Joker: Jared Letos Wut auf den DC-Erfolg ist absolut verständlich

Joaquin Phoenix und Jared Leto als Joker
© Warner Bros.
Joaquin Phoenix und Jared Leto als Joker
Moviepilot Team
MrDepad Patrick Reinbott
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.

Im Bericht des Hollywood Reporter über die Wut von Jared Leto auf den neuen Joker-Film sticht ein Satz besonders hervor. Am Ende des ersten Absatzes schreibt der Autor davon, dass der Joker-Darsteller aus Suicide Squad so frustriert über den Film von Todd Phillips gewesen sein soll, dass er versucht hätte, "den Joker-Rivalen schon in der Wiege zu ersticken".

Ein extremer Vergleich, der trotz vergleichsweise zahmer angeblicher Methoden von Leto daran erinnert, wie unglücklich die kurze Karriere des Schauspielers im DCEU verlaufen ist. Ein Rückblick auf den Umgang mit ihm bringt durchaus Verständnis dafür, woher diese große Wut von Leto kommt.

  • Jared Leto ist zum Buhmann vom Set der Suicide Squad-Dreharbeitern erklärt worden.
  • Sein Joker-Auftritt in dem DC-Film fiel der chaotischen Postproduktion zum Opfer.
  • Aufgrund einer neuen Strategie ließ Warner Bros. den Schauspieler kurzerhand fallen.

Jared Leto wurde als Joker zum schwarzen Schaf des Suicide Squad-Casts

Den Joker zu spielen bedeutet, in große Fußstapfen zu treten. Neben der Verkörperung des Comic-Schurken durch Jack Nicholson in Tim Burtons Batman hat vor allem Heath Ledgers unvergleichlich-intensive Joker-Darstellung in Christopher Nolans The Dark Knight Maßstäbe gesetzt.

Jared Leto ist den meisten Zuschauern, die ihn als Joker in Suicide Squad gesehen haben, aber größtenteils wohl nur noch durch die Hintergrundberichte über sein ausuferndes Method Acting in Erinnerung. Die überschaubare Anzahl an Szenen mit ihm als Punk-Gangster-Interpretation des Jokers steht kaum in einem Verhältnis mit den skurrilen Erzählungen, denen zufolge Leto seine Schauspielkollegen am Set regelrecht terrorisiert haben soll.

In Form sogenannter Geschenke verschickte Leto an Cast-Mitglieder wie Will Smith und Margot Robbie Briefe, lebende Ratten oder auch ein totes Schwein. Ein drastisches Verhalten, mit dem er sich am Set offenbar stark unbeliebt gemacht hat. Leto selbst rechtfertigte sich in späteren Interviews für sein Verhalten und sprach davon, dass die meisten Berichte im Netz falsche Tatsachen darstellen würden.

Seiner Aussage nach waren alle über die "Geschenke" begeistert. Die Aktion sei von Anfang an als Scherz aus der Sicht des Jokers geplant gewesen und soll am Set für Gelächter und gute Stimmung gesorgt haben. Für seine vermeintlichen Späße musste der Joker-Darsteller im Nachhinein dann trotzdem umso stärker büßen.

Jared Letos ungewollt kurzes Joker-Gastspiel

Warum Jared Letos Joker-Rolle in Suicide Squad so kurz ausgefallen ist, werden wir womöglich nie ganz erfahren. Vermutlich ist der Darsteller mit am stärksten von der verheerenden Postproduktion des DC-Blockbusters betroffen gewesen. Mehrere Nachdrehs und eine Vielzahl an Cuttern sorgten dafür, dass Suicide Squad am Ende durch den Konflikt zwischen verschiedenen Interessen zwar finanziell erfolgreich wurde, aber ein kreatives Desaster war.

Jared Leto behauptete im Nachhinein, er hätte weitaus mehr Szenen als Joker für den Film gedreht. Bei der veröffentlichten Schnittfassung sei er über seinen kurzen Auftritt selbst verwundert und verärgert gewesen. Auch der fürs Heimkino veröffentlichte Extended Cut mit erweiterten Szenen zwischen Joker und Harley Quinn beleuchtet das komplizierte wie gestörte Verhältnis zwischen dem Psychopathen und seiner kaum weniger wahnsinnigen Geliebten nur in groben Ansätzen.

Für den Joker selbst war im Vorfeld offenbar auch eine größere Rolle in Suicide Squad vorgesehen gewesen. Regisseur David Ayer zeigte sich in einem Tweet Anfang 2017 traurig über die Tatsache, dass er einige Dinge gerne für den Film verändert und den Joker am liebsten zum Hauptantagonisten der Geschichte gemacht hätte.

Kürzliche Berichte darüber, dass Ayer selbst unzufrieden über die Leistung von Leto als Joker gewesen sei und deshalb viele Szenen mit dem Schauspieler rausschneiden ließ, widerlegte der Regisseur ebenfalls mit einem Tweet:

Falsche Versprechen für Suicide Squad-Star Jared Leto

Nach dem Suicide Squad-Fiasko konnte sich Jared Leto trotzdem noch Hoffnungen auf eine Zukunft als Joker machen. Da Margot Robbie in ihrer Rolle als Harley Quinn schnell zum Fanliebling des DC-Films aufstieg, kündigte das Studio Warner Bros. einen weiteren gemeinsamen Film mit ihr und dem Joker aus dem Suicide Squad-Universum an. Robbie und Leto waren weiterhin für die Hauptrollen vorgesehen.

Anfang 2019 sorgten dann unbestätigte Meldungen für Aufruhr, denen zufolge Leto nie wieder den Joker spielen und das Studio sämtliche geplante Projekte mit ihm wieder eingestellt haben soll. Schon Ende 2017 äußerte sich der Schauspieler verwirrt über den damals schon geplanten Joker-Film, für den schließlich Joaquin Phoenix neu besetzt wurde.

Der kommende Harley Quinn-Film Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn wird ebenfalls keinen Auftritt des Jokers enthalten. Auch James Gunn, der momentan mit der Produktion von The Suicide Squad beschäftigt ist, radierte den Batman-Bösewicht mit einer beinahe beiläufigen Aussage aus seiner Fortsetzung.

Letztendlich ist Jared Leto den aktuellen Plänen von Warner Bros. zum Opfer gefallen. Das Studio will sein künstlerisch wie kommerziell stark durchwachsenes DCEU einer deutlichen Neuausrichtung unterziehen. Unverwechselbare Handschriften und für sich stehende Einzelfilme fernab eines Cinematic Universe-Gedankens sollen von nun an im Vordergrund stehen.

Für Warner Bros. ist Jared Letos Joker dadurch zu kaum mehr als einer überflüssigen Altlast geworden, der sich das Studio kurzerhand entledigte. Dass der Schauspieler schließlich alle Hebel in Bewegung gesetzt haben soll, um die Produktion des neuen Joker-Films zu verhindern, zeigt das verzweifelte Verhalten eines verwirrten und verletzten Stars, der von einem Franchise geschluckt und wieder ausgespuckt wurde.

Dem neuen Joker ist Jared Leto am Ende also doch näher gekommen als ihm selbst vielleicht lieb ist. Zumindest Empathie hat aber auch er verdient.

Wie steht ihr zur Behandlung von Jared Leto als Joker?

Moviepilot Team
MrDepad Patrick Reinbott
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.
Deine Meinung zum Artikel Joker: Jared Letos Wut auf den DC-Erfolg ist absolut verständlich
Booksmart - Ab 14. November im Kino!Booksmart
0005b75c3ffa4b2da58522ce8b753888