Westworld - Wir blicken auf die 1. Staffel, 5. Folge im Recap

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Westworld mit Evan Rachel Wood als Dolores
01.11.2016 - 11:35 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Die 5. Episode von Westworld ist ereignisreich wie keine zuvor. Dolores wird endlich zur Revolverheldin, William geht Logan an die Gurgel und Ford und der Man in Black treffen sich auf einen Drink.

In Westworld gab es bisher keinen wirklichen Cliffhanger, diese schwarze Blüte des Storytellings würde im Erzählbiotop der Serie auch eingehen, weil deren Fragen stets den alles entscheidenden, die Geschichte definierenden Moment übersteigen. Hinzu kommt: Anders als etwa The Walking Dead lässt uns Westworld noch keine familiäre Wärme zu ihren Figuren spüren, unsere Beziehung zu ihnen ist in diesem frühen Stadium eher sachlicher Natur und dabei von ähnlich analytischer Kälte wie die eines Hosts zu einem Entwickler. Westworld ist ein komplex klickendes Uhrwerk, zu dessen Kern es vorzudringen gilt. Oder ein Labyrinth, wie der Man in Black (Ed Harris) sagen würde, in dem wir nach Wahrheit, "Purpose, meaning" zwischen Vergnügen, Laster und Unterhaltung schürfen. Es ist ein denkbar unnützes Detail, dass der MiB dies in einem vibrierenden Dialog zu Robert Ford (Anthony Hopkins) sagt, den er, einen zerbeulten Teddy (James Marsden) im Schlepptau, in einer Bar trifft. Ford behauptet, er gedenkt nicht, den MiB von seinen Nachforschungen ("Voyage of self-discovery") abzuhalten. Aber er hat ein Auge auf ihn und besitzt die Kontrolle ohnehin.

Dies hätte jetzt eine gute letzte Szene im typischen aushauchenden Ton der Serie sein können. Der Abschluss aber gehört wieder Maeve (Thandie Newton), die vor einer Woche in Dissonance Theory noch den Nihilisten raushängen ließ und feststellte, es ist ja sowieso alles egal, was am Ende eines Tages bzw. einer Episode passiert. In der vergangenen war ihr gerade eine Erleuchtung gekommen, während sich durch Türholz grabende Kugeln ihren Tod besiegelten, der zwischen zwei Episoden stets wieder aufgehoben wird wie bei einer Halloween-Folge der Simpsons.

In der 5. Episode Contrapasso flicken zwei Ingenieure Maeve wieder zusammen. Es sind die gleichen, die Maeve ein paar Folgen früher eine spontane Tour durch die Werkstätten gestatteten. In dieser Episode schläft sie die meiste Zeit über, doch einem der Ingenieure ist trotzdem etwas mulmig zumute. Felix heißt er und er spielt mit einem defekten Robo-Spatz rum, der, nachdem Felix ihm erfolgreich Leben einzuhauchen vermochte, auf Maeves ausgestreckter Hand Platz nimmt: "Hello, Felix. It's time you and I had a chat." Die Entschlossenheit, mit der Maeve inzwischen Informationen einfordert, ist beeindruckend.

Maeve hat im internen Westworld-Selbstbewusstseins-Ranking gegenüber Dolores aufgeholt, und das, obwohl auch die über sich hinauswächst in einer Episode, in der ohnehin ziemlich viel passiert, mehr als sonst zumindest. Westworld legt in ihrer Staffelmitte einen Zahn zu. Auf der Hälfte ihrer Laufzeit bricht sie zudem mit einer Tradition; den Anfangsdialog halten nicht, wie in den vier Episoden zuvor, Bernard (Jeffrey Wright) und Dolores, sondern Ford und sein synthetischer Trinkbruder Bill.

Ford klingt ein bisschen wie der Joker, als er Bill von einem alten Windhund erzählt, den sein Vater einem Hunderennen-Veranstalter abkauft hatte. Dieser Hund hatte sein ganzes Leben einem falschen Hasen nachgejagt. Eines Tages habe Fords Bruder in einem Park die Leine gelöst und der Windhund war einer Katze hintergehetzt und hatte sein Opfer, stellvertretend für alle zuvor entkommenen Hasen, zerfetzt. Der Hund habe anschließend vollkommen verwirrt dagesessen. Was wollen die Androiden überhaupt mit ihrer Freiheit anstellen, wenn sie sie dann irgendwann an sich gerissen haben, scheint Ford sich zu fragen.

