"Gänsehaut" wegen Ryan Reynolds: Bullet Train-Regisseur David Leitch über ein Deadpool-Spinoff und emotionale Action-Drehs

© Sony/20th Century Fox
Brad Pitt in Bullet Train
05.08.2022 - 11:05 UhrVor 6 Tagen aktualisiert
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Nach Deadpool 2 liefert David Leitch mit Bullet Train sein nächstes Action-Spektakel ab. Wir haben mit dem Regisseur über besondere Dreh-Momente und sein Marvel-Wunschprojekt gesprochen.

Einer der unterhaltsamsten und ungewöhnlichsten Action-Filme des Jahres wäre ohne Fight Club nicht möglich gewesen. Wahrscheinlich. Denn beim Dreh zu dem Kultklassiker lernten sich David Leitch, damals noch Stuntman, und Brad Pitt, damals schon Hollywood-Star, kennen und lieben. Seitdem hat sich Leitch vom Stunt-Koordinator und Second Unit Director (u.a. The First Avenger: Civil War) zum Vollzeit-Regisseur hochgearbeitet – und mit Filmen wie Deadpool 2 bewiesen, dass Witz, Action und Emotionalität Hand in Hand gehen können.

Sein neuester Film Bullet Train beantwortet nun die Frage, was passiert, wenn man mehrere Auftragskiller in einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug einsperrt – und vereint Brad Pitts Comedy-Talent mit David Leitchs Gespür für maximal stylisch inszenierte Action. Wir haben uns mit dem Regisseur und seiner Ehefrau und Produzentin Kelly McCormick in Berlin getroffen, um über emotionale Deadpool-Momente, die Arbeit mit einigen der größten Action-Stars unserer Zeit und Marvel-Projekte zu sprechen, die sich Leitch trotz MCU-Zwang vorstellen könnte.

Action-Filme sind eine sehr emotionale Erfahrung für den Bullet Train-Regisseur

Bullet Train - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Moviepilot: Glaubst du, dass deine Erfahrung als Stuntman und -koordinator beeinflusst, wie du Filme machst?

David Leitch: Absolut. Action-Szenen sind so tief in meiner DNA verwurzelt, dass ich sie nicht losgelöst vom Rest des Films sehe. Ein paar andere Filmschaffende sind eher froh, wenn sie mit dem Teil durch sind und sich endlich mit den dramatischen Szenen beschäftigen können. Da stellt man jemanden wie mich als Second Unit Director an, um die Action-Szene für den Regisseur zu drehen. Viele verstehen nicht, dass das beste Melodrama eigentlich in Action-Szenen passiert. Du wirfst einen Charakter in eine Szene, in der es um Leben oder Tod geht und durch ihre Reaktion darauf kannst du sie auf eine Art und Weise erzählen, wie du es nicht mit reinem Dialog kannst.

In deinen Filmen schwingt immer eine gewisse Coolness mit. War dir das schon immer wichtig oder ist das irgendwann einfach passiert?

David Leitch: Für einige unserer Filme, wie Atomic Blonde oder jetzt Bullet Train, haben wir eine Regel, die wir auch im Büro aufhängen: “Cool overrides everything” [“Cool sein ist wichtiger als alles andere”] Da war es uns wirklich wichtig, dass die Bilder cool aussehen und es coole Momente gibt, weil das einfach zur Erzählung passt und dem Tonfall, den wir uns für die Filme vorgestellt haben. Das war auch bei den Kämpfen so. Ich habe mir Kamerawinkel ausgesucht, weil sie cool aussahen oder weil man den Schauspieler mal ganz anders gesehen hat. Wir wollten bewusst etwas Stilisiertes machen.

Kelly McCormick: Teil der Coolness ist natürlich auch der Soundtrack. Die Art und Weise, wie die Musik dich mitreißt, alle Gefühle auf einmal fühlen lässt und gleichzeitig auf den Rest des Looks einzahlt. Das hat schon fast etwas Profundes für mich.

Absolut. Als ich Deadpool 2 gesehen habe, habe ich geweint, gelacht und geschrien – und das hatte definitiv auch mit der Musik zu tun.

Kelly McCormick: Jetzt fängt er gleich an zu weinen.

David Leitch: Ich habe gerade wirklich Tränen in den Augen. Das ist genau das, was wir wollen. Es macht mich so froh, dass du das jetzt gesagt hast. Wir machen diese großen, kommerziellen Filme und die Leute fragen immer nur nach den Action-Szenen. Dabei machen wir auch wirklich berührende Sachen. Die Szene mit Firefist (Julian Dennison) und Deadpool ist so emotional für mich. Wenn ich nur darüber nachdenke, wie er dieses Kind rettet, kriege ich Gänsehaut. Auch in Bullet Train. Wenn Lemon und Tangerine sich gegenseitig finden, weinen die Leute. Natürlich auch wegen der starken Performance von Aaron Taylor-Johnson.

