The Irishman: Das neue Poster zum Netflix-Film ist ein schlechter Scherz

The Irishman
© Netflix
The Irishman
Moviepilot Team
DerTolleHecht Benjamin Hecht
folgen
du folgst
entfolgen
Volontär bei Moviepilot. Süchtig nach Star Wars-Memes, leidet an Game of Thrones-Hangover und sucht immer noch nach dem One Piece.

Eigentlich müsste mich der nahende Start von The Irishman vor Vorfreude akrobatische Luftsprünge machen lassen. Regie-Legende Martin Scorsese dreht ein weiteres Mal einen Mafiafilm mit seinem ehemaligen Erfolgsgaranten Robert De Niro, stellt ihm mit Al Pacino einen der legendärsten Gangster-Darsteller überhaupt zur Seite und holt sogar Joe Pesci aus dem wohlverdienten Ruhestand zurück.

Doch obwohl ich gedanklich schon zum Salto ansetzte, blieb ich dann doch auf dem Boden, als ich das neue unfassbar lahme Poster von The Irishman sah. Plötzlich habe ich Zweifel. Wird aus dem Film, der Netflix über 100 Millionen US-Dollar gekostet hat, ein weiteres erstklassiges Meisterwerk von Martin Scorsese. Oder wird The Irishman doch nur billiger Schund auf Direct-to-DVD-Niveau? Ich mache mir Sorgen...

Das furchtbare Netflix-Poster zu The Irishman

Für alle, die es noch nicht kennen oder es nochmal genauer unter die Lupe nehmen möchten, hier ist das offizielle Poster zu The Irishman:

Es kann doch nicht sein, dass den Designern von Netflix nichts Besseres eingefallen ist, als Joe Pesci, Robert De Niro und Al Pacino einfach nur plump nebeneinander zu stellen. Klar, das Poster fällt nicht unbedingt unter die Kategorie potthässlich und ist nicht so schlecht bearbeitet wie das peinliche Spider-Man: Far From Home-IMAX-Plakat. Doch es ist eben uninspiriert, langweilig und seiner großen Namen nicht würdig.

Hier ist keine Spur von Einfallsreichtum vorhanden. Die Farbgebung ist trist, die Schauspieler sind willkürlich positioniert und dem Gesamtkonzept fehlt jegliche Aussagekraft. Zudem ist es fragwürdig, wie die Stars hier präsentiert sind. Al Pacino und Joe Pesci halten ihr Gesicht in einem so teilnahmslosen Winkel zur Kamera, dass sie erst auf dem zweiten Blick klar erkennbar sind.

Wohlwollend könnte man es als Minimalismus bezeichnen, was Netflix hier treibt. Einfach die drei großen Stars ohne jegliches Konzept aufs Plakat klatschen und fertig. Ich nenne es aber Faulheit. Frei nach dem Motto: Die Leute werden sich den Film sowieso ansehen, wieso sich also Mühe für die Werbung geben?

The Irishman hat ein besseres Poster verdient

Dass Netflix sich um diese Form des Marketings nicht schert, ist kaum verwunderlich. Ein Streaming-Dienst hat es eben nicht nötig, Kinobesucher mit aufwendig gestalteten Kunstwerken in den richtigen Saal zu locken. Doch ein Poster ist eben mehr als nur ein Marketing-Werkzeug. Es steht stellvertretend für den gesamten Film, komprimiert im besten Fall dessen Essenz in visuell ansprechender Weise und geht gemeinsam mit ihm in die Geschichte ein.

Wenn wir in einer Datenbank nach einem Film suchen, ist das Poster neben dem Titel das Haupterkennungsmerkmal. Ob gewollt oder nicht, es verschmilzt mit der Identität des Films und prägt auch die äußerliche Wahrnehmung in den folgenden Jahrzehnten. Gerade für den teuersten Film in Martin Scorseses Karriere hätte ich erwartet, dass die Verantwortlichen wenigstens etwas Mühe in die Gestaltung des Posters investieren und es nicht so erschreckend billig daherkommt.

Netflix kann es besser

Das soll hier gar kein Angriff gegen Netflix-Poster im Allgemeinen sein. Denn Eigenproduktionen wie Stranger Things, Dark, Black Mirror oder Spuk in Hill House haben Poster, die den Charakter der jeweiligen Serie mit einer interessanten visuellen Idee verknüpfen. Dabei erwarte ich auch nicht jedes Mal eine Meisterleistung. Doch zumindest irgendetwas, das meine Vorfreude anheizt und nicht erstickt.

Sogar zu The Irishman gibt es schon ein Poster, das diesen Job besser erledigt - allerdings kein offizielles. Der Künstler Federico Mauro entwirft eigene Fan-Plakate zu aktuellen Filmen und TV-Serien. Er nahm ein Szenenbild des kommenden Gangsterdramas und erweiterte es um eine eigene Schriftart und Lampen, die Patronenhülsen ähneln und so die sicherlich bevorstehende Eskalation symbolisieren:

Das Fanposter von The Irishman baut Spannung auf und vermittelt eine Atmosphäre, die Lust auf mehr macht. Die offizielle Variante lebt hingegen einzig und allein davon, dass mit Robert DeNiro, Al Pacino, Joe Pesci und Martin Scorsese vier große Namen darauf stehen. Netflix verlässt sich auf reine Star-Power, anstatt eine eigene Leistung zu erbringen.

Auch wenn es nur ein Poster ist: Falls sich diese Einstellung auch durch den Film ziehen sollte (wovon ich trotz des misslungenen Posters nicht ausgehe), steht uns am 27.11.2019 leider eine Enttäuschung bevor.

Was haltet ihr vom Poster zu The Irishman?

Moviepilot Team
DerTolleHecht Benjamin Hecht
folgen
du folgst
entfolgen
Volontär bei Moviepilot. Süchtig nach Star Wars-Memes, leidet an Game of Thrones-Hangover und sucht immer noch nach dem One Piece.
Deine Meinung zum Artikel The Irishman: Das neue Poster zum Netflix-Film ist ein schlechter Scherz
E4856daf49ed4a37a031d7f954eed7a6