The Walking Dead verdient eure vernichtende Kritik nicht

The Walking Dead
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Volontär bei Moviepilot. Süchtig nach Star Wars-Memes, leidet an Game of Thrones-Hangover und sucht immer noch nach dem One Piece.

Wir auf Moviepilot berichten viel über The Walking Dead, das wird inzwischen jeder bemerkt haben, der regelmäßig bei uns vorbeischaut. Die Serie hat eben viele Fans, nicht nur unter unseren Usern, sondern auch in unserer Redaktion. In Recaps und Meinungsartikeln setzen wir uns aber auch kritisch mit der Serie auseinander. Doch vielen Serien-Fans scheint das noch nicht weit genug zu gehen.

In den Kommentaren unter unseren Artikeln wird mit The Walking Dead oft hart ins Gericht gegangen. Die einen stören sich daran, dass die Untoten in der Zombieserie keine große Rolle zu spielen scheinen, andere vergleichen den Überlebenskampf von Daryl, Michonne und Carol gar mit Daily-Soaps wie Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Das hat The Walking Dead bei aller (teils auch berechtigten) Kritik aber nicht verdient.

The Walking Dead ist eine gute Zombieserie

Ein Kritikpunkt, der immer wieder angesprochen wird, ist die Art und Weise, wie The Walking Dead mit Zombies umgeht. Schon seit einigen Staffeln seien die Untoten keine große Gefahr mehr, stattdessen würde sich die Serie viel zu sehr auf menschliche Konflikte fokussieren.

Dieses Argument kann ich nicht ganz nachvollziehen. Zum einen halte ich The Walking Dead sehr wohl für eine gute Zombieserie. Die Maskenbildner rund um Horror-Urgestein Greg Nicotero (Zombie 2 - Das letzte Kapitel) machen einen hervorragenden Job beim Design der Untoten und bringen immer wieder echte Highlights hervor.

Unvergessen ist die Wasserleiche, die Glenn (Steven Yeun) in Staffel 2 aus dem Brunnen ziehen musste, oder der mit metallenen Lanzen durchbohrte Schrottplatzbeißer, gegen den Rick Grimes (Andrew Lincoln) von den Scavengern in den Kampf geschickt wurde.

Zudem findet The Walking Dead selbst in der zehnten Staffel immer noch neue, widerwärtige Wege, die wandelnden Fleischklumpen nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Das Midseason-Finale der 10. Staffel hatte einen fantastischen Ekel-Moment, als einem Beißer der Helm mitsamt Kopfhaut heruntergerissen wurde. Auch wenn die reinen Zombie-Auftritte seltener geworden sind: The Walking Dead erinnert immer wieder an seine Genre-Wurzeln und sorgt regelmäßig dafür, dass Zombie-Fans auf ihre Kosten kommen.

Dennoch wäre es sehr langweilig, wenn The Walking Dead nur aus solchen Momenten bestehen würde. Die Lebenden sind eben schlauer als die Toten und es ist völlig natürlich, dass die Menschen irgendwann Wege finden, sich dauerhaft vor ihren Feinden zu verteidigen. Ernsthaft langweilen würde es mich, wenn es Daryl und Co. selbst nach zehn Staffeln noch nicht geschafft hätten, sich an die neuen Lebensumstände anzupassen.

Das Potential von Zombies ist schnell verbraucht

Ohnehin: Was erwarten wir eigentlich von Zombies? Das sind einfach enorm stumpfsinnige Wesen, die nur durch ihre schiere Masse gefährlich werden. Wollen wir, dass sie sich wie im kürzlich erschienenen Zombieland 2 oder gefühlt jedem Videospiel dieses Genres in Superzombies entwickeln, die superschlau, superstark oder superschnell sind oder gar mit giftiger Säure spucken?

Zombies sind nun mal in der Regel recht eindimensional und können schnell ins Lächerliche abdriften, wenn man versucht, sie spannender zu gestalten. Die Laufzeit eines Films können die Hirnfresser oft noch tragen, doch für eine langlebige Dramaserie fehlt ihnen das, was dieses Unterhaltungsformat eben ausmacht, nämlich die Möglichkeit von Fortschritt und Entwicklung.

