The Walking Dead - Die Whisperers bringen die Welt ins Wanken

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 7: Stradivarius
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 7: Stradivarius
Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Zwei Wochen nach Ricks letzter Folge hat sich die Welt von The Walking Dead in einen merkwürdigen Ort verwandelt. Wo uns der Zeitsprung von sechs Jahren auf der einen Seite Zeugen einer neuen Zivilisation werden ließ, kündigte sich auf der anderen Seite eine gewisse Orientierungslosigkeit ein. Zwar blühen die Felder von Alexandria, Hilltop und dem Kingdom. Die verbindende Brücke wurde jedoch in all der Zeit nicht wieder aufgebaut, sondern ragt rumpfartig wie ein Mahnmal aus der friedlichen Landschaft heraus. Zurückgezogen hinter den Zäunen ihrer Festungen leben die Menschen ein routiniertes Leben. Kaum stehen jedoch Fremde vor den Toren, breitet sich das Misstrauen wieder aus. Stradivarius, die 7. Folge de 9. Staffel von The Walking Dead, enthüllt darüber hinaus noch einen weitaus düsteren Abgrund. Denn selbst die einst unter Rick vereinten Lager haben sich auseinandergelebt, voneinander entfremdet.

Das Flüstern der Whisperers bringt die Welt von The Walking Dead ins Wanken

Nach Hilltop sollen Magna (Nadia Hilker) und ihre Gruppe gebracht werden. Dieser Plan stand bereits in der letzten Woche fest, als wir die fünf Neuankömmlinge in der Zombie-Apokalypse willkommen heißen durften. Trotz eines versöhnlichen Moments vertraut Michonne (Danai Gurira) den neuen Gesichtern noch nicht, sodass sie deren Waffenarsenal vorerst für sich behält, wenngleich der Weg zu ihrem Bestimmungsort ein gefährlicher ist. Zombies lauern überall am Wegesrand und dann ist da noch dieses unheimliche Flüstern, das Rosita (Christian Serratos) im Zuge des schwindelerregenden Prologs in den Wahnsinn treibt. Michonne erweist sich aber weiterhin als verschlossene Figur, die in ihrem eigenen Kopf voller Widerstände verschwunden ist und selbst das Wiedersehen mit einer alten Bekannten wie Maggie fürchtet. Erst später erfährt sie von Siddiq (Avi Nash), dass diese schon lange nicht mehr in Hilltop weilt.

Wo Rick sich mit einem qualvollen Schwanengesang verabschieden durfte, verschwand Maggie heimlich, still und leise aus der Serie. Ein unerwarteter Abschied für eine solch zentrale Figur, doch The Walking Dead macht solche Merkwürdigkeit diese Woche zum Thema. Die Gemeinschaft der Überlebenden hat das verbindende Element aus den Augen verloren. Im Gegensatz zu den vorherigen Staffeln existiert zwar keine Anspannung zwischen den verschiedenen Gruppen. Allerdings ist jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er die anderen aus den Augen verloren und vergessen hat, den Kontakt zu halten. Entgegen dem Wissensvorsprung, den wir Zuschauer aktuell genießen, trifft Michonne die Nachricht von Maggies Verschwinden mit einer unerwarteten Wucht. Etwas Unausgesprochenes existiert zwischen beiden Frauen, dessen Klärung auf einmal noch komplizierter geworden ist. Michonne hat zu lange gezögert.

