Star Wars 9: Wie neue Helden die Geschichte der alten vollenden

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Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers
07.12.2019 - 09:21 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Zum Kinostart von Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers haben wir Daisy Ridley und John Boyega zum Interview getroffen, um über das Ende der Skywalker-Saga und das Ende einer über 40-jährigen Reise zu reden.

Als George Lucas 1976 in der Wüste von Tunesien sein Budget sprengte und massiven Verzögerungen im Drehplan entgegenblickte, hatte von allen vermutlich er am wenigsten damit gerechnet, in welch ein Phänomen sich Krieg der Sterne verwandeln würde. Zuerst sah es so aus, als wäre seine ehrgeizige Unternehmung zum Scheitern verurteilt.

Über vier Dekaden später ist sein Weltraummärchen immer noch im Kino präsent, womöglich sogar präsenter denn je, denn inzwischen kämpft bereits die dritte Generation an Sternenkriegern auf der großen Leinwand gegen die Dunkle Seite der Macht und sorgt dafür, dass der Funke des Widerstands nicht erlischt.

Daisy Ridley und John Boyega im Interview über Star Wars 9

Ein Teil dieser Geschichte endet jedoch im Dezember, wenn Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers das letzte Kapitel der Skywalker-Saga aufschlägt, über 40 Jahren nachdem Luke Skywalker zum ersten Mal sehnsüchtig in den binären Sonnenuntergang von Tatooine blickte und sich die unglaubliche Größe dieser weit, weit entfernten Galaxis voller Abenteuer und Gefahren vorstellte.

Finn (John Boyega) und Rey (Daisy Ridley) in Episode 7

Beendet wird seine Reise von neuen Helden, die wir in Star Wars 7: Das Erwachen der Macht, der großen Wiederbelebung des Franchise, kennengelernt haben. Sie tragen die Namen Rey und Finn. Mit ihren Schauspielern, Daisy Ridley und John Boyega, haben wir uns anlässlich des baldigen Kinostarts von Episode 9 zum Interview getroffen, um über das große Skywalker-Finale zu reden.

Die große Herausforderung von Der Aufstieg Skywalkers

Wie fühlt es sich also an, wenn die junge Star Wars-Generation die Geschichte der alten vollendet? "Sehr seltsam", gesteht Daisy Ridley, die im Lauf der vergangenen fünf Jahre zum Gesicht der neuen Star Wars-Trilogie geworden ist. Die eigentliche Bürde müssen jedoch nicht die Schauspieler schultern, sondern die kreativen Leute hinter der Kamera.

Ich bin froh, dass ich nur eine Schauspielerin und keine Drehbuchautorin bin. Für J.J. [Abrams] war es hundertmal schwieriger, sich auszudenken, diese drei Filme zu beenden und alle neun zusammenzuführen. Für die Kreativen ist es deutlich härter.

Regisseur J.J. Abrams stand bereits 2015 vor der unmöglichen Aufgabe, ein neues Star Wars-Abenteuer in Stellung zu bringen, nachdem eine Dekade lang kein neuer Star Wars-Film in die Kinos gekommen war. Gemeinsam mit Co-Autor Chris Terrio ist er nun auch für das Drehbuch von Episode 9 verantwortlich, das sowohl die neuen Filme als auch die gesamte Saga zusammenführt, wie Daisy Ridley erklärt.

Was [J.J. Abrams und Chris Terrio] gemacht haben, ist unglaublich, weil es sich wirklich auf die ganze Saga bezieht. Wenn du nur die letzten zwei Filme gesehen hast, fühlt es sich trotzdem wie ein würdiges Ende an, das alle Filme umfasst.

John Boyega fühlt sich derweil "sehr, sehr gut", wenn er an den baldigen Kinostart von Der Aufstieg Skywalkers denkt. Näher beschreibt er seine Gedanken:

Der eine Trailer, den sie veröffentlicht haben, hat uns ein Recap der gesamten Saga gegeben und ist bis zum Anfang zurückgegangen. Da ist mir klar geworden: 'Wow! Ich bin tatsächlich Teil von etwas, das seit über 40 Jahren existiert.' Das ist einfach verrückt. Mir gefällt deine Idee, dass wir die junge Generation sind, die die Geschichte der alten beendet. Das ist schön.
Finn (John Boyega) in Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Seit ihrem Casting im April 2014 begleiten Daisy Ridley und John Boyega die Skywalker-Saga als aktiver Teil der Star Wars-Familie. Wie hat sich da die Perspektive auf das Franchise verändert? "Alles ist anders, denn früher war ich kein Teil von Star Wars", stellt Daisy Ridley fest. "Jetzt repräsentiert es für mich einen Job und Menschen, die ich liebe." Ein Fan der Reihe ist Daisy Ridley in ihrem Herzen trotzdem geblieben.

Es fühlt sich viel persönlicher an und ist sehr schön. Als Teil des Films bin ich noch aufgeregter, diesen zu sehen. Ich fühle mich ein bisschen wie im Mittelfeld. Auf der einen Seite mache ich mit, auf der anderen Seite sitze ich im Publikum, was großartig ist.