Von Keanu Reeves über Ryan Reynolds bis Brad Pitt: Jeder Action-Star ist beim Dreh anders

Regisseur David Leitch und Produzentin Kelly McCormick in Berlin

Du hast schon viele verschiedene Action-Projekte gemacht. John Wick mit Keanu Reeves, Deadpool 2 mit Ryan Reynolds, Atomic Blonde mit Charlize Theron, jetzt Bullet Train mit Brad Pitt. Was unterscheidet die vier als Action-Stars?

David Leitch: Sie haben auf jeden Fall unterschiedliche Herangehensweisen. Keanu vertieft sich komplett ins Training und taucht in die Körperlichkeit seines Charakters ein. Ich glaube, deswegen ist er auch so erfolgreich mit dem John Wick-Franchise. Er macht einfach gerne drei, vier Monate Jiu-Jitsu und lernt die ganzen Choreografien. Ryan liebt die Skript-Phase. Den Charakter umzuarbeiten, den Humor in allem zu finden aber auch das Emotionale. Charlize ist eine Mischung aus Beiden.

Und dann kommt Brad rein und erschafft diese ikonischen Charaktere, indem er ganz genau weiß, wie dieser Typ sein muss, damit er das Thema des Films stützt. Manche Regisseure sind vielleicht eingeschüchtert vom speziellen Arbeitsprozess eines Schauspielers, aber ich sehe das einfach als zusätzliche kreative Bereicherung.

Kelly McCormick: Ich glaube, manche Regisseure haben da einfach eine andere Herangehensweise. Du glaubst eben wirklich daran, dass Zusammenarbeit der beste Weg ist, einen Film zu machen. David zwingt seine Vision niemandem auf, deswegen wächst und verändert sich alles auch ständig. Das macht die Filmproduktion sehr aufregend, für mich als Produzentin aber auch manchmal schwierig.

David Leitch: Ich verstehe, dass das sehr nervenaufreibend für dich ist.

Kelly McCormick: Ich bin ja schon daran gewöhnt. Aber manche denken sich dann eben: "Wir haben das doch alles ganz anders geplant?" Bei Fast & Furious: Hobbs & Shaw zum Beispiel haben wir den zweiten Akt komplett verändert. Es gibt diesen Teil, der in Tschernobyl spielt. Der sollte eigentlich das Ende sein. Vier Wochen vor Drehstart sagt David: "Jetzt mal ehrlich, wer will, dass ein Film in Tschernobyl endet? Wir gehen nach Hawaii!" Viele Filmschaffende ändern vier Wochen vor Drehstart nichts mehr, die bleiben beim Plan.

David Leitch ist offen für neue Marvel-Projekte – egal ob Ghost Rider oder ein Deadpool-Spinoff

Deadpool 2 - Trailer 3 (Deutsch) HD
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Könntet ihr euch vorstellen, in Zukunft nochmal einen Marvel-Superheldenfilm zu drehen?

David Leitch: Wir können uns auf jeden Fall vorstellen, noch einen Superheldenfilm zu machen, aber es müsste eben das richtige Projekt sein. Deadpool 2 war eine unglaubliche Erfahrung. Aber mir ist wichtig, dass wir den Film unter unseren eigenen Bedingungen machen könnten.

Kelly McCormick: Das Tolle an Deadpool war, dass es da diese Freiheit gab. Die kriegen nur wenige, wie Taika [Waititi]. Das ist eher die Ausnahme.

David Leitch: Diese Filme unterliegen bestimmten Regeln und müssen in eine bestimmte Form gebracht werden, um in das gesamte Universum zu passen. Das ist Teil dessen, was sie gut macht, aber …

Kelly McCormick: Von welchem Charakter hat [Ryan] Gosling kürzlich geschwärmt?

David Leitch: Ghost Rider! Wir drehen als nächstes The Fall Guy mit Ryan Gosling und schon die Vorbereitung macht einfach wahnsinnig Spaß mit ihm. Wer weiß, was als nächstes kommt.

Kelly McCormick: Wir könnten einen Vanisher-Film machen.

David Leitch: Ja, mit Brads Figur aus Deadpool 2. Wir könnten ein Spin-off drehen und er müsste nicht mal am Set auftauchen, weil man ihn sowieso nicht sieht. Ich pitche ihm das mal. Wir zahlen ihm seine komplette Gage, aber eigentlich muss er nichts tun, außer ein paar Szenen einzusprechen. Das ist eine fantastische Idee.

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Welchen Marvel-Film würdet ihr gerne von David Leitch sehen?

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