The Walking Dead lüftet ein schockierendes Michonne-Geheimnis

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 14: Scars
© AMC
The Walking Dead - Staffel 9, Folge 14: Scars
Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Trotz viel Drama ging es in The Walking Dead zuletzt vor allem darum, dass die entfremdeten Gemeinschaften langsam, aber sicher wieder zusammenwachsen. Zwischen Hilltop und dem Kingdom wurden bereits große Schritte vollbracht, um sich auf die drohende Gefahr der Whisperers vorzubereiten. Immerhin ist das Finale der 9. Staffel nur noch zwei Wochen entfernt. Es wird also höchste Zeit, dass sich auch in Alexandria etwas verändert.

Scars, die 14. Folge der aktuellen Runde, entführt uns hinter die Mauern jener Stadt, die einst das Zentrum von Ricks (Andrew Lincoln) neuer Welt darstellte, sich inzwischen jedoch komplett vom übrigen Treiben in der Zombie-Apokalypse abgeschottet hat. Der (vermeintliche) Tod des einstigen Anführers hat sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn eine Brücke zum Einsturz gebracht. Doch was in aller Welt passierte, dass es überhaupt so weit gekommen ist?

The Walking Dead holt Michonne zurück aus der Einsamkeit

Wo für gewöhnlich die Bösewichte Zwietracht sähen und die Gruppe spalten, war es in den letzten Folgen Michonne (Danai Gurira), die sich von ihren Freunden abgewendet und in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Eine unerwartete Entwicklung, die uns verdutzte und viele Fragen aufwarf. Wenn selbst Michonne nicht mehr Ricks Gedanken in die Zukunft tragen konnte, dann muss etwas gewaltig schief gelaufen sein. Das haben auch ihre Verbündeten gemerkt.

In einer Mischung aus Flashbacks und Szenen aus der Gegenwart verwandelt sich Scars im wahrsten Sinne des Wortes in einen Lückenfüller. Nicht nur fungiert die von Millicent Shelton inszenierte Episode als Übergang zum nächsten großen Showdown, sondern taucht tatsächlich ein in die Vergangenheit der Zombie-Apokalypse, um die tragischen Ereignisse zu entschlüsseln, die dazu geführt haben, dass sich die Tore von Alexandria geschlossen haben.

Der erste Kniff gelingt den Autoren, Corey Reed und Vivian Tse, gleich in den einleitenden Minuten, wenn sie Michonne einen alten Freund zur Seite stellen: Daryl (Norman Reedus). Nach Ricks Tod suchen sie am Ufer des Flusses nach Hinweisen auf den Verbleib seiner sterblichen Überreste. Nach all den toten Körpern, die durch The Walking Dead wandeln, ist von Ricks Leiche keine Spur zu entdecken. Nur sein Colt bleibt den Suchenden, um sich daran festzuklammern. (Außerdem: Diese neue Zombie-Serie bei Netflix ist der beste The Walking-Dead-Ersatz)

The Walking Dead vereint Vergangenheit und Gegenwart

Michonne fragt Daryl, ob er damit zurechtkommt, fortan allein im Wald zu sein. Während Daryl diese Frage mit einer typischen und dennoch gebrochenen Daryl-Geste bejaht, schüttelt Michonne den Kopf. Auf keinen Fall könnte sie dermaßen isoliert in dieser Welt überleben und trotzdem ist sie es, die in der Gegenwand den Glauben an die Gemeinschaft verloren hat und keinen mehr durch das Tor nach Alexandria lassen will. Denn einst stand vor diesem Tor eine Freundin.

Jocelyn (Rutina Wesley) ist der Name jener Freundin, die durch die ausgewaschenen Bilder streift und einen Hauch True Blood ins The Walking Dead-Universum bringt. Ein Wiedersehen nach 15 Jahren: Das letzte Mal, als sich Michonne und Jocelyn in die Augen geblickt haben, war die Welt noch in Ordnung. Nun begegnen sie sich in einer Zeit, in der ihre Männer entweder tot oder "gebrochen" sind. Die gemeinsamen Erinnerungen schweißen jedoch zusammen. Es ist zu schön, um wahr zu sein.

