The Walking Dead: Ohne Rick ist Negan der einsamste Mensch der Zombie-Apokalypse

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 9: Adaptation
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 9: Adaptation
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Die Rückkehr aus der Winterpause von The Walking Dead schließt dieses Jahr nahtlos an die vorherigen Ereignisse an. Nachdem wir im Rahmen der 9. Staffel gleich mehrere beachtliche Zeitsprünge erlebten, steht die zweite Hälfte der Zombieserie ganz im Zeichen des schockierenden Cliffhangers, der einerseits Jesus (Tom Payne) das Leben kostete und uns andererseits die Whisperers als neue Bösewichte in Aktion vorstellte.

Seit einigen Episoden zieht sich das unheilvolle Flüstern durch die Wälder der Zombie-Apokalypse. Nun, zurück auf dem Friedhof, müssen die Überlebenden der unheimlichen Gefahr direkt ins Angesicht blicken. Zwar kann das Tor zur Hölle noch einmal verschlossen werden. Der vermeintlich Tote hinter den Gitterstäben vermag es dennoch, den Riegel aus dem Schloss zu heben und die Verfolgung aufzunehmen.

The Walking Dead entlässt Bösewicht Negan aus dem Gefängnis

Es ist nicht der einzige Ausbruch, der Adaptation, die 9. Folge der 9. Staffel von The Walking Dead, dominiert. Ein zweiter findet gleich nach den Opening Credits statt und entpuppt sich ebenfalls als Fortsetzung eines unerwarteten Ereignisses aus dem Mid-Season-Finale: Negan (Jeffrey Dean Morgan) ist wieder auf freiem Fuß. Wie durch Geisterhand öffnete sich seine Zelle, jetzt steht ihm nur noch Judith (Cailey Fleming) und der Colt ihres Vaters im Weg. Obwohl Rick (Andrew Lincoln) längst der Serie den Rücken gekehrt hat, ist der einstige Sheriff nach wie vor präsent, am eindrücklichsten in gezeichneter Form auf einem Bild in Judiths Kinderzimmer, das Negan all das zeigt, was er nicht besitzt: eine Familie. Judith, die sich weder von den Worten noch von den Tagen des Bösewichts beeindrucken lässt, sieht seinem Ausbruch dennoch gelassen entdecken.

Es fühlt sich so an, als wüsste Judith bereits, dass Negan im weiteren Verlauf dieser Folge nur Einsamkeit in seiner Freiheit entdecken und schließlich nach Alexandria zurückkehren wird. Seine Passagen sind fraglos die überraschendsten in Corey Reeds Drehbuch und werden von The Walking Dead-Veteran Greg Nicotero, der zuletzt Ricks Abschied orchestrierte, stimmungsvoll in Szene gesetzt. Was folgt, ist ein Wandern durch trostlose Landstriche, das nicht selten an das allererste Kapitel der Serie erinnern und damit eine weitere Parallele zwischen Rick und Negan etablieren. Für einen kurzen Moment verwandelt sich The Walking Dead in die Ballade eines einsamen Westernhelden, begleitet von rauen Gitarrenriffs und erdrückender Stille. Müsste er ihnen nicht die Köpfe einhauen, um zu überleben, würde Negan die Zombies am liebsten umarmen.

Negan versteht seine Niederlage erst im Angesicht der Freiheit

Was Negan vor hat? Das weiß er selbst nicht so genau, die Aussicht auf eine neue Lederjacke sorgt jedoch für Ablenkung, ebenso die Zurückeroberung des Sanctuarys, das einer verlassenen Festung gleicht. Keine Menschenseele ist in der riesigen Halle des ehemaligen Saviors-Stützpunkts zu entdecken. Nur die loyalsten Seelen wandern durch die grauen Gänge, leise vor sich hin murmelnd, denn sie haben sich verwandelt, in modernde Zeitgenossen, die jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren haben. Nicht einmal das süßliche Pfeifen, das mit der Musik durch das Sanctuary hallt, weiß ein heimisches Gefühl zu vermitteln. "Well, shit", resümiert er im Angesicht seiner Niederlage, die ihm viel zu spät bewusst wird, ehe ihn das Schicksal zurück in die Hände von Judith Grimes treibt, die ihn mit unverschämter Gelassenheit in Empfang nimmt.

