Das Ende von Candyman erklärt – Das ist die wahre Bedeutung der Horror-Legende

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Candyman
30.08.2021 - 17:35 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Der Candyman ist in einem neuen Horror-Schocker zurück, dessen Ende für viel Gesprächsstoff sorgt. Eine Erklärung und Deutung der Geschehnisse sowie des brutalen Finales gibt es hier.

Der Horrorfilm Candyman entfesselt nicht nur Angst vor Bienen und Spiegeln, sondern führt auch die Geschichte des Schockers Candymans Fluch von 1992 fort. Das Drehbuch zum von Nia DaCosta inszenierten Horrorfilm stammt u.a. von Jordan Peele, der mit seinen Filmen Wir und Get Out Kultstatus als prägende Stimme des modernen Horror-Kinos erreichte.

Wie wir es von Jordan Peele gewöhnt sind, verhandelt auch Candyman Themen wie soziale Ungleichheit, Rassismus und verdrängte Traumata durch die Linse des Horrors. Ihr rätselt immer noch über die Bedeutung des Candyman und des Endes? Keine Sorge, wir reichen euch mit unserer Erklärung und Interpretation die (Haken-)Hand.

Achtung, massive Spoiler!

Candyman entschlüsselt: Das bekommst du im folgenden Artikel

  • 1. Erklärung und Deutung des Endes
  • 2. Die Verbindungen zum Original
  • 3. Wahre Bedeutung des Candyman-Mythos & die Thematiken des Films

Wiederbelebung der Horrorlegende: Das passiert am Ende von Candyman

In Candyman folgen wir der Verwandlung des gequälten Künstlers Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II), der im Verlauf des Films nicht nur mit der Legende des Candyman, sondern auch seiner eigenen verdrängten Vergangenheit konfrontiert wird. Er wurde (im ersten Film) als Baby vom Candyman entführt.

Am Ende erfahren wir, dass Anthonys psychische und physische Veränderung Teil eines großen Masterplans ist. Denn der ehemalige Cabrini Green-Bewohner William Burke (Colman Domingo) verfolgt ein perfides Ziel, als er Anthony von der Legende des Candyman erzählt.

Hat der Candyman Trailer schon zu viel verraten?

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Im Jahr 1977 machte William selbst Bekanntschaft mit dieser Legende, als er unwissentlich für den Tod des Mannes Sherman Fields verantwortlich war, der von einem Schwarm von Polizisten totgeprügelt und später zum Rachegeist Candyman wurde.

Nun will William erneut einen Candyman erschaffen, damit das Trauma der Vergangenheit und Gegenwart niemals in Vergessenheit gerät. Vor den Augen von Anthonys Freundin Brianna (Teyonah Parris) verstümmelt er den Künstler. Er hackt ihm die Hand ab und steckt einen Haken in den blutigen Stumpf. Doch bevor der neue Candyman erwacht, kommt es zum blutigen Showdown. Brianna ersticht William und Anthony wird von der angerückten Polizei erschossen.

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Das Original

Nachdem ein Polizist Brianna unter Druck setzt, die wahren Vorgänge zu vertuschen, ruft sie den Rachegeist zur Hilfe und spricht seinen Namen fünf mal aus. Es folgt ein brutales Massaker, das Brianna unbeschadet überlebt. Vor ihr steht der von Bienen umschwirrte Hakenmann, der alle seine Inkarnationen von Anthony bis zurück zum allerersten Candyman, Daniel Robitaille (Tony Todd), in sich vereint.

Brianna wird aus einem bestimmen Grund verschont. Sie soll die Legende des Candyman in die Welt tragen: Erzähle es allen!

Deutung des Finales: Candyman hat ein tragisches Happy End

Auf den ersten Blick scheint das Ende von Candyman recht düster und tragisch. Hauptfigur Anthony verwandelt sich unaufhaltsam in ein Monster. Etwas tiefer geschaut, kann das Finale ebenso als zugegeben sehr makaberes Happy End gelesen werden. Denn die wichtigsten Figuren der Handlung haben all ihre Ziele erreicht:

  • Anthony: Ein Künstler, der möchte, dass alle seinen Namen kennen. Schließlich wird er selbst zu einer schaurigen Legende.
  • William: Er will den Candyman wiederbeleben und zahlt dafür mit seinem Leben.
  • Candyman: Wollte vor knapp 30 Jahren Baby Anthony opfern. Das ist ihm verspätet nun gelungen.

Aber vor allem Brianna ist es, die als zweite Protagonistin des Films eine beachtliche Charakterentwicklung durchmacht. Denn zu Beginn ist sie nicht bereit, ihren Schmerz mit der Welt zu teilen. Zum einen ist da der Suizid ihres Vaters, den sie nie verarbeitet hat und mit dessen Kunstwerken sie nicht konfrontiert werden möchte.

Candyman

Brianna will sich nicht mit ihrem Trauma identifizieren. Am Ende aber erkennt sie die Existenz des Candyman und symbolisch damit das Trauma der Schwarzen Community an. Sie überwindet sich selbst und wird nicht länger schweigen – mehr zu den Thematiken des Films gibt's weiter unten.

Etwas abstrakter gelesen, kann Brianna auch stellvertretend für die Gesellschaft der USA einstehen, die sich ungern mit der eigenen Geschichte und dem Trauma, auf dessem sie erbaut ist, auseinandersetzt.

Anthony, Helen & der erste Candyman: Die Verbindungen zum Original erklärt

Ähnlich wie bei Halloween (2018) handelt es sich bei Candyman um eine späte und direkte Fortsetzung, die die Geschehnisse des beinahe 30 Jahre alten Originals aufgreift. Zum Einen wäre da Helen LyleVirginia Madsen kehrt in Form einer Sprachaufnahme zurück. Sie erforschte in Candymans Fluch die Urbane Legende und starb schließlich in Finale.

