Moritz stellt sich vor

Woher kommt eigentlich die Film-Begeisterung?

01.10.2015 - 18:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Sieht so die Liebe zum Film aus?
© 20th Century Fox
Sieht so die Liebe zum Film aus?
Ein neuer Praktikant und ein Problem, so alt wie diese Vorstellungsrunden. Wie erklärt man seine Begeisterung für den Film? Die Chronik eines Versuchs.

Ich habe in den nächsten Wochen und Monaten die Ehre, euch mit Artikeln rund ums Thema Film zu versorgen. "Was qualifiziert diesen Typen denn dafür?" Das ist eine berechtigte Frage. "Ich begeistere mich für Film" ist die naheliegende Antwort. Aber wie kam das eigentlich?

Märchen und Sagen

Wie das angefangen hat, weiß ich gar nicht mehr so richtig. Es gab da nicht diesen Moment, in dem sich ein Schalter umgelegt hat und ich plötzlich Feuer und Flamme war. Wenn es ihn gab, erinnere ich mich nicht mehr daran. Das kam eher so nach und nach. In der ganz frühen Kindheit gibt es bei mir eigentlich keine bleibenden Erinnerungen. Bis auf die frühkindliche Traumatisierung durch Disney-Filme, versteht sich. Bis heute habe ich mir allerdings eine naive Begeisterung für Märchen, Sagen und Mythen bewahrt. Überlebensgroße Geschichten von Helden, Göttern und dem unsagbar Bösen. So wie in der Ilias oder dem Nibelungenlied. Und dann verfilmte da ein gewisser Peter Jackson das größte Kunstmärchen des letzten Jahrhunderts. Vom Herrn der Ringe war ich damals erschlagen und bin es bis heute. Diese Opulenz des Fantastischen, die meine kühnsten Vorstellungen übertraf. Das hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich Jackson auch seine bestenfalls mittelmäßige Umsetzung des Hobbits ohne mit der Wimper zu zucken verzeihe. Sofern er Besserung gelobt.

Von der Entdeckung der Gangster und Cowboys

Film kann natürlich auch die leisen Töne spielen. Bis ich das gemerkt habe, ist aber ein bisschen Zeit vergangen. Ich habe später viele Gangsterfilme gesehen. Von Coppolas über Scorseses bis hin zu De Palmas Genrebeiträgen. Und nicht zu vergessen Es war einmal in Amerika. Vielleicht liegt es an Ennio Morricones unnachahmlicher musikalischer Untermalung, aber müsste ich meinen liebsten Gangsterfilm nennen, dann wäre es Leones Abschluss seiner Amerika-Trilogie. Die ausschweifend erzählte Geschichte einer Gruppe von Jungen aus New York, die zusammen durch dick und dünn gehen. Nur um von der kriminellen Unterwelt verschluckt und zerrissen zu werden. Ihr bemerkt inzwischen bestimmt meine Schwäche für die großen Geste.

Über Sergio Leone habe ich dann den Western für mich entdeckt. Relativ spät, muss ich zugeben. Ihr habt vielleicht noch Erinnerungen aus eurer Kindheit. Wenn man sich zusammen mit dem Vater anschaut, wie sich der gute Cowboy der Wildnis den Indianern oder Banditen stellt. Wehende Mäntel und wirbelnder Staub. Früher habe ich deshalb mehr oder weniger regelmäßig die Geschichte der Familie Cartwright in Bonanza verfolgt. So richtig gepackt hat mich der Western aber erst vor einiger Zeit. Mit Clint Eastwoods grimmigem Blick, seiner Hand am Colt und dem tief im Mundwinkel vergrabenen Zigarillo. Der Italo-Western ist für mich einer der wertvollsten Schätze der Kinowelt. Der finale Mexican-Standoff in Zwei glorreiche Halunken. Der Showdown zwischen Frank und Mundharmonika in Spiel mir das Lied vom Tod. Die ewig langen Blickduelle. Diese Szenen haben sich in mein Filmgedächtnis gebrannt.

Wie ein Fan geboren wird

So einfach kann das gehen. Ein paar alte Filme gesehen, inzwischen ein bisschen mehr Zeit im Kino mit neueren Streifen verbracht und schon war ich irgendwie mittendrin. Im Fan-Dasein. News lesen, ein paar Regisseure finden, ihre Projekte verfolgen und Hintergründe lesen. Auf einmal war ich nicht mehr bloß Genre-Liebhaber, sondern Filmfan. Und dann noch die Vorfreude. Nichts macht einen Kinobesuch schöner als die Vorfreude auf einen guten Film. Und nichts schmeckt bitterer als enttäuschte Erwartungen. Meine letzte große Enttäuschung liegt nicht allzu weit zurück. Ich erinnere mich bis heute mit einem unwohlen Gefühl an Christopher Nolans The Dark Knight Rises. Als Filmfreund hat man es dieser Tage eben auch nicht immer leicht mit strauchelnden Meistern, einer Flut an Blockbustern und unzähligen Remakes und Reboots.

Natürlich ist die Filmpalette heute breiter denn je und es gibt noch diesen oder jenen anderen Film. Ich sitze hier, halte nach ihnen Ausschau und versorge euch derweil mit Neuigkeiten. Bis dahin. Wir lesen voneinander.


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