Wenig Worte braucht The Walking Dead diese Woche, um von den Problemen der Überlebenden zu erzählen. Das trifft nicht nur auf Negans kurze Expedition zu, sondern auch auf die übrigen Handlungsstränge, die vor allem von der Trauer um Jesus bestimmt werden. Die Rückkehr von Daryl (Norman Reedus), Michonne (Danai Gurira) und Co. erfolgt in einer bedrückenden Montage von Zeitlupenaufnahmen, während Bear McCrearys Soundtrack die vernichtenden Gefühle transportiert. Am liebsten würden sie alle schweigen und den Frust in sich hineinfressen. Doch dann sind es Daryls Schreie, die Hilltop erschüttern. Eine junge Frau konnten sie gefangen nehmen, die sich als Beißer tarnte. Das einzige, was Ricks treuer Weggefährte aus der Fremden herausholen kann, sind knappe Beschreibungen, die in erster Linie dazu dienen, uns Zuschauer über die Whisperers aufzuklären.

Die erste Falle der Whisperers hat in The Walking Dead zugeschlagen

Selbst unter der Androhung von Gewalt bekommt Daryl keine brauchbaren Informationen aus der Gefangenen heraus. Erst Henry (Matt Lintz), der seine menschliche Seite sprechen lässt, erfährt den Namen seiner Zellennachbarin: Lydia (Cassady McClincy). Bei Kennern der Comicvorlage werden spätestens hier sämtliche Alarmglocken läuten, denn Lydia ist die Tochter von niemand Geringerem als Alpha (Samantha Morton), ihres Zeichens Anführerin der Whisperers. Kaum kehrt die 9. Staffel zurück, offenbart sich somit eine spannende Verhandlungsbasis, unterstützt von den letzten Minuten der Episode. So begeben sich Luke (Dan Fogler) und Alden (Callan McAuliffe) direkt in die Arme der neuen Bösewichte. Auf eine musikalische Darbietung der beiden Figuren am Lagerfeuer in Hilltop werden wir in naher Zukunft wohl leider verzichten müssen.

Die Whisperers sind also endgültig in der Zombie-Apokalypse angekommen und werden uns sicherlich auch noch in der 10. Staffel von The Walking Dead erhalten bleiben. Aus Lydias kryptischen Aussagen, so sie den einen Funken Wahrheit beinhalten, deuten bereits eine tragische Hintergrundgeschichte an. Keine Namen, keine Gesichter, keine Menschlichkeit - ihr würdet es nicht verstehen, erklärt Lydia. Wie haben sich einst gute Menschen zu solchen Monstern verwandelt, sodass sie nicht einmal von Mauern oder eben jenen Gittertüren aus der Eröffnungssequenz aufgehalten werden? Nach dem - insbesondere durch seine Brutalität auffälligen - Krieg gegen die Saviors eröffnen die Whisperers tatsächlich noch einmal eine neue Perspektive, die jetzt schon verstörende Abgründe erahnen lässt.

Notizen am Rande:

  • "How about no." - Judith Grimes, Badass
  • Generell: Gegen die Anzahl der coolen One-liner, die Judith in dieser Folge hat, kann nicht einmal Negan antreten.
  • Während Eugene (Josh McDermitt) das Herz gebrochen wird, erfahren wir, dass Rosita (Christian Serratos) schwanger ist.
  • Außerdem lernen wir, dass in The Walking Dead bei einem Vieraugengespräch immer eine dritte Person am Lauschen ist.
  • Die Whisperers bringen einen schicken Dreh in den Zombie-Alltag: Die Begegnung mit einem Untoten fällt ob der Ungewissheit über die Identität des Gegenübers noch spannender aus.
  • Michonne vertraut offenbar nicht in Taras (Alanna Masterson) Fähigkeiten als Anführerin und zieht Daryl damit wieder in die Gesellschaft.
  • Apropos Daryl: Der hat seinen Hund den Schlafplatz aussuchen lassen. Daryl ist einfach zu gut.
  • Seit dieser Woche ist Norman Reedus übrigens nach Andre Lincoln der zweite Schauspieler, der in 100 Folgen von The Walking Dead zu sehen war. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream.

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