Daryl und Carol als das gebrochene Herz der Zombie-Apokalypse

Dennoch finden in Stradivarius vorsichtige Annäherungen zwischen den Figuren statt. Carol (Melissa McBride) arbeitet wohl am tatkräftigsten daran, alte Freundschaften mit neuem Leben zu füllen. Gemeinsam mit Henry (Matt Lintz), der in Hilltop mehr über die Kunst des Schmiedens lernen will, legt sie einen Zwischenstopp bei Daryl (Norman Reedus) ein, der sich seit Ricks (vermeintlichem) Tod in die Wildnis zurückgezogen hat. Die Einsamkeit und Stille der Natur haben dem Armbrust-Maestro und Motorrad-Liebhaber ein neue Zuhause gegeben, wo er befreit ist von den Zwängen der zerfallenden Gesellschaft. Hier rügt ihn niemand ob der wenigen Worte, die er spricht. Stattdessen kümmert er sich hingebungsvoll um seinen Hund, den er liebevoll ... Hund getauft hat, und hofft, eines Tages doch noch ein Lebenszeichen seines verlorenen Freundes zu erhalten. Vorerst lässt sich aber nur Carol blicken und verpasst ihm einen symbolischen Haarschnitt, bei dem es um alles andere geht als um geschnittenes Haar.

Bevor die Menschen noch weiter auseinanderdriften, greift Carol zu praktischen Methoden, um das Gemeinschaftsgefühl wieder zu befeuern, und kämpft gegen die Verkrustung an. Es hat durchaus etwas Poetisches, dass diese schüchternen Begegnungen nach einer langen Funkstille ausgerechnet von Michael Cudlitz inszeniert werden, der The Walking Dead zwar als Schauspieler schon lange den Rücken gekehrt hat, für sein Regiedebüt aber noch einmal in die Zombie-Apokalypse zurückgekehrt ist. Nun wacht er gewissermaßen über seine alten Freunde und ebnet ihnen den Weg, damit Hilltop am Ende der Episode zum Ort von Umarmungen werden kann. Nachdem wir 45 Minuten lang erlebt haben, wie sich die Gemeinschaft seit dem Verschwinden von Rick und Maggie aufgelöst hat, herrscht im finalen Augenblick eine geradezu unerwartete Aufbruchsstimmung, als hätten sich die Figuren daran erinnert, dass sie auch ohne Rick und Maggie Bedeutendes vollbringen können.

Eugene vereint die Menschen, während eine Stradivari zerbricht

Die Suche nach Eugene (Josh McDermitt) vereint die Menschen, denn plötzlich wird wieder jeder der alten Truppe mit seinen individuellen Eigenschaften gebraucht. Nur Magna und ihre Freunde stehen am Schluss etwas verloren da, nachdem sie versucht haben, sich mit ihren eigenen Erfahrungen in die bestehende Welt von The Walking Dead einzubringen. Schon im Rahmen der Einführung war es den Autoren wichtig, alle fünf neuen Figuren mit wiedererkennbaren Details auszustatten. Nach zwei Episoden ist eine zerbrochene Stradivari jedoch der einzige greifbare Anhaltspunkt, den uns Magna und Co. liefern - und nicht einmal der fügt sich sonderlich organisch in die Geschichte ein. Selbst wenn gerade das Casting von Dan Fogler ein kleiner Triumph für die 9. Staffel von The Walking Dead ist, dienen die Neuankömmlinge bislang nur als unentschiedene Stichwortgeber für die Veteranen.

Notizen am Rande:

  • Jesus (Tom Payne) ist offenbar ein großer Fan von The Jesus and Mary Chain. Wer hätte das gedacht?
  • Während Jesus nicht so recht in die Rolle von Maggies Stellvertreter hineinwachsen will, empfiehlt sich Tara (Alanna Masterson) als geborene Anführerin.
  • Außerdem beschert uns Tara mit Daryl den lässigsten Fist Bump seit sehr langer Zeit in The Walking Dead.
  • Um es nochmal zu erwähnen, wie sich Carol und Daryl in dieser Folge begegnen ist wirklich fantastisch. Die Blicke, die Worte und die unendliche Zuneigung, die sich hinter ihren müden Gesichtern versteckt: Diese Verbindung ist bis heute eine der erstaunlichsten, die The Walking Dead zutage gefördert hat.

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream und Podcast.

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