Star Wars wird vielfältiger und bleibt damit zeitlos

Die größte Veränderung für John Boyega gestaltete sich in der Beziehung zu seiner Figur. Finn, den wir als übergelaufenen Stormtrooper in Episode 7 kennenlernen, musste sich zuletzt für eine Seite entscheiden, nachdem er einen ganzen Film lang hin- und hergerissen durch die Galaxis schwankte. Damit einhergehend hat sich auch John Boyega deutlich leidenschaftlicher für das Schicksal seiner Figur eingesetzt.

Den ersten Film begreift man als Möglichkeit. Danach wird einem die Figur immer wichtiger, als würde man sich in sie verlieben. Man fängt an, sie gegenüber bestimmten Entscheidungen zu beschützen, die ihr Schicksal betreffen. Dadurch lernt man das Franchise auf vielen neuen Wegen kennen. Es geht immer darum, herauszufinden, was das Beste für die Figur ist.

Die neuen Star Wars-Figuren sind "im gleichen Atemzug und mit der gleichen Inspiration der alten entstanden", wie John Boyega später auf die Frage verrät, was die Helden der Sequel-Trilogie auszeichnet. Jede Star Wars-Figur bringt "einen bestimmten Charme" mit. Trotzdem hat sich einiges verändert, etwa in puncto Repräsentation, wie Daisy Ridley anmerkt.

Star Wars ist viel repräsentativer für die Zeit geworden, in der wir leben - in Bezug auf verschiedene Gesichter, verschiedene Menschen, Männer, Frauen. Alles ist deutlich vielfältiger. In dieser Hinsicht hat sich vieles getan.

Die Star Wars-DNA geht dadurch keineswegs verloren, im Gegenteil: Sie wird bereichert, während die essentiellen Bestandteile der Geschichte die Zeit überdauern. Diese Zeitlosigkeit der zentralen Star Wars-Themen begeistert Daisy Ridley:

Die Filme sind vor allem deswegen so langlebig, weil sie diese großen Geschichten von Gut und Böse und dann diese kleinen Geschichten über Familie, Freundschaft und Liebe erzählen. Das ist geblieben. Auch wenn die Figuren moderner geworden sind, hat die zentrale Geschichte überdauert. Damit repräsentieren die neuen Figuren auch die Gefühle, die die alten erlebt haben.
Star Wars 8: Die letzten Jedi

Dennoch war im Franchise in der Vergangenheit des Öfteren eine Erschütterung der Macht zu spüren. George Lucas' Vision der Prequels spaltete die Fans mit einem bis heute nachhallenden Echo. Auch Star Wars 8: Die letzten Jedi, die jüngste Skywalker-Episode, die in die Kinos kam, polarisierte enorm, besonders nach den versöhnlichen Gesten von Das Erwachen der Macht.

Mit dem Wissen, wie Fans auf die mutigen Entscheidungen von Episode 8 reagiert haben - wie bereitet man sich da auf den Abschluss der Skywalker-Saga vor, mit dem ein nochmal bedeutenderes Erbe einhergeht? Daisy Ridley blickt zurück und erinnert sich:

Egal, was wir in Episode 8 gemacht hätten, die Menschen hätten entweder ein Problem damit gehabt oder es geliebt. Und es ist das gleiche bei diesem Film. Schlussendlich musst du akzeptieren, dass wir es sind, die diesen Film machen.

Der Star Wars-Diskurs ist wichtig, aber der Tonfall entscheidend

Die Fans sind ein entscheidender Bestandteil von Star Wars. Gleichzeitig sind hier aber Künstler am Werk, vor und hinter der Kamera, die bewusst aufgrund ihrer Vision für das Franchise von Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy engagiert wurden. Weiter führt Daisy Ridley aus:

Wir denken an die Fans und bauen bestimmte Sachen ein, die sie sehen wollen. Aber es ist genauso J.J.s Vision und aufgrund dieser Vision wurde er ausgewählt, um die Geschichte zu erzählen. Nicht jedem wird das gefallen, da bin ich mir sicher. Aber als jemand, der Teil dieses Films ist, habe ich das Gefühl, dass er die Fans zufriedenstellen wird, auch die, die ihre Probleme mit Die letzten Jedi hatten.

John Boyega ist außerdem der Meinung, dass es sogar notwendig ist, einen Diskurs anzustoßen, immerhin ist es der Austausch, der Star Wars auch abseits der Leinwand lebendig werden lässt.

Für mich sind Diskussionen unter Star Wars-Fans immer ein wichtiger Teil des Franchise gewesen. Ich nehme dabei meistens die Rolle von jemanden ein, den es nicht so hart trifft, wenn jemand anderer Meinung ist. Am Ende des Tages geht es nur um den Weltraum! Es gibt auch noch andere Dinge in der Welt.

Entscheidend bleibt aber der Umgangston.