Bereits am nächsten Morgen erfolgt das böse Erwachen: Jocelyn hat sich aus dem Staub gemacht - und zwar nicht nur mit den Kindern, die sie mitgebracht hat, sondern auch denen der Alexandrianer. Der Sleepover-Albtraum aller Eltern wird nur noch dadurch gekrönt, dass auch die Vorratskammer geplündert wurde. Fortan beginnt die Suche nach den verlorenen Kindern, unter denen sich auch die junge Judith (Chloe Garcia-Frizzi) befindet.

Der Handlungsstrang in der Gegenwart baut sich parallel dazu auf: Auch hier sucht Michonne ihre Tochter (Cailey Fleming) und fürchtet, das zu verlieren, was sie am meisten liebt. An einem gewissen Punkt ist das Zusammenspiel zwischen den zwei verschiedenen Zeitebenen dermaßen fließend, dass die einzelnen Geschichten direkt ineinander übergehen und sich ergänzen. Wie Daryl und Michonne ihre X-Narben erhalten, entpuppt sich dabei als uninteressantester Teil des Geschehens.

In The Walking Dead gewinnen trotz allem Übel die, die lieben

Entscheidender für die Folge ist, was sie über Michonnes Freundschaft zu Daryl erzählt, wie sie die zerrüttete Beziehung zu Judith aufarbeitet und schlussendlich aus einer grausamen Welt erzählt, in der sich das Vertraute in ein Monster verwandelt hat und selbst Kinder mit dem Blick des Wahnsinns durch die Gegend eilen. Jocelyn verwandelt die Jungen und Mädchen, die sie um sich versammelt, in furchteinflößende, abgestumpfte Bestien, die jeglichen Bezug zur Realität verloren haben.

Besonders drastisch kommt das zum Ausdruck, wenn sie mit scharfer Klinge vor dem Bauch einer schwangeren Frau herumfuchteln und gar nicht begreifen, wie nah Leben und Tod in diesem Augenblick zusammenhängen. Was für einen unbeschreiblichen Irrsinn die Post-Apokalypse auslösen kann, lässt The Walking Dead mit seinem High-Concept-Bösewichten manchmal vergessen. Die gestörte, fehlgeleitete Seele von Jocelyn schockiert mit einer ganz anderen Wucht als jüngst die Taten der Whisperers.

Gruseliger sind nur die Früchte von Jocelyns Handeln, denn die führen dazu, dass sich Michonne gezwungen sieht, Kinder zu töten. Wie von wilden Tieren umzingelt, findet sie sich in den entscheidenden Minuten der Episode im Kreis der Jungen und Mädchen wieder, die selbst nach dem Tod ihrer Anführerin die eingeprügelten Lektionen nicht vergessen können und den Tunnelblick behalten. Diese Narben werden für immer bleiben, sodass sich selbst Judith in der Gegenwart noch daran erinnert.

Sobald sich Mutter und Tochter das erlebte Grauen eingestehen, können nicht einmal Negans provozierende Worte Schaden zusätzlichen anrichten. Der Bund zwischen Michonne und Judith ist so stark wie noch nie. Das Trauma ist zwar nicht überwunden, dafür wurde es von beiden akzeptiert. Auf einmal sind alle Mauern und Grenzen verschwunden, wie das fast zu idyllische Ende der Folge illustriert. Wären da nicht die Whisperers, die uns zurück ins Elend reißen, hätten Michonne, Daryl und Co. mit ihrer Autokutsche zu den Tönen problemlos in den Sonnnuntergang reiten können.

Notizen am Rande:

  • Aww, wie Daryl und Judith gemeinsam in Alexandria sitzen und Ricks Traum durch die Räder weiterlebt, die sich im Wasser drehen. Auch cool: Judith sagt immer noch direkt, was sie denkt und dringt damit selbst zum sonst so verschwiegenen Daryl vor.
  • Wie Eugene (Josh McDermitt) am Ende mit einer lässigen Bewegung das Kommando gibt, dass das Tor wieder geschlossen werden soll. Was für ein Moment, der in seiner Beiläufigkeit leider etwas untergeht.
  • Michonnes Spitzname war offenbar einmal "Meesh".
  • "I wish he could see this."

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream.

Wie hat euch die neuste The Walking Dead-Folge mit Michonne und Daryl gefallen?

Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.
Deine Meinung zum Artikel The Walking Dead lüftet ein schockierendes Michonne-Geheimnis
Der neue Trailer!X-Men: Dark Phoenix
Ae41fe3e1ac44af6aba475bfd2b90d19