Spider-Man im MCU: Far From Home überragt sogar seine Vorgänger

Spider-Man: Far From Home
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Spider-Man: Far From Home
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Achtung, massive Spoiler zu Spider-Man: Far From Home: Mit Spideys zweitem Solo-Abenteuer im Marvel Cinematic Universe gipfelt die Infinity-Saga in ihrem finalem Crescendo. In Spider-Man: Far From Home rückt der Film abseits der ermüdenden CGI-Gewitter Peter Parkers (Tom Holland) menschliche Seite in den Mittelpunkt. Genau die richtige Entscheidung, war Spider-Man doch stets Marvels nahbarster Held.

Spider-Man: Far From Home erzählt eine liebenswürdige Geschichte

Spider-Man war schon immer mein Lieblings-Superheld, weshalb ich mich immer sehr darüber freue, wenn ich ihn auf einem neuen Abenteuer begleiten darf. Seine Geschichten funktionieren für mich seit jeher immer dann am Besten, wenn Peter Parker sowie sein ewiger Konflikt zwischen seiner Verantwortung als Spider-Man und seinem Wunsch nach einem möglichst normalen Leben im Mittelpunkt des Erzählten stehen.

Zum Glück entschlossen sich die Verantwortlichen hinter Far From Home ebenfalls dazu, wie bereits beim Vorgänger Spider-Man: Homecoming, dieses ewige innere Dilemma Peters in den Vordergrund zu rücken. Somit erzählt Spideys zweiter MCU-Solofilm in seinem Kern eine liebenswürdige, berührende und vor allem menschliche Geschichte, die perfekt zur freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft passt.

Unser inzwischen 16 Jahre alter Held muss dabei erneut zwischen zwei Welten wandeln und versucht, beiden gerecht zu werden. Einerseits wünscht er sich, Spaß mit seinen Freunden zu haben, und möchte MJ endlich seine Gefühle gestehen. Andererseits wird Peter ebenfalls von der Frage gequält, ob er dem überlebensgroßen Erbe Tonys (Robert Downey Jr.) sowie der damit einhergehenden Verantwortung gerecht werden kann.

"Ich will, dass du besser bist." - Tony zu Peter in Homecoming

Unser noch junger Spider-Man will seinen Ersatzvater sowie die Erwartungen, die er in ihn gesetzt hatte, nicht enttäuschen und schließt sich deshalb - äußerst widerwillig - Nick Furys (Samuel L. Jackson) und Mysterios (Jake Gyllenhaal) Kampf gegen die Elementals an. Dabei muss er sein Privatleben, speziell seine Freunde sowie seinen Plan mit MJ, immer wieder hintenanstellen.

Mysterio spürt indes Peters inneren Konflikt und macht sich diesen zunutze. Er manipuliert Peter, stürzt ihn von einer alptraumhaften Vision in die nächste, lässt ihn dabei zusehen, wie seine große Liebe vor seinen Augen stirbt und er selbst zu seinem größten Feind wird. Mit Mysterio wurde für Far From Home der perfekte Gegenspieler für Spidey gefunden, der unseren Helden an sich selbst und an seiner Realität (ver-)zweifeln lässt.

Diese existentiellen wie persönlichen Ängste sind es, die stets im Zentrum meiner liebsten Spider-Man-Geschichten standen. Was ich schon immer an Peter so wundervoll fand, ist, dass er eben kein perfekter Superheld ist, kein Superman, sondern jemand wie ich. Er macht Fehler, darf diese auch machen, nutzt diese als Leitbild für seine Zukunft, muss aus ihnen jedoch wegen seiner Verantwortung schneller lernen als seine Freunde.

Spider-Man: Stan Lees "schrecklichste Idee"

Gerade die privaten Probleme von Peter sind es, die vermutlich jeder von uns, unabhängig von seinem Alter, nachvollziehen kann. Wie unser junger Protagonist hatte vermutlich jeder von uns schon Angst, seinem Schwarm die eigenen Gefühle zu gestehen, oder Schwierigkeiten dabei, den Erwartungen seines Umfeldes gerecht zu werden.

All dies macht Spider-Man zum vielleicht menschlichsten Superhelden, wobei wir uns bei dem vergangenes Jahr verstorbenen Stan Lee dafür bedanken müssen, an seiner vermeintlich "schrecklichste[n] Idee" festgehalten zu haben. Als solche bezeichnete einst Lees Verleger die Idee für Spider-Man, da niemand einen Teenager mit jeder Menge alltäglicher Probleme als Superhelden haben wolle, wie Lee in einem Interview verriet.

Mit seinem überaus menschlichen Superhelden traf Lee jedoch einen Nerv. Auf Spider-Man während eines Interviews angesprochen sagte er, er sei besonders auf die Fehler seines Helden stolz, da er am meisten wie er sei. "Er ist derjenige, der am meisten wie ich ist - nichts geht immer hundertprozentig gut aus; er hat viele Probleme, und er macht Fehler, und das kann ich nachempfinden."

Spider-Man: Far From Home verkörpert die Quintessenz des Wandkrabblers

Mit Spider-Man: A New Universe lieferte Sony vergangenes Jahr wohl nichts Geringeres als den bisher besten Spider-Man-Film ab, traf er doch die Quintessenz des Charakters sowie einen Grundgedanken seines Schöpfers auf den Kopf: Jeder von uns könnte Spider-Man sein, jeder von uns könnte unter dieser ikonischen Maske stecken und ja, vielleicht stimmt das sogar, vielleicht tun wir das.

Spider-Man: Far From Home muss in dieser Hinsicht jedoch keineswegs hinter seinem Oscar-prämierten Quasi-Vorgänger zurückstecken, denn was A New Universe für das Vermächtnis Spider-Mans hervorragend trifft, vollbringt Far From Home ebenfalls für den Original-Spinnenmann Peter Parker. Der Film schafft es, die Quintessenz dieses Charakters perfekt einzufangen und überragt darin sogar seine Vorgänger.

Als Spider-Man lebt Peter seinen Traum, ist kurzzeitig losgelöst von seinen alltäglichen Problemen und rettet, solo oder als Teil eines Teams, den Tag. Für sein Privatleben ist dieses Dasein jedoch eine Bürde, muss er doch jene immer wieder enttäuschen und von sich wegstoßen, die er liebt, um sie zu beschützen. Wie jeder von uns versucht er, die beste Version von sich zu sein, die er sein kann, und dies ist gewiss nicht einfach.

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