The Walking Dead: Alpha mutiert zum größten Bösewicht der Serie

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 12: Guardians
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 12: Guardians
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Alphas (Samantha Morton) furchteinflößende Erscheinung aus der letzten Woche zu vergessen, ist unmöglich. War es in der ersten Hälfte der 9. Staffel von The Walking Dead das Flüstern der Whisperers, das für Unbehagen sorgte, verantworten nun Alphas gleichgültige Blicke sämtliche Albträume in der Zombie-Apokalypse. Wer hätte gedacht, dass das wahre Gesicht der Whisperers so viel gruseliger ist als ihre Masken, die sie Beißern vom Leib schneiden, um selbst unter den Toten zu wandeln? Guardians, die 12. Folge der aktuellen Season, setzt diese Hymne unangenehmer Ereignisse eindrucksvoll fort. (Dazu: So reagieren die Fans auf die größte Ekel-Szene der Staffel.)

The Walking Dead Staffel 9: So verstörend wie Alpha war noch kein Bösewicht

Schon der Auftakt sorgt für ein Zittern, denn Alpha knöpft sich ihre Tochter vor, für die sie soeben ihre eigenen Regeln gebrochen hat. Würde sie der eigens etablierten Whisperers-Ideologie genauso streng folgen, wie sie es von ihrer Gefolgschaft erwartet, hätte sie Lydia (Cassady McClincy) im Stich lassen müssen.

Um ihr Vorgehen zu rechtfertigen, hofft sie nun, wenigstens Informationen über die Menschen aus Hilltop zu erlangen - doch alles, was Lydia liefert, sind dünne Aussagen, die sich irgendwo zwischen Wahrheit und Lüge wiederfinden, Alpha aber auf keinen Fall zufriedenstellen. Als Argumente nutzt sie Lydias Worte dennoch.

Was bleibt ihr auch anderes übrig? Ihr Handeln weckt Misstrauen in den eigenen Reihen, das sich nicht länger leugnen lässt. Zwar sorgt Henrys (Matt Lintz) Erscheinung für zwischenzeitliche Ablenkung, schlussendlich verschlimmert es aber nur die Situation für Alpha. Nicht nur haben die Whisperers vor den Toren Hilltops ihr wahres Gesicht gezeigt, nein, jetzt hat auch noch ein Junge (mehr oder weniger freiwillig) seinen Weg ins versteckte Lager im Wald gefunden, was bedeutet, dass noch weitere Anhänger der anderen Parteien folgen werden. Für einen Augenblick sieht es so aus, als würde sich LaToya Morgans Drehbuch in diesem altbekannten Konflikt verlieren.

Alpha aber macht kurzen Prozess: Jeder hat das Recht, ihren Status als Anführerin anzufechten, wie sie das Recht hat, diesen zu verteidigen. Von langen Reden ist sie aber kein Fan. Ehe sich ihre Herausforderin versieht, reißt Alpha ihr mit einem Draht den Kopf vom Leib und überreicht diesen behutsam dem Freund der Frau, der sich vor Schock nicht mehr regt.

Mit ihren blutverschmierten Händen wischt Alpha dem Rebellierenden sowohl die Tränen als auch die Zweifel aus dem Gesicht. Widerworte wird es nach dieser verstörenden Exekution keine mehr geben, immerhin erledigt ein Dolchstoß den letzten Gedanken an eine Meuterei im Kreis der Whisperers.

The Walking Dead und das unheimliche Schweigen der Whisperers

Besonders faszinierend gestalten sich dabei die umherstehenden Whisperers. Im Gegensatz zu den Saviors, bei denen die Masse stets wie ein schaulustiger Haufen wirkte, üben sich die neuen Bösewichte in Schweigen. Nicht einmal ein Flüstern ist zu vernehmen.

Stattdessen irren sie freudlos durch Wiesen und Wälder, ehe sie sich im Laub einen stillen Platz suchen, um dort für den Rest der Folge zu verweilen. Abseits der Aufständischen und des knurrenden Beta (Ryan Hurst), Alphas rechter Hand, existieren die Whisperers wie eine stumme Herde, deren Haupt nicht nur aufgrund der Zombie-Imitation gesenkt ist. Keiner der Schlurfenden wagt es, Alpha anzublicken.