In einer Sitzung mit Dolores, von der wir nicht wissen, wann sie stattgefunden hat und ob sie womöglich nur in Dolores' Kopf stattfindet, fragt Ford Dolores über Arnold aus, der ihr Erschaffer ist. Arnold habe sie vor 35 Jahren an seinem Todestag gebeten, diesen Ort (Westworld) zu zerstören, was sie jedoch abgelehnt habe, weil es ihr in ihrem Loop doch eigentlich ganz gut gefallen habe, mutmaßt Ford. Am Ende des Gespräches flüstert Dolores "He doesn't know. I didn't tell him anything" einer unsichtbaren Gestalt zu.

In der Gegenwart (?) reiten William (Jimmi Simpson), Dolores (Evan Rachel Wood) und Logan (Ben Barnes) nach Pariah, dem Las Vegas in Westworld. Wahrscheinlich ist Westworld das Las Vegas der echten Welt, weshalb wir auch nicht recht wissen, welchen Ort William meint, als er sagt "You can become someone else. No one will judge you, no one in the real world will even know." In Westworld werden verweichlichte Männer zu Cowboyhelden (William), vermeintlich wohltätige Milliardäre zu Psychopathen (MiB) und Dolores wird sie selbst. Zunächst jedoch sieht sie sich selbst, während das Drehbuch es nicht versäumte, zuvor einen Kontrast zu schaffen: Dolores zieht sich zum ersten Mal um, entledigt sich des himmelblauen Kleides, in dem sie sich kurz darauf selbst über den Weg läuft. Ohnehin ist Contrapasso irgendwie die Episode der Doppelgänger.

Der MiB opferte im anderen Handlungsstrang Lawrence für Teddy, lässt Lawrence ausbluten und päppelt Teddy damit und mit dem Motivations-Zauberwort Dolores wieder auf. Lawrence (Clifton Collins Jr.) ist tot. Kurz darauf aber erscheint uns sein Antlitz in Pariah, wo Clifton Collins Jr. als Gangsterboss El Lazo auftritt. Der stiftet die abenteuersuchenden Logan und William zum Sprengstoff-Stibitzen an, tauscht das Nitroglyzerin jedoch gegen Schnaps aus und sorgt damit für einen großen Aufruhr und den endgültigen Bruch zwischen Logan und William. Am Ende stehen Dolores und William El Lazo in einem Waggon gegenüber, in dem Nitroglyzerin-Fläschchen fröhlich klimpern. Als sich die Aufregung gelegt hat und Waffen nicht mehr auf hochexplosive Flüssigkeiten gerichtet werden, lässt El Lazo die eigentliche Bombe fallen: "Now that we are all friends, you can call me Lawrence." Ein Moment, der Fragen aufwirft, die darüber hinausgehen, was Lawrence mit dem Sprengstoff vorhaben mag. Das Pheromon dieser Serie ist eben nicht die Gier nach Auflösung, es ist das Rätsel selbst.

Was die Episode sonst noch bot ...

  • Ingenieure, die sich an toten (schlafenden) Hosts vergehen und dabei von Elsie gefilmt werden
  • Eyes Wide Shut-Kamerafahrten durch eine Orgie in Pariah
  • Einen Infrarot-Tracker, mit dem illegal Daten aus dem Park transportiert werden
  • Eine wild und präzise wie schweigsame Sergio Leone-Pistoleros um sich schießende Dolores

Alle Recaps zur 1. Staffel von Westworld:

1. Staffel, 1. Folge - The Original
1. Staffel, 2. Folge - Chestnut
1. Staffel, 3. Folge - The Stray
1. Staffel, 4. Folge - Dissonance Theory

Westworld wird derzeit bei HBO in den USA ausgestrahlt und ist in Deutschland bei Sky Go, Sky On Demand und Sky Ticket  verfügbar. Wir begleiten die 10 Episoden mit wöchentlichen Recaps.

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