Ich finde es cool, wenn Fans die Filme auseinandernehmen, solange es auf respektvolle Art und Weise passiert. Jeder hat seine eigenen Meinungen und Theorien. Wer die nicht hat, ist vielleicht gar kein richtiger Fan.
Leia (Carrie Fisher) in Star Wars 8: Die letzten Jedi

Beenden, was andere angefangen haben: Bei Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers erhält dieser Satz eine völlig neue Bedeutung, da mit Carrie Fisher die Schauspielerin einer der wichtigsten Figuren der Reihe im Dezember 2017 verstorben ist. Ursprünglich sollte sie eine Schlüsselrolle in Episode 9 einnehmen, nachdem Harrison Ford in Episode 7 und Mark Hamill in Episode 8 ihren großen Auftritt absolviert hatten.

Eine weitere Herausforderung, die J.J. Abrams meistern musste. Ein Ersatz für Carrie Fisher kam nicht infrage. Stattdessen konnte die inzwischen zum General aufgestiegene Prinzessin dank nicht verwendeter Aufnahmen aus den vorherigen Filmen zurückgebracht werden. Daisy Ridley beschreibt ihre Erfahrung bei den Dreharbeiten:

Es war ... sehr seltsam, denn wir haben Szenen gedreht, in die ihre Aufnahmen erst später eingefügt wurden. Es ist aber wirklich faszinierend, dass die Aufnahmen, die wir für einen komplett anderen Film gedreht haben, in diesem jetzt so gut funktionieren.

Carrie Fisher ein letztes Mal als Leia in Star Wars 9

Carrie Fisher ist nach wie vor ein entscheidender Teil des Films. Wie Daisy Ridley weiter erzählt, haben viele Gespräche mit Familienangehörigen und anderen Personen stattgefunden, die Carrie Fisher nahestanden, allen voran mit ihrem Bruder, Todd, und ihrer Tochter, Billie Lourd, die im Film selbst als Lieutenant Connix zu sehen ist.

Ich habe bereits ein paar der Szenen gesehen, die sie zusammengestellt haben. Es ist so großartig und fühlt sich so an, als wäre [Carrie Fisher] wirklich dagewesen. Es ist sehr schade, dass wir es nicht mit ihr machen konnten. Aber ich glaube, jeder wird merken, dass sie ein wichtiger Teil dieses Films ist und das sollte die Fans glücklich machen.

Wenngleich die Fußstapfen groß sind, in die Daisy Ridley und John Boyega als die neuen Helden der Skywalker-Saga treten, war der Druck gleichmäßig auf den Schultern aller Beteiligten verteilt, wie John Boyega zuvor erklärte. Besonders bei Carrie Fisher ist auch er froh, dass sie ein Teil von Episode 9 geworden ist.

Es ist genauso ihr Vermächtnis wie das von Mark [Hamill] und Harrison [Ford]. Es ist schön zu sehen, dass sie sie in den finalen Film aufgenommen haben.
Rey (Daisy Ridley) in Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Ob es nach drei Star Wars-Filmen etwas gibt, von dem Daisy Ridley immer geträumt hat, aber es niemals passiert ist? "Nein, vor allem nicht bei diesem", antwortet sie entschlossen, ehe sie weiter ins Detail geht:

Schlussendlich habe ich sogar viel mehr erlebt, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Aus emotionaler Sicht haben wir die komplette Bandbreite mitgenommen, von Freude über Angst bis hin zu Wut. Und dann musste ich körperlich erstaunlich viele Stunts und Sachen an Drähten machen, wie ich sie niemals zuvor gemacht habe. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erlebt habe.

Bei John Boyega sieht es dagegen anders aus. "Nochmal ein Lichtschwert zu schwingen - das wäre ein Traum gewesen", gesteht er nach kurzem Überlegen. In Episode 7 erhielt er Lukes Lichtschwert von Maz Kanata, ehe es an Rey überging, die damit sowohl gegen als auch mit dem mal bösen, mal guten, aber hauptsächlich innerlich zerrissenen Kylo Ren kämpfte.

Finn wird in Episode 9 folglich kein Lichtschwert mehr in Händen halten. Wir dürfen also umso gespannter sein, welche Überraschungen das finale Kapitel bereithält. John Boyega baut auf alle Fälle auf die Liebe der Fans, denn sie ist es, die Star Wars auch nach dem Ende der Skywalker-Saga in die Zukunft tragen wird.

Es ist definitiv die Liebe der Fans. Die Fans haben gewissermaßen die Verantwortung, das Franchise so sehr zu lieben. So wird es zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. Und Star Wars ist auch ein Teil unserer Kultur. Die Menschen hatten bisher so viele verschiedene Möglichkeiten, Star Wars zu erleben. Ehrlich gesagt glaube ich, es wird für immer existieren.

Die Interviews mit Daisy Ridley und John Boyega wurde zur Leserlichkeit gekürzt, verdichtet und zusammengeführt. Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers startet am 18. Dezember 2019 in den deutschen Kinos.

Was erwartet ihr vom Abschluss der Skywalker-Saga?

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