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Die Top 7 der Bollywood-Filme

Die Top 7 der Bollywoodfilme
© moviepilot
Die Top 7 der Bollywoodfilme

Das indische Kino wird immer anglophoner. Nachdem es sich jahrzehntelang mit stolzem Haupt vom Englischen – und somit der Schmach der britischen Kolonialherrschaft – distanziert hatte, erscheinen die neuesten Blockbuster oft mit einem Sprachenwirr von Hindi und Englisch, dem so genannten “Hinglish”. Diese Woche ist bei uns in Deutschland der Streifen My Name is Khan gestartet, in dem Superstars Shah Rukh Khan und Kajol ein Liebespaar spielen. Auch in diesem Film wird vornehmlich englisch gesprochen. Ungewöhnlich in seiner Machart ist der Film über einen Autisten aber auch deshalb, weil er größtenteils in den USA spielt und von den Traumata des 11. Septembers handelt. Shah Rukh Khan s Rolle soll dabei die wachsende Missgunst, den aufkeimenden Rassismus und den oft unbegründeten Terroristenvorwurf gegen Muslime anprangern.

Mit den neuen Blockbustern nähert sich das indische Kino sicherlich immer mehr Hollywood und unseren Sehgewohnheiten an; es muss aber befürchtet werden, dass dies den Untergang des klassischen Bollywood einläuten wird. In weiten Teilen der Welt laufen Bollywoodfilme ohnehin kaum auf der großen Leinwand, Ausnahme bleiben die Orte, an denen Inder in der Diaspora leben. Hinglish-Bollywoodfilme sind da sicherlich eine mit offenen Armen empfangene Ware, denn sie sprechen über die Einwanderer und Indienliebhaber hinaus noch weitere Filmfans an, denen das klassische Bollywood zu anstrengend erscheint. In den Top 7 möchten wir euch eine persönliche Auswahl an sieben Bollywood-Filmen produzieren, die einen Blick lohnen:

Platz 7 für Mother India

Mother India ist kein leichter Film: 1957 kam er ins Kino und entspricht so ganz und gar nicht unseren Sehgewohnheiten. Vielleicht solltet ihr ihn euch gerade deshalb einmal ansehen. Fast hätte der Film einen Oscar für den Besten Ausländischen Film gewonnen, doch 1958 sollte (leider) das Jahr Fellinis sein, dessen Die Nächte der Cabiria 1958 ausgezeichnet wurde. Mother India war übrigens eine der ersten Indo-Russischen Koproduktionen, was sich neben der grafischen Gestaltung des Filmplakats auch in der Story niederschlägt: Radha ist gewissermaßen die “Mother India”, die sich an ihr Leben als arme, alleinerziehende Frau in einem Dorf zurückerinnert.

Platz 6 für Veer und Zaara – Die Legende einer Liebe

Shah Rukh Khan darf natürlich auch in dieser Liste nicht fehlen. Veer und Zaara ist eine bewegende Liebesgeschichte, aber durch politische Komponente durchsetzt, wie es im indischen Kino durchaus üblich ist. Auch Veteran Amitabh Bachchan stattet im 190minütigen Streifen einen Gastauftritt ab. Vor der Kulisse des Jahrzehnte andauernden Konflikts zwischen Pakistan und Indien wird die Liebe des indischen Piloten Veer Pratap Singh erzählt, der vor über zwanzig Jahren die aus reichem Hause stammende Pakistani Zaara kennengelernt hat. Die beiden verliebten sich in einander, doch Zaara musste zurück in ihre Heimat Lahore, wo sie einem anderen versprochen ist. Veer gibt alles auf, um sie doch noch für sich zu gewinnen. Zwanzig Jahre später sitzt er jedoch im Gefängnis – und eine junge pakistanische Journalistin hört ihm erstmals zu.

In Flashbacks erzählt der einstige Pilot von seiner großen Liebe und dem hasserfüllten Bürgerkrieg zwischen Indien und Pakistan, Muslimen und Hindus, der die Liebe verhinderte.

