Katastrophales X-Men-Finale: Warum Dark Phoenix gescheitert ist

X-Men: Dark Phoenix
© 20th Century Fox
X-Men: Dark Phoenix
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Dark Phoenix legte am Wochenende den schlechtesten Kinostart eines X-Men-Films hin. Nur 33 Millionen Dollar konnte der Film in den USA einnehmen, weltweit kommen 103 Millionen Dollar dazu. Ein fraglos enttäuschender Start für den 200 Millionen Dollar teuren Blockbuster, der eigentlich ein glorreicher Abschluss für die X-Men-Saga hätte werden können. Doch wie ist es so weit gekommen?

Die wichtigsten Beobachtungen zum Schicksal von Dark Phoenix

  • Dark Phoenix sollte der große Abschluss der X-Men-Saga werden, das ständig verschobenene Spin-off New Mutants mit neuer Besetzung außen vor gelassen.
  • Am ersten Wochenende schaffte es der Film in den USA nicht einmal auf Platz 1 der Kino-Charts und spielte weltweit nur 136 Millionen Dollar ein.
  • Verantwortlich für den Flop sind verschiedene Gründe, angefangen bei einer falschen Herangehensweise über eine holprige Produktion bis hin zur Konkurrenz.

Das Einspielergebnis von Dark Phoenix ist eine Katastrophe, das lässt sich nicht schönreden. Nach knapp zwei Dekaden ist das X-Men-Franchise an seinem Tiefpunkt angelangt - und das, obwohl es in den vergangenen Jahren mit einigen mutigen Entscheidungen der drohenden Superhelden-Müdigkeit an den Kinokassen trotzte, etwa mit dem Erfolg der Deadpool-Filme und James Mangolds Logan - The Wolverine.

Die Gründe für das Scheitern von X-Men: Dark Phoenix

X-Men: Apocalypse schnitt vor drei Jahren deutlich schlechter als sein direkter Vorgänger ab, der bis dato erfolgreichste Teil der Hauptreihe, X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Wie aus einem umfangreichen Bericht des Hollywood Reporter hervorgeht haben die Verantwortlichen bei 20th Century Fox aus den mehr als deutlichen Warnsignalen die falschen Schlüsse gezogen.

  • Das Missverständnis von X-Men: Apocalypse: Nachdem der sechste Film der Hauptreihe qualitativ und finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb, wurde die Größenordnung des Superhelden-Blockbusters dafür verantwortlich gemacht. Zu viele Explosionen und CGI-Effekte - das sollte sich in Dark Phoenix ändern. Was Apocalypse jedoch tatsächlich geschadet hat, war die Franchise-Müdigkeit der Zuschauer - und dieser Punkt wurde gar nicht in Angriff genommen.
  • Die X-Men verloren in der Wiederholungsschleife: Wenn ein Franchise über 20 Jahren die Kinos dominieren will, muss es sich neu erfinden. Fast & Furious ist dafür ein perfektes Beispiel - im Grunde hat es aber auch die X-Men-Reihe schon mehrmals (!) geschafft, für frischen Wind zu sorgen. Im Fall von Dark Phoenix ist davon jedoch keine Spur zu entdecken: Die Dark Phoenix-Saga wurde schließlich schon in X-Men: Der letzte Widerstand verfilmt.

Die Übernahme von Fox durch Disney sorgt für Chaos

Ebenfalls problematisch für Dark Phoenix gestaltete sich der Umstand, dass Disney im Begriff war, Fox zu kaufen. Während der Deal inzwischen abgeschlossen ist, sorgte das bei der Konzeption der Marketingkampagne von Dark Phoenix für viele Unsicherheiten.

  • Die Übernahme von Fox durch Disney: Während der Produktion von Dark Phoenix herrschte bei Fox offenbar große Unsicherheit, ob es sich nun um den finalen X-Men-Film handelt oder nicht. Wie ein episches Finale fühlt sich Dark Phoenix zumindest nicht an, was wiederum auf die unglücklichen Lehren aus Apocalypse zurückzuführen ist. "Das Film ging einfach verloren", zitiert THR eine seiner Quellen, die dem unschlüssigen Marketing eine Teilschuld zuspricht.

