ihren Figuren. So viele Charaktere wurden vertieft und um mehrere Schichten Persönlichkeit erweitert. Nur ausgerechnet Hauptfigur Shadow Moon (Ricky Whittle) blieb dabei auf der Strecke.

Shadow Moons Persönlichkeit (und Intellekt) passte bislang relativ bequem auf einen Bierdeckel, oder - seien wir großzügig - in ein DIN A5-Schulheft. Was zunächst nicht unbedingt schlimm ist. Tatsächlich scheint es fast so, als hätten die Macher beschlossen, allen Beteiligten gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken. Eine kreative Entscheidung, die bei Konkurrenten wie Game of Thrones, einer Serie, in der zahllose Figuren und Schauplätze zu einem großen Ganzen verwoben werden, absolut legitim ist.

Shadow Moon muss sich endlich weiterentwickeln.

Das Problem ist nur: Shadow ist nun einmal der Held des Romans und eine Schlüsselfigur für die Handlung, und daran scheint die Serie nicht rütteln zu wollen. Ständig wird Shadow auf den Präsentierteller gesetzt. Er ist das Opfer von Anschlägen und Entführungen, er wird vehement überall hin mitgeschleift, er wird so oft gefragt, warum Wednesday ausgerechnet ihn ausgewählt habe, dass wir uns das ebenfalls irgendwann zweifelnd fragen.

In Staffel 3 soll uns laut Neil Gaiman nun ein neuer Handlungsbogen erwarten, der sich intensiv mit Shadow auseinandersetzt. Es geht nach Lakeside, wo Shadow in (augenscheinlich) idyllischer Umgebung sein Leben sortiert, zu einem klugen Beobachter und Ermittler wird und an seinen Aufgaben wächst. Hoffen wir, dass dieser Handlungsstrang den Raum im Drehbuch erhält, den er so dringend braucht.

Genug gefaulenzt, Shadow.

American Gods muss weiter zu seiner Merkwürdigkeit stehen

Zum Schluss sei gesagt, dass an American Gods abgesehen von den zwei Hauptpunkten noch ein paar kosmetische Korrekturen vorzunehmen sind:

  • Die Handlung muss trotz der vielen Akteure weiter entschlackt werden, um das Interesse der Zuschauer nicht zu verlieren.
  • Für den Dschinn und Salim muss eine handfeste Aufgabe her.
  • Bilquis muss sinnvoll ins große Ganze einsortiert werden.
  • Die Auswahl der Popsongs muss entweder viel übertriebener oder viel dezenter werden.
Was fangen wir mit diesen beiden an?

Doch bei allen Korrekturen muss ein Grundsatz erhalten bleiben: American Gods ist inhärent merkwürdig. Das galt für den Roman (Kuriosität ist ein Grundstein der Bücher Neil Gaimans), und die Serie steht dem in nichts nach. Das ist gut so. Hier ersetzen bizarre Dialoge herkömmliche Actionsequenzen, absorbieren Göttinnen ihre Liebhaber und prügeln sich Zwei-Meter-Kobolde durch Bars. Eben das macht diese Welt so charmant und fesselnd. Das ist American Gods. Und so sollte es auch bleiben.

Was erhofft ihr euch von der 3. Staffel American Gods?

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