Viggo Mortensen in Green Book: Aragorn verdient endlich seinen Oscar

Viggo Mortensen in Green Book
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Es gibt Schauspieler, die können spielen so gut sie wollen. Für einen Oscar reicht es nicht. Nach Jahren der Nicht-Auszeichnungen wurde Leonardo DiCaprio bereits zum Meme, bevor er dann doch noch für The Revenant ausgezeichnet wurde. Für Viggo Mortensen bahnt sich bei den diesjährigen Oscars eine ähnliche Geschichte an. Nur wahrscheinlich ohne Happy End. Durch Kontroversen um seinen Film Green Book und favorisierte Mitstreiter scheint er kaum Chancen zu haben. Dabei hat Mortensen diesen Oscar absolut verdient.

Viggo Mortensen: Der Schauspieler ohne Auszeichnung

Einem Millionenpublikum bekannt wurde Mortensen zuerst als Aragorn in Der Herr der Ringe. Die Filme sammelten Oscar-Nominierungen am Fließband. Mortensen selbst liefert eine der besten Perfomances der Reihe, die aber nicht mit einer Nominierung als bester Hauptdarsteller gewürdigt wurde. Hier wurde ihm definitiv der Ensemble-Charakter der Filme zum Verhängnis. Zusammen gewann der Cast für Die Rückkehr des Königs nämlich einen Screen Actors Guild Award, die Auszeichnung der Schauspielergilde in Hollywood. Es ist bis heute der einzige große Darsteller-Preis in Mortensens Karriere.

Nach drei Nominierungen wäre Viggo Mortensen endlich mal dran

Chancen für weitere Auszeichnungen gab es genug. Mortensen ist ein fantastischer Schauspieler, der nach Herr der Ringe von Drama bis Komödie in jedem Genre sein Talent bewies und dementsprechend auch Anerkennung in Form von Oscar-Nominierungen erhielt. Mit Green Book ist er zum insgesamt dritten Mal für den Oscar des besten Hauptdarstellers im Rennen.

Davor hatte er bereits 2008 mit Tödliche Versprechen und 2017 mit Captain Fantastic Chancen. Doch die Konkurrenz war stark, statt Mortensen wurden in den beiden Jahren Daniel Day-Lewis und Casey Affleck ausgezeichnet. Nun ist es also Green Book. Bei einem Blick auf die Mitnominierten scheinen aber wieder zwei andere Darsteller die Nase vorne zu haben.

Die Konkurrenz im Oscar-Rennen: Viggo Mortensen gegen Rami Malek und Christian Bale

Gehen wir von den bisherigen Preisverleihungen der Oscar-Saison aus, gibt es beim Award für den besten Hauptdarsteller ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Christian Bale und Rami Malek. Sie spielen reale Figuren - ein Erfolgsgarant. Doch wie bei den Oscars immer üblicher wird weniger die zugrunde liegende schauspielerische Leistung bewertet als die Verwandlung in eine reale Persönlichkeit.

Rami Malek spielt Freddy Mercury ohne Frage klasse und verschmilzt im Riesenerfolg Bohemian Rhapsody vor allem in den beeindruckenden Konzertszenen mit der einzigartigen Bühnenpersona seines Vorbilds. Doch darüber hinaus kann er der Rolle keinen eigenen Dreh geben. Wenn es rein um das perfekte Imitieren der Vorlage geht, macht Gwylim Lee seine Sache als Gitarrist Brian May besser. Maleks Mercury dagegen wirkt beizeiten wie eine bunt glitzernde Karikatur des Queen-Frontmanns, vor allem bei einem Blick auf seine zu groß wirkende Vorderzahnprothese.

Christian Bale dagegen verschmilzt geradezu mit Dick Cheney. Mit einer massiven Gewichtszunahme, Hilfe von Prothetik und exaktem Studium seines Vorbilds zeigt Bale in Vice die perfekte Maskerade. Doch ist das mittlerweile alles, worauf es bei den Oscars ankommt? Im letzten Jahr gewann Gary Oldman, indem er sich täglich stundenlang zu Winston Churchill umformen ließ. Das ist beachtlich und hat einen Oscar verdient - für das beste Make-Up. Die Academy muss aufpassen, dass der Preis des besten Schauspielers nicht zum Preis für den besten Maskenball wird.

Green Book zeigt die beste Leinwand-Chemie der letzten Jahre

Viggo Mortensen spielt ebenfalls eine echte Figur. Doch im Gegensatz zu Malek und Bale ist sein Tony Vallelonga keine bloße Imitation. Womöglich weicht er sogar von der echten Person ab, aber das ist nebensächlich. Mortensen nimmt sich Vallelonga und macht ihn zu seiner komplett eigenen Figur. Im Duo mit Mahershala Ali haben die beiden Hauptdarsteller von Green Book eine der besten Film-Chemien der vergangenen Jahre.

Sein Thema Rassismus kratzt Green Book leider nur an der Oberfläche an. Der Film legt mehr Wert auf die Dialoge zwischen dem rassistischen Italoamerikaner Vallelonga und dem afroamerikanischen Konzertpianisten Don Shirley, für den Ersterer während einer Konzerttour durch die Südstaaten als Fahrer arbeitet. Das starke Drehbuch nutzen Mortensen und Ali, sie heben den Film dank ihrer konstant lustigen und berührenden verbalen Schlagabtausche auf ein neues Level.

Warum Viggo Mortensen für Green Book den Oscar verdient

Dabei ist Mortensens Charakter selbst eigentlich ein kompletter Stereotyp. Sein Vallelonga nuschelt sich als Mann der Arbeiterklasse zum Job bei Shirley, kann selbst nur schlecht schreiben und schlemmt sich den Film über durch ein Fast Food-Gericht nach dem anderen. Diese überzogen angelegte Figur hätte ganz schnell ins Lächerliche kippen können. Doch Mortensen schafft es, den schmalen Grat zwischen liebevoller Hommage und hassenswerter Karikatur zu begehen.

Dank nuanciertem Spiel verkommt Mortensens Figur in dramatischen Szenen nie zur Witzfigur. Eine Leistung, die nur wenige Darsteller so auf die Leinwand bringen können. Dadurch wird Green Book zu einer wunderbaren Geschichte über Freundschaft, sei sie noch so unwahrscheinlich. Für den Oscar wird es für Mortensen vermutlich trotzdem nicht reichen. Ihm bleibt - mal wieder - nur ein Platz am Tisch, eine Nominierung, ein Zunicken der Academy. Dabei hat er endlich mehr verdient.

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