Genauso wie bei New Mutants wurde auch Dark Phoenix von einer anstregenden Produktionsgeschichte geplagt, die sich von aufwendigen Nachdrehs bis hin zu mehrmaligen Startterminverschiebungen erstreckt. Deadline ergänzt zudem, dass Dark Phoenix zuerst in zwei Filmen erzählt werden sollte.

  • Langwierige Dreharbeiten und Nachdrehs: Dark Phoenix wurde von Juni bis Oktober 2017 gedreht. Später folgten zwei Wochen an Nachdrehs für die Hauptaufnahmen sowie drei Wochen mit der Second Unit, die gleichzeitig stattfanden. An sich muss das nichts Schlechtes bedeuten, schließlich werden Nachdrehs bei Blockbustern dieser Größenordnung fest eingeplant. Im Fall von X-Men: Erste Entscheidung konnte der Film nur so überhaupt fertiggestellt werden.
  • Verfügbarkeit der Schauspieler für die Nachdrehs: Da zum Cast von Dark Phoenix gefragte Schauspieler wie Jennifer Lawrence, James McAvoy, Michael Fassbender, Nicholas Hoult, Sophie Turner und Jessica Chastain gehören, konnten die Nachdrehs erst 2018 durchgeführt werden, was die ganze Sache nicht einfacher machte, zumal das Drehbuch aufgrund der Ähnlichkeit zu anderen MCU-Filmen wie Captain Marvel umgeschrieben werden musste.
  • Mehrmalige Verschiebung des Starttermins: Ursprünglich sollte Dark Phoenix am 02.11.2018 in den Kinos starten, wurde aufgrund der Nachdrehs jedoch auf den 14.02.2019 datiert. Diesen Platz begehrte allerdings auch James Cameron, der Angst hatte, dass sich Alita: Battle Angel nicht gegen die Konkurrenz im Dezember 2018 durchsetzen kann. Also wurde Dark Phoenix erneut verschoben, sodass er nun am 03.06.2019 in den USA startete - mit den oben genannten Konsequenzen.

X-Men: Dark Phoenix als Sommer-Blockbuster, der keiner ist

Mit Mühe und Not ins Kino geschleppt, entpuppt sich Dark Phoenix als Superheldenfilm, der sich nun aufgrund des Apocalypse-Missverständnisses als gigantischer Sommer-Blockbuster behaupten muss, während die (Marvel-)Konkurrenz so stark ist wie nie.

  • Dark Phoenix ist kein Sommer-Blockbuster: Mit dem Februar-Start im Blick wurde Dark Phoenix im Zuge der Nachdrehs nicht als Sommer-Blockbuster konzipiert und wirkt daher jetzt mit einem Blick auf die Konkurrenz erst recht fehl am Platz in den Kinos. Wie aus dem THR-Bericht hervorgeht, würden die Zuschauer selbst fünf Wochen nach dem Start von Avengers 4: Endgame lieber das MCU-Spektakel statt Dark Phoenix anschauen.
  • Weder den Kritikern noch dem Publikum gefällt Dark Phoenix: Der letzte Punkt in der langen Liste an Niederlagen ist das negative Feedback, das Dark Phoenix erhalten hat, sobald das Embargo gelüftet wurde. Bei dem Kritiken-Aggregator Rotten Tomatoes steht der Film aktuell bei 22 Prozent, auf Metacritic sind es 43 Prozent. Der Cinemascore, der in den USA aus der Rückmeldung von Zuschauern entsteht, fällt mit einem B- ähnlich vernichtend aus, vor allem für die Mundpropaganda.

Das Scheitern von Dark Phoenix an seinem ersten Wochenende setzt sich folglich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Erste Box Office-Analysen zufolge könnte der Film für Fox bis zu 100 Millionen Dollar Verlust bedeuten, wobei an dieser Stelle angemerkt sei, dass etwa die Zahlen des chinesischen Marktes noch fehlen, der einen solchen Blockbuster durchaus auffangen kann.

Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass es Dark Phoenix in den kommenden Wochen schwer haben wird, sich an den Kinokassen zu behaupten. Der schlechte Cinemascore schließt einen langfristigen Erfolg geradezu aus. Zudem stehen mit Men in Black: International und A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando bereits die nächsten Sommer-Blockbuster in den Startlöchern.

Habt ihr X-Men: Dark Phoenix bereits im Kino gesehen?

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