Candymans Fluch: Schaut hier den Trailer zum Original

Candyman - Trailer (Englisch)
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Die Ereignisse des Originals wurden über die Jahre zur verfälschten Gruselgeschichte, die sich junge Hipster im gentrifizierten Chicago erzählen. Das Trauma einer schwarzen Community wurde zum Mythos einer weißen psychotischen Frau. Tatsächlich rettete sie aber ein kleines Baby vor dem Tod. Dieses Baby ist Hauptfigur Anthony McCoy, der Sohn von Anne-Marie (Vanessa Williams).

Im Original wurde der Candyman von Tony Todd verkörpert. Erst in den finalen Sekunden des Films offenbart sich der erste und ursprüngliche Candyman Daniel Robitaille. Der Kreis zum ersten Film schließt sich mit seinem Auftritt und dem Tod Anthonys.

Was ist der Candyman eigentlich? Eine kurze Interpretation des Mythos

Lange Zeit scheint es, als würde der neue Candyman-Film die Ursprünge des Kultmonsters umschreiben. Dann aber erfahren wir, dass Candyman mehr als nur der Geist einer Person ist, sondern ein Sinnbild für erlittenes Trauma. Der Candyman ist quasi ein Bienenstock, der von zahlreichen Bienen (rachsüchtigen Seelen) bevölkert wird.

Candyman

Im Verlauf der Zeit sind mehrere Männer Opfer von grausamen und rassistisch motivierten Gewalttaten geworden, die nach ihrem Tod zur Candyman-Legende wurden. "Schmerz wie dieser hält ewig an. Das ist Candyman", erklärt William Burke im Film. Und damit ist die Entität des Candyman treffend beschrieben.

Ähnlich wie das Konzept des Ju-On in der Horrorreihe The Grudge erschafft auch in Candyman eine durch Hass getriebene unvorstellbare Gräueltat einen Rachegeist, der hier stellvertretend für das erlittene Leid der schwarzen Community einsteht.

Fast wie Horrorikone Freddy Krueger kann auch der Candyman nur existieren, wenn die Menschen an ihn glauben und seinen Namen aussprechen. Er ist das personifizierte Trauma der People of Color – hier der Ausgegrenzten und Vertriebenen von Cabrini-Green – das nicht in Vergessenheit geraten darf.

Auffällig ist hierbei, dass der Candyman (bis auf eine Ausnahme) ausschließlich weiße Personen abschlachtet. Schwarze Menschen sterben im Film nur durch die Hand von (gesichtslosen) Polizisten. Damit wird dem Candyman eine andere Bedeutung zuteil als noch im Originalfilm. So wirkt er zum Ende des Filme geradezu wie ein Schutzpatron, der das Leid schwarzer Menschen rächt und Brianna sogar zur Hilfe eilt.

Candyman erklärt: Die Thematiken des sozialkritischen Horrorschockers

Bereits der Film von 1992 verhandelte soziale Ungerechtigkeit und Klassenunterschiede, aber auch die Macht von Geschichten und Legenden, die durch ein kollektives Bewusstsein real werden.

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Candyman spitzt den Kern des Originals nun zu und erweitert ihn um weitere Themen wie systemischen Rassismus, Polizeigewalt und Generationentrauma. Es geht um den fortwährenden Zyklus von Gewalt gegenüber schwarzen Menschen und die Verarbeitung dieses Traumas durch Geschichten.

"Sag seinen Namen" lautet das Motto des Films. Durch ständige, mantraartige Repetition des Candyman-Namens erwacht diese Entität zum Leben. In diesem Punkt ist Candyman schmerzlich relevant und weist Parallelen zur Black Lives Matter-Bewegung und den Protesten der vergangenen Jahre auf.

Die Namen der Opfer von Polizeigewalt werden immer wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerufen, wodurch ihr Leid und ihre Geschichten nicht in Vergessenheit geraten und an Kraft gewinnen.

Im Video: Für Yves ist der neue Candyman enttäuschend

Candyman - Eine weitere Sequel-Enttäuschung!
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Eine weitere Thematik ist der Wohlstand zu Lasten Anderer, der auf einem Fundament des Leids gebaut ist. Dies bildete zuvor schon den Kern von Peeles Horrorfilm Wir. Hier ist es die bewusste Ghettoisierung und schließlich Gentrifizierung, durch die das Leben von vorrangig People of Color fremdgesteuert wird.

Die Protagonisten sind hingegen wohlhabende junge Schwarze, deren sozialem Aufstieg nichts im Wege steht. Sie sind gezeichnet von Ignoranz gegenüber der Geschichte des Ortes, an dem sie leben, und den Ungerechtigkeiten, die hier geschehen sind.

Und so bleibt Co-Autor Jordan Peele am Ende seiner thematischen Linie treu. Er hält auch in Candyman (auf blutrünstige Weise) den Zuschauenden einen sozialkritischen Spiegel vor und schafft Bewusstsein für eine Auseinandersetzung mit unbequemen, aber wichtigen Themen.

Candyman im Podcast Leinwandliebe: Echter Schocker oder Rohrkrepierer?

Podcast-Moderator Sebastian Gerdshikow und die FILMSTARTS-Redakteure Pascal Reis und Tobias Mayer diskutieren in der neuen Folge Leinwandliebe über die Horror-Neuauflage des Candyman.

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Welche Thematiken sind euch in Candyman besonders aufgefallen und wie hat euch der Film gefallen?

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