Nach Oscar-Erfolg: Troja ist kein Schandfleck in Brad Pitts Karriere

Brad Pitt in Troja
© Warner Bros.
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Obwohl Parasite am Ende des Abends als großer Gewinner von der Bühne ging, konnte auch Brad Pitt bei der diesjährigen Oscar-Verleihung einen langersehnten Sieg feiern. Schon mehrmals war er für seine Schauspielleistungen nominiert. Gewonnen hat er den Goldjungen bisher aber nur als Produzent. Dank Once Upon a Time in Hollywood darf er sich nun den Oscar als Bester Nebendarsteller ins Regal stellen.

Nach Oscar-Erfolg: Oscar-Gewinner Brad Pitt muss sich nicht für Troja schämen

Diese Oscar-Auszeichnung markiert den Höhepunkt für eine Art Mini-Comeback, das Brad Pitt im vergangenen Jahr erlebte. Zwar ist es nicht so, dass der Schauspieler jemals aus dem Kino verschwunden war. Durch seine Beteiligung am neuen Tarantino sowie seiner herausragenden Leistung in Ad Astra - Zu den Sternen wurde Brad Pitt aber tatsächlich wieder als Leading Man in Hollywood entdeckt.

In diesem Rahmen gab Brad Pitt im vergangenen Jahr ein ausführliches Interview mit der New York Times, in dem er auf seine Karriere zurückblickte und besonders einen Film identifizierte, der ihm ein Dorn im Auge ist. In Troja von Wolfgang Petersen war er nur zu sehen, weil er zuvor aus einem anderen Projekt ausgestiegen war, aber einen Vertrag mit Warner Bros. zu erfüllen hatte. Brad Pitt wird wie folgt zitiert:

Es war nicht schmerzhaft, aber ich habe erkannt, dass die Art und Weise, wie der Film erzählt wurde, nicht so war, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich habe meine eigenen Fehler gemacht.

Weiter erläutert Brad Pitt, dass seine Skepsis gegenüber über Troja nichts mit Wolfgang Petersen zu tun hat, sondern vielmehr auf seine eigenen Fehler abzielt.

Ich konnte nicht aus der Mitte der Einstellung herauskommen. Es hat mich verrückt gemacht. Durch meine Zusammenarbeit mit David Fincher war ich sehr verwöhnt. [...] Irgendwann wurde Troja nur noch diese kommerzielle Sache. Jede Einstellung war wie: 'Hier ist der Held!' Es gab gar keine Geheimnisse mehr.

Diese Erkenntnis hat Brad Pitt zu einem Umdenken angeregt, sodass er sich in den folgenden Jahren auch auf sorgfältig ausgewähltere Projekte fokussierte, wie zum Beispiel Babel, Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford und The Tree of Life, von seiner Tätigkeit als Produzent mit Plan B Entertainment ganz zu schweigen.

In Troja wird Brad Pitt zum unsterblichen Helden

Schlussendlich existiert aber kein Grund, warum sich Brad Pitt für seine Leistung in Troja schämen sollte. Die Kamera kann seinen Achilles nicht oft genug zum Zentrum des Geschehens erklären. Das ist ein großer Reiz des Films, immerhin reden wir hier von einem nahezu unverwundbaren Helden der griechischen Mythologie.

Was Wolfgang Petersen dabei ganz richtig verstanden hat, ist, sich dieser Mythologie in all ihren fantastischen Motiven und Bildern hinzugeben. Sein Troja muss sich nicht hinter der düsteren Fassaden und den extrem stilisierten Zeitlupen verstecken, mit denen Zack Snyder zwei Jahre später sein polarisierendes Schlachtenepos 300 auf die Leinwand bannte.

Troja umarmt die Ilias mit all ihren ausufernden Emotionen, verzweifelten Taten und der Sehnsucht nach tragischen Helden. Ein Film, der keine Grenzen kennt und einen geradezu überschüttet mit Aufnahmen von Soldaten, die zum Kampf auflaufen, sodass man sie irgendwann satt hat. Es ist trotzdem unmöglich, seinen Blick von diesem Spektakel abzuwenden.

Eigentlich bräuchte Troja keinen einzigen Superstar, da die von Homer beschriebenen Figuren und Konflikte viel größer sind als jeder Schauspieler. Dennoch gibt es keinen anderen Film, in dem Brad Pitt mit seiner komplett entfesselten Star-Power so strahlte wie in diesem. Entgegen der Kommerzialisierung, die Pitt im zitierten Interview beschreibt, herrscht hier auch etwas unglaublich Rohes.

Troja als perfektes Ventil für Brad Pitts entfesselte Star-Power

Wolfgang Petersen fängt diese geballte Star-Power ein, wenn er Brad Pitt wie einen jungen Gott durch die Schlachten schickt und sämtliche seiner Bewegungen verfolgt, sodass sie einen Bildhauer in jedem Moment zu einer jener Statuen inspirieren, die selbst Jahrhunderte später die Menschen mit ihrer Strahlkraft in den Bann ziehen.

Überlebensgroß wirkt Brad Pitt durch die Makellosigkeit seines Heroen. Gleichzeitig erzählt Troja vom Schweiß des Kriegers und seiner Einsamkeit - am eindrücklichsten, wenn er sich vor den Toren der Stadt, die es zu erobern gilt, die Seele aus dem Leib schreit. Gefährlich und aggressiv wirkt er im Close-up, doch die Totale lässt ihn in Anbetracht der Stadtmauern unbedeutend und klein wirken.

Troja erweist sich dabei vor allem als Film, der über die Heldengeschichte mit der Frage nach dem Vermächtnis nachdenkt. Achilles selbst hat die Entscheidung in der Hand: Entweder geht er in die Geschichtsbücher ein und stirbt oder er verzichtet auf den Ruhm und lebt dafür ein bescheidendes, unauffälliges Leben, das höchstens als Randnotiz in einer späteren Erzählung auftaucht.

Wenn wir Troja als Spiegel von und Wendepunkt in Brad Pitts Karriere betrachten, dann entscheidet sich der Schauspieler gegen das Schicksal, das seine Figur im Film wählt. Während Achilles schnell auf der größtmöglichen Bühne seinen Ruhm, aber auch seinen Untergang gefunden hat, verlagerte Brad Pitt mit Ausnahme von World War Z seinen Fokus in den nachfolgenden Jahren gerade auf die kleineren Produktionen.

Ohne Troja hätte es aber auch nie den Brad Pitt gegeben, der jetzt in Once Upon a Time in Hollywood - beinahe wortwörtlich - auf das Dach der Traumfabrik steigen kann, um die Antenne zu reparieren, derweil die Narben auf seinem Körper eine Heldengeschichte erzählen. Dieser Held aber ist nicht zu früh gepeakt, sondern bleibt uns hoffentlich noch sehr lange Zeit erhalten.

Troja mit Brad Pitt in der Hauptrolle läuft heute Abend um 20:15 Uhr auf Kabel eins.

Wie hat euch Brad Pitt als Achilles damals in Troja gefallen?

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