Was zur Hölle: Inferno mit Tom Hanks ist einfach nur feige

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Tom Hanks in Inferno
07.06.2020 - 14:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Tom Hanks zeigt sich in Inferno heute Abend bei RTL einmal mehr als Robert Langdon, doch anders als die ersten zwei Filme, wurde Teil 3 durch fehlende Mut in den Sand gesetzt.

Heute, am 7. Juni 2020, zeigt RTL um 20:15 Uhr den dritten Robert-Langdon-Krimi Inferno von Ron Howard. Und vielleicht denkt ihr jetzt: Hey cool, The Da Vinci Code - Sakrileg und Illuminati mochte ich! Das schau ich mir doch glatt an!

Leider gibt es da einen Haken: Inferno ist nämlich eine absolut enttäuschende Buchverfilmungen. Genau genommen: Eine der schlimmsten, die ich je gesehen habe. Für einen Film über jemanden wie Robert Langdon (Tom Hanks), der so gern Rätsel löst, ist es mir wirklich ein Rätsel, wie die Adaption so wahnsinnig daneben gehen konnte.

Eigentlich hat Inferno alle Zutaten für einen gelungenen Thriller

Dabei hat Inferno alles, was es an Elementen für einen spannenden Film braucht: Einen mysteriösen Tod. Mehrere Parteien, die unterschiedliche undurchsichtige Ziele verfolgen. Täuschung, Verrat, einen Wettlauf gegen die Zeit. Und einen sympatischen Ermittler (bzw. Symbologie-Professor), der mit Eifer bei der Sache ist.

Inferno mit Tom Hanks und Felicity Jones

Dan Brown, der die Buchvorlage geschrieben hat, lebt davon, in seinen Geschichten Verschwörungstheorien und die Freude an Symbolen sowie touristisch zugänglichen Kulturgütern popkulturell einem breiten Publikum zugänglich zu machen. (Ich gestehe: Ich habe als Jugendliche mit Freude die von ihm beschriebenen Orte in Paris, London und Schottland aufgesucht, wenn ich urlaubsbedingt in der Nähe war.)

Die Filme sprangen auf diese Begeisterung für historische Intrigen in europäischen Städten auf. Insofern war es vielverprechend, dass Ron Howards Thriller-Reihe das dritte und erzählerisch schwächste Robert Langdon-Buch, Das verlorene Symbol, übersprang, um gleich zum vierten Band, Inferno, überzugehen.

Inferno: Tom Hanks forscht

Doch dass in Inferno das Potenzial für einen packenden Thriller steckt, heißt leider nicht automatisch, dass die fertige Verfilmung diesen auch aus der Vorlage herauskitzelt. Siehe: Inferno. Hier tat der Film sich mit einem groben Abweichen von der Romanvorlage leider keinen Gefallen.

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Inferno und das Problem mit der Buchvorlage

Mit Florenz und Istanbul als attraktiven Schauplätzen sowie der Professor Langdon zur Seite gestellten Dr. Sienna Brooks (Felicity Jones), die mit ihm den Konsequenzen von Bertrand Zobrists (Ben Foster) Tod hinterherspürt, sind sich Vorlage und Adaption zu Beginn noch recht deckungsgleich. Es ist das misslungene Ende, bei dem die filmische Umsetzung sich gänzlich verrennt.

Die Unterschiede zwischen Buch und Film von Inferno sind am Schluss so gravierend, dass wohl kaum ein Leser des Buches darüber hinwegkommen kann (Achtung, es folgen Spoiler zu Buch und Film): In klassischer Hollywood-Manier rettet Tom Hanks im Film Inferno die halbe Welt vor einer Biowaffe, die sie getötet hätte. Fertig ist das öde Happy End ohne jegliche Durchschlagkraft.

Inferno: Tom Hanks & Felicity Jones

Im Buch Inferno entpuppt sich der Beutel im Wasser der Zisterne hingegen als Virus, der nicht tötet, sondern in einer Geschichte, die sich mit Überbevölkerung beschäftigt, ein Drittel der Menschheit unfruchtbar macht.

Der herunterzählende Countdown ist hier nicht der Anfangspunkt zur Freisetzung des Virus', sondern dessen Endpunkt, an dem eine Verbreitung der willkürlich gestreuten Sterilität unumkehrbar überall angekommen ist. Als Langdon Zobrists Beutel im Buch erreicht, ist es zu spät, noch irgendetwas zu stoppen.

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Egal, wie der Leser zu dieser "Lösung" der Problematik Überbevölkerung steht: Es war ein unerwartetes Ende, dass schockierte und zumindest in mir nach dem Ende der Lektüre noch lange nachhallte. Da hatte ich wenigsten etwas davon, durch die neun Kreise von Dantes Hölle zu gehen.

Inferno will als Film lieber ein Happy End als ein schockierendes Finale

Doch der Film Inferno hat für ein Unhappy End oder zumindest für ein kontroverse Ende nicht genug Mut. Das Popcorn-Kinopublikum im Blick muss der Abend anscheinend auf einer absolut positiven Note enden, um Hollywood zu befriedigen.

Inferno: Bleibt in Virus-Zeiten weg von Menschenmassen

Leider gibt sich damit der Film dümmer, als er sein müsste. Was ein spannender Denkanstoß hätte werden können, der seine Zuschauer zu moralischen Diskussionen anregt, wird hier in einer klassischen Rettung in letzter Minute erstickt.

Nach der gravierenden Abänderung von Inferno in seinem Film gefragt, erklärte Regisseur Ron Howard gebenüber Bustle :

Das Ende eines modernen Film-Thrillers muss ein ganzes Stück anders ablaufen als das, was auf literarischer Ebene eine sagenhafte Lösung für den Roman [Inferno] war.

Inwiefern hier das Medium eine Rolle spielt, erschließt sich mir nicht. Möchte Ron Howard etwa sagen, intelligente Leser könnten ein ambivalentes Ende verarbeiten, während alle dummen Filmzuschauer dem intellektuell nicht gewachsen sind? Ich hoffe doch nicht!

Inferno: Lieber lesen als schauen

Die Feigheit des Films entschulden seine Worte nicht. Howard geht offenbar davon aus, dass das Mainstream-Publikum um jeden Preis ein befriedigend wohlig-warmes Ende braucht. Als Buchleserin, die einen Einblick auf eine erzählerische Alternative erhalten hat, lässt mich das allerdings zutiefst unzufrieden, enttäuscht und gelangweilt von seinem Endergebnis zurück.

Ich sage: Wer sich nichts traut, kann auch nichts gewinnen. Inferno hat übrigens innerhalb der Robert Langdon-Trilogie die schlechtesten Bewertung aller drei Filme auf Moviepilot. Zumindest das erfüllt mich mit einer gewissen Genugtuung.

Aber wenn die Adaption der Virus-Geschichte anders, also radikaler und buchgetreuer, gelaufen wäre, dann würde Inferno jetzt, in Zeiten von Corona, vielleicht auch nicht im deutschen Fernsehen gezeigt werden.

Hat euch Inferno als (Nicht-)Leser der Buchvorlage besser gefallen als mir?

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