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Retrospect(re)

Teil 21: Wiedergeburt

Britisch, elegant, tödlich.
© United Artists
Britisch, elegant, tödlich.

2006: Casino Royale
Der frisch gebackene 00-Agent James Bond (Daniel Craig) wird von Geheimdienstchefin M (Judi Dench) trotz ihrer Zweifel an seiner Attitüde auf einen weltweiten Terror-Ring angesetzt, den er quer über den Globus verfolgt. Seine Aktionen führen dazu, dass der sinistre Le Chiffre (Mads Mikkelsen) jede Menge Geld an der Börse verliert; Geld, das ihm nicht gehört. Er verwaltet es für Terroristen und Kriegsherren auf der ganzen Welt, in diesem Fall für den ugandischen Rebellenführer Obanno (Isaach de Bankolé). Um die Unsummen aufzutreiben, schreibt sich Le Chiffre in ein millionenschweres Pokerspiel im Casino Royale von Montenegro ein. Als bester Zocker des MI6 nimmt auch Bond am Turnier teil und reist mit der Schatzamt-Mitarbeiterin Vesper Lynd (Eva Green) in den osteuropäischen Kleinstaat.

Clean slate, tabula rasa, zurück auf Anfang: Nach dem Desaster mit dem Namen Stirb an einem anderen Tag erfährt James Bond die Mutter aller Frischzellenkuren. Casino Royale spult zurück und erzählt vom allerersten Einsatz des Agenten mit der Codenummer 007. Dabei orientiert er sich am Ursprung der Reihe und adaptiert Ian Flemings erstes Buch in die moderne Welt, in der Terroristen per SMS Angst und Schrecken verbreiten. Wer wäre dafür besser geeignet als der Mann, der James Bond in die 90er gebracht hat? Mit GoldenEye landete Martin Campbell einen unbestreitbaren Hit, jetzt kehrt er nach elf Jahren zurück.

Lange gab es Spekulationen, wer der neue James Bond sein soll. Hugh Jackman lehnte den Part ab, Dominic West und Gerard Butler wurden in die nähere Auswahl gezogen, auch Rupert Friend wurde angesprochen und Henry Cavill bekam die Rolle deshalb nicht, weil er zu jung erschien. Passend zum kompletten Neustart ist der gebürtige Chester Craig auch nicht dunkelhaarig, sondern blond. In Deutschland kam bald das spitzzüngige James Blond auf, in England ging James Bland um. Trotz öffentlicher Unterstützung durch Ex-Bond-Darsteller Pierce Brosnan oder Ex-Bond-Bösewicht Christopher Lee waren die Zweifel groß. Selten zuvor war das voreilig gefällte Urteil so falsch wie für Daniel Craig in Casino Royale. Ähnlich sollte es erst mit Heath Ledger als Joker laufen.

Craig beweist in den 144 Minuten eindrucksvoll, dass er wie für die Rolle gemacht ist. Suave ist er, elegant und gut gebaut. Aber er scheut auch nicht davor zurück, knallhart zuzuschlagen und tut den explosiven Tod eines Bombenlegers mit einem Grinsen ab. Noch dazu hat er einen schön trockenen und stellenweise schwarzen Humor, der gut zu der oft unterdrückten Aggression seiner Figur passt.

Wie der neue Bond vorgeht, verrät die in Schwarz-Weiß gezeigte Pre-Credit-Szene, in der er seinen 00-Status mit dem Mord an einem verräterischen Agenten und dessen Kontaktmann verdient. Dreckig und brutal schlägt sich Bond durch eine öffentliche Toilette, ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Härte behält die Action glücklicherweise bis zum Ende bei. Besonders krass ist der Kampf zwischen Bond und Obanno im Treppenhaus des Hotels in Montenegro, bei dem unter anderem eine Machete zum Einsatz kommt.

Muss ich eigens erwähnen, dass Judi Dench wieder einmal gute Arbeit als M ablegt? Die Frau ist dafür gemacht, diese Rolle zu spielen. Neu: Zum ersten Mal sieht der Zuschauer ihre Wohnung, auch wenn das keine wirklichen Schlüsse auf die Person hinter der steinernen Maske zulässt. Aber das würde sie auch nur entmystifizieren. Q und Miss Moneypenny tauchen übrigens nicht auf.

Dafür sind die wichtigen Rollen grandios besetzt. Mads Mikkelsen spielt fabelhaft auf in seiner unterschwellig unheimlichen Verkörperung des entstellten Le Chiffre. Die nachdenkliche Haltung der Hand an seiner linken Schläfe ist längst in die Welt übergegangen und seine ruhige, besonnene Art macht ihn nach den lauten Bösewichten der letzten Filme (und damit meine ich vor allem Renard und Gustav Graves) zu einer erfrischenden Neuerung. Man kann nie genau sagen, was er eigentlich gerade denkt oder plant. Nur eins ist sicher: Etwas Gutes ist es nicht. Seine perfide Seite kommt besonders am Ende zum Vorschein, als er Bond nicht nur im Glauben lässt, dem falschen Mann vertraut zu haben, sondern ihn in der grausamsten Foltersequenz der Reihe mit einem dicken Tau die Kronjuwelen martert. Ich kenne keinen Mann, der bei der Szene nicht wenigstens mit zusammengekniffenen Augen dasitzt und den Schmerz förmlich selbst spürt.

An Bonds Seite steht die ausnehmend schöne und vielseitige Eva Green, die die Vesper Lynd als eine selbstsichere, moderne Frau zeigt, die sich nicht von Bond um den Finger wickeln lässt und, wie schon Pussy Galore, “gegen seinen Charme immun” ist. Sie ist nur daran interessiert, dass er das Spiel gewinnt und die England nicht internationalen Terrorismus finanziert, ihr Interesse an Bond ist beinahe nonexistent. Zunächst. Bond wiederum hat einen ziemlichen Narren an der grünäugigen Schönheit gefressen. Ein wichtiger Helfer vor Ort ist René Mathis, der korrupte Polizisten und einige von Le Chiffres Leuten aus dem Weg schaffen kann. Es ist immer schön, Giancarlo Giannini bei der Arbeit zuzusehen und Casino Royale bietet keine Ausnahme. Er ist der Freund, den der kaltherzige Bond braucht, um nicht abzuheben.

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