Platz 5 für Apus Weg ins Leben: Auf der Straße

Satyajit Ray gilt als Vater des bengalischen Kinos und war vielen Regisseuren ein großes Vorbild. Martin Scorsese fand, Rays Werk gleiche in vielem der Bedeutung des italienischen Neorealismus für das europäische Kino, Gérard Depardieu meint, Rays universelle Filme sprächen jedem in die Seele, James Ivory liebt die Poesie Rays, Louis Malle lobt das Sensuelle und Magische in Rays Werk, welches ihn an den französischen Impressionismus erinnert. Im Trailer könnt ihr einen Blick in einige der Filme von Satyajit Ray werfen und euch die Stimmen der Filmemacher zu dessen Werk anhören. “Auf der Straße”, der hier erwähnte erste Teil der Apu-Trilogie gewann übrigens auch eine Reihe von Filmpreisen, darunter den Sonderpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes 1956. Apus Weg ins Leben: Der Unbesiegbare und Apus Weg ins Leben: Apus Welt, die beiden Nachfolgeteile, waren ebenso große künstlerische Erfolge.

Platz 4 für Munna Bhai

Indische Komödie aus dem Jahr 2003, in der ein Gangster aus Mumbai versucht, den Doktortitel zu erlangen. Nachdem er seinen Eltern jahrelang vorgemacht hat, ein anständiger Mensch zu sein, finden sie sein wahres Ich heraus, als sie ihn verheiraten wollen. Munna Bhai fühlt sich so schlecht, dass er sofort das Medizinstudium aufnimmt – nicht ganz ohne Schwierigkeiten.

Platz 3 für Rang de Basanti – Die Farbe Safran

Die Engländerin Sue will einen Dokumentarfilm über die anarchische Jugendbewegung drehen, die in Indien während des Freiheitskampfes agil war. Doch Darsteller zu finden ist nicht einfach – die jungen Inder von heute feiern lieber ausgelassene Parties. Rang de Basanti schafft es, den Spagat zwischen feucht-fröhlichem Jugendfilm und Politdrama zu machen und zeigt eine heutige indische Generation, die keine Lust mehr hat, sich mit dem Leiden ihrer Väter auseinanderzusetzen. Der Bruch zwischen altem, kolonialisiertem und heutigem, “freien” Indien zeichnet sich durch den gesamten Film.

Platz 2 für Salaam Bombay

Eigentlich ist Salaam Bombay gar kein richtiger Bollywood-Film, denn das anrührende Drama von Mira Nair, die später Monsoon Wedding drehte, wurde nur von Bollywood koproduziert. Er ist aber so bewegend erzählt, dass ich ihn gerne in die Top 7 aufnehmen wollte, zudem zeigt er eine Komponente, die Bollywood in den großen Produktionen oft ausspart: Armut und Kinder. Salaam Bombay handelt vom zehnjährigen Krishna, der von zu Hause verstoßen wird und bei einem Zirkus landet. Als dieser ohne ihn weiterzieht, kauft er sich eine Fahrkarte nach Mumbai und landet dort in einem Hexenkessel von Drogen und Bordellen, Polizei und Gangstern – und versucht auf der Straße zu überleben.

Platz 1 für Taare Zameen Par – Ein Stern auf Erden

Taare Zameen Par ist ein indischer Blockbuster der neueren Sorte. Weniger klassisch in der Story, erzählt er die Geschichte eines lernbehinderten Jungen, der unter der leistungsorientierten Gesellschaft leiden muss. Keiner hört ihm zu, keiner hilft dem armen Kind – bis ein Lehrer daherkommt, der die Kreativität des Kinds fördert und aus ihm jemanden macht, der Selbstvertrauen hat und glücklich ist.

Taare Zameen Par ist nach klassischen Regeln des Bollywoods inszeniert, zeigt etliche Tanz- und Musikszenen und hat nach europäischen Standards Überlänge. Dennoch erzählt er eine moderne Geschichte und benötigt nicht das klassische Mann-liebt-Frau-Schema, um die Handlung zu füllen. Alles in allem ein sehenswertes Stück Bollywood!

Hört euch den Titelsong Bum Bum Bole an

Und den bewegenden Titelsong von Shankar Mahadevan

Und was meint ihr: Welcher ist der beste Bollywoodfilm für euch?

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