The Walking Dead ist mehr als eine Daily Soap

The Walking Dead legt den Fokus bewusst auf die Menschen, weil sie im Gegensatz zu den Untoten Möglichkeiten haben, sich weiterzuentwickeln. Was macht es mit der Menschheit, wenn die Zivilisation plötzlich zusammen bricht und die Erde auf einmal von wandelnden Toten heimgesucht wird? In The Walking Dead sorgt der Konflikt zwischen der omnipräsenten Gefahr und den nach Frieden strebenden Protagonisten für eine einzigartige Dynamik, die uns keine andere Zombie-Geschichte in diesem Umfang bietet.

Ich kann verstehen, dass sich Zuschauer von The Walking Dead oft an Soaps erinnert fühlen. Ja, die Serie macht leider immer wieder schwache Phasen durch - im Verlauf der bisherigen Staffeln gab es schon einige erzwungene Nebenhandlungen und fragwürdige Entscheidungen von Figuren, die scheinbar nur dazu dienten, einen Konflikt herbeizuführen. Diese Kritik ist angebracht, doch insgesamt liegt das Niveau von The Walking Dead dann doch deutlich über dem von Daily Soaps.

Denn neben den persönlichen Dramen, die sich an der Oberfläche abspielen, wirft die Serie einige spannende Fragestellungen über die Natur des Menschen auf. Hier liegt auch die große Faszination der Serie.

  • The Walking Dead schauen: Die neuen The Walking Dead-Episoden werden sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und sind hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen.

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Die komplette menschliche Zivilisation wurde in The Walking Dead auf ihr Minimum reduziert und muss quasi wieder von Null anfangen. Nur das Wissen an eine vergangene Zeit und einige Überbleibsel moderner Technologien unterscheiden die Überlebenden maßgeblich vom Steinzeitmenschen. In den ersten Staffeln ziehen Rick (Andrew Lincoln) und seine Begleiter wie Nomaden durchs Land. Das einzige Ziel ist das tägliche Überleben. Sichere Unterkünfte sind nur von kurzer Dauer und die Zivilisation ist weit entfernt.

Doch mit der Gemeinschaft von Alexandria betreten die Protagonisten gegen Ende der 5. Staffel von The Walking Dead eine neue Ära. Sie werden sesshaft, können wieder Berufe ausüben und Nahrung selbst produzieren, anstatt sich von geplünderten Konserven zu ernähren. Es ist die Geschichte der Menschheit im Zeitraffer, die sich vor unseren Augen abspielt. Doch welche Form der Zivilisation ist in einer Welt mit Zombies überhaupt möglich?

The Walking Dead regt zum Nachdenken an

Diese Frage zieht sich durch die gesamte Serie. Auf dem Weg zur Zivilisation stellen Schurken wie Negan oder Alpha mit ihren extremen Ideologien unsere eigene Moral auf den Prüfstand. Sie pochen in unterschiedlichen Varianten auf das Recht des Stärkeren. Doch anders als bei Marvel gibt es keinen strahlenden Helden, der uns den Weg zeigt. Fast jede Figur in The Walking Dead hat schlimme Dinge getan.

Selbst Rick Grimes, der langjährige Protagonist der Serie, ist streng genommen ein mehrfacher Mörder. Doch können wir es ihm übel nehmen, wenn wir wissen, wie seine Taten zustande kamen? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, auch nicht für die vielen Figuren in The Walking Dead, die alle unterschiedlich mit der Apokalypse umgehen.

The Walking Dead hat seine Schwächen, das ist nicht zu leugnen. Doch die Zombieserie bietet so viele spannende Ansätze und Denkanstöße, das sie mich auch in der 10. Staffel noch bei der Stange hält und mich immer wieder erneut vor den Bildschirm fesselt - in guten wie in schlechten Zeiten.

Ist The Walking Dead noch gut? Hört die neue Podcast-Folge:

In der 6. Folge unseres Moviepilot-Podcasts Streamgestöber knöpfen sich Max, Sebastian und Yves The Walking Dead vor und fragen: Ist die Horrorserie nach 9 Jahren noch gut? Dafür schauen sie auf die Höhepunkte und Tiefpunkte aus 10 Staffeln The Walking Dead.

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