Trotz aller Widersprüche, mit denen sich die Anführerin zuletzt präsentierte, versteht sie das Handwerk der Einschüchterung genauso vorzüglich wie Negan (Jeffrey Dean Morgan) in seinen besten Zeiten als Kopf der Saviors. Die letzten Minuten der Episode sind ein weiteres Zeugnis dafür: Lydia soll Henry töten oder Beta befördert einfach beide unter die Erde.

Ein drastischer Moment, der glücklicherweise von Daryl (Norman Reedus) und Connie (Lauren Ridloff) in Beißer-Masken unterbrochen wird und für ein Finale sorgt, in dem Lydia wortwörtlich aus den Fängen ihrer tyrannischen Mutter gerissen wird. Dieses Mal dürfte die Rückeroberung deutlich weniger friedlich ausfallen als zuvor.

In The Walking Dead sind sich Monster und Menschen ganz nah

In Alexandria geht es derweil einmal mehr um die Prinzipien der neuen Gesellschaft. Wenngleich die Kamera immer wieder die prächtige Windmühle ins Bild rückt und von blühenden Feldern erzählt, geraten Michonne (Danai Gurira) und Gabriel (Seth Gilliam) aneinander.

Es ist gefährlich, vor die Tür zu treten - gerade im Angesicht der drohenden Whisperers-Gefahr, mahnt Sicherheitschefin Michonne an, während sich in ihren Augen der Schmerz und Verlust vergangener Episoden vereint. Gabriel dagegen vertritt die Auffassung, dass der Kontakt zur Außenwelt gehalten werden muss, nicht zuletzt ist die Verständigung mit Hilltop und dem Kingdom sowieso schon ins Stocken geraten.

Die übrige Screentime beansprucht Negan, zurückgekehrt von seinem Abstecher zum verlassenen Sanctuary. Jetzt sitzt er wieder in seiner Zelle und freut sich seines Lebens. Michonne will sich auf den Dialog allerdings nicht einlassen und hat mit ihrer Taktik eigentlich alle Sympathien auf ihrer Seite. Schließlich sitzt ihr ein Monster gegenüber, das unaussprechliche Dinge zu verantworten hat.

Dann taucht da aber Judith (Cailey Fleming) auf, die mit Negan redet, weil ihr sonst keiner zuhört. Außerdem ist Negan immer noch ein Mensch. Und ein Mensch kann sich verändern - darauf besteht Judith. Immerhin hat das auch eine andere Person geschafft, die ihr sehr wichtig ist: Michonne.

Notizen am Rande:

  • Wir sehen, wie eine Whisperers-Maske hergestellt wird. Das war genauso aufschlussreich wie abstoßend. Wie sieht es eigentlich mit der Hygiene aus?
  • Rositas (Christian Serratos) Arc in dieser Staffel ist echt seltsam. Irgendwie besteht er nur daraus, dass drei Männer darüber reden, wie wer in welchem Verhältnis zu ihr steht, stehen soll und stehen darf. Rosita selbst hat in diesem Viereck erschreckend wenig zu sagen.
  • Die Szenen zwischen Aaron (Ross Marquand) und Michonne haben dafür erstaunlich gut funktioniert, wenn man bedenkt, wie selten sich die beiden Figuren bisher in Vieraugengesprächen ausgetauscht haben.
  • Bei all den frechen One-linern, die Judith so den ganzen Tag über loslässt, verblüfft es immer wieder, wie die Autoren ihre Szenen trotzdem in zutiefst tragische Momente für alle beteiligten Figuren verwandeln.
  • Aww, Daryls Hund, der immer noch liebevoll "Dog" genannt wird, holt seinem Herrchen sogar die Pfeile zurück, die im Kadaver eines Zombies stecken.
  • "Schhhh, schhhh, schhhh!" - Alpha

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream.

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Ab 22. August im Kino!Good Boys
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