Seit Cyberpunk 2077 kann ich Keanu Reeves leider nicht mehr ernst nehmen

Keanu Reeves als Johnny Silverhand
© CD Projekt Red
Keanu Reeves als Johnny Silverhand
31.05.2021 - 14:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
28
2
Egal ob John Wick 4 oder Matrix, immer wenn ich Keanu Reeves sehe, denke ich an unsichtbare Zigaretten und explodierende Autos. Daran ist Cyberpunk 2077 schuld.

Es ist ein vergleichsweise sonniger Tag in Berlin, zumindest regnet es nicht, als Keanu Reeves sein Hotel verlässt. Er befindet sich in der deutschen Hauptstadt, um John Wick: Kapitel 4 zu drehen, den neuesten Teil des erfolgreichen Action-Franchises, das Fans von süßen Hunden und virtuosen Prügeleien vereint wie kein anderes.

Immer auf seinen Fersen: Die Klatschpresse, die jeden seiner Schritte atemlos kommentiert. Endlich wieder ein richtiger Hollywood-Promi in Deutschland! Wo geht er hin? Warum lächelt er? Und was hat er auf den aktuellsten Fotos  eigentlich in seiner Tupperbox?

Ich hingegen habe nur eine Frage: Wann rast eine futuristische Luxus-Limousine durch Keanu Reeves’ Körper, um anschließend in Flammen aufzugehen? Klingt absurd, hat aber einen einfachen Grund: das Videospiel Cyberpunk 2077.

Was macht Keanu Reeves in Cyberpunk 2077?

Cyberpunk 2077 ist ein Rollenspiel für PC, Playstation 4 und 5, sowie Xbox One und Xbox Series X/S. Man schlüpft in die Haut des selbsterstellten Charakters V und muss sich auf den Straßen des futuristischen Night City unter anderem mit korrupten Mega-Corporations und nicht mehr funktionierenden Cyberpunk-Implantaten herumschlagen. Ich habe über 100 Stunden mit Cyberpunk 2077 verbracht und eine Person ist mir dabei nur selten von der Seite gewichen: Keanu Reeves.

Keanu Reeves spielt einen alternden Rockstar

Der spielt nämlich Johnny Silverhand, den Sänger der legendären Band Samurai. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die ich hier nicht spoilern will, wird seine Persönlichkeit nach seinem Tod auf eine Art Chip übertragen – und der landet schließlich in Vs Kopf. Egal wo wir uns in Night City befinden, der schlechtgelaunte Altrocker Silverhand ist meistens dabei, gibt seinen Senf zu unseren Entscheidungen ab oder starrt einfach nur missmutig rauchend in die Ferne. Ab und an übernimmt Keanu Reeves’ Figur auch unseren Körper und wir erleben die abgefuckte und düstere Welt von Cyberpunk 2077 aus seiner Perspektive.

Dieser Trailer verrät mehr über Keanu Reeves' Johnny Silverhand

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

YouTube Inhalte zulassenMehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Geiles Open World-Spiel mit Cyberpunk-Setting trifft auf geilen Schauspieler mit Cyberpunk-Vergangenheit. Klingt doch super, oder? Nun ja. Alles kam ein bisschen anders.

Cyberpunk 2077 bekam zum Release einen heftigen Shitstorm

Denn wenn es ein Spiel gibt, das in den letzten Jahren einen alles übertreffenden Shitstorm bekommen hat, dann wahrscheinlich Cyberpunk 2077. Erst wurde der langerwartete Titel mehrfach verschoben, und dann war das Endprodukt anders, als es sich viele vorgestellt hatten. Die Einen bemängelten, es seien Entscheidungsmöglichkeiten und Spielmechaniken versprochen worden, die im fertigen Game fehlten. Andere hatten auf ein The Witcher 3: The Wild Hunt gehofft, nur mit Neonlichtern und Schusswaffen. Den Meisten hätte wahrscheinlich schon ein Spiel gereicht, das einfach nur funktioniert.

Ich persönlich mag Cyberpunk 2077. Ich habe fast alle möglichen Enden durchgespielt und mehr als einmal Tränen in den Augen gehabt. Mal waren Keanu Reeves’ Charakter und ich superbeste Freunde, mal hat er mich als widerliche Sellout-Kapitalistin beschimpft. Aber ein Problem hatte auch ich: diese gottverdammten Bugs.

Warum Cyberpunk 2077 mir Keanu Reeves kaputt gemacht hat

Man kann in Cyberpunk2077 sogar Achterbahn mit Keanu Reeves fahren

Wenn Aktionen im Spiel nicht so funktionieren, wie sie sollten, wenn Autos plötzlich explodieren oder frisch geköpfte Gegner plötzlich wieder aufstehen und als vergnügt plaudernde Blutfontäne von dannen schlurfen – dann ist das ein Bug bzw. Glitch. Cyberpunk 2077 hatte zum Release jede Menge davon. Insbesondere auf älteren Konsolen wie der Playstation 4 war das Game nahezu unspielbar, und während ich vergleichsweise wenige Probleme hatte, gab es doch unzählige absurde Szenen, die sich für immer in mein Gehirn eingebrannt haben.

Die vielen Bugs machen Szenen mit Keanu Reeves oft unfreiwillig komisch

Dadurch, dass Keanu Reeves’ Charakter Johnny Silverhand ständig präsent ist, war er ein großer Teil meiner Bug-Erfahrung. Ein Auto fällt vom Himmel? Ziemlich wahrscheinlich, dass es auf Keanu Reeves landet. Das Spiel hat Probleme damit, Objekte anzuzeigen? Ratet, welcher Hollywood-Darsteller angestrengt an einer unsichtbaren Zigarette zieht! Mal hat Johnny gar nicht gesprochen, obwohl sich sein Mund bewegt hat. Mal hat er nicht aufgehört zu quatschen, obwohl mein Charakter gerade eigentlich ein Telefonat geführt hat.

Und bezüglich der Szenen, in denen man den Samurai-Sänger nicht nur angeguckt, sondern selbst gespielt hat: Es gibt nur eine überschaubare Anzahl an Situationen, in denen man mit einer Figur überraschend in einer Wand stecken bleiben kann, bevor man sie nicht mehr ernst nimmt.

Nach 100 Stunden Extremerfahrung sind Johnny Silverhand aus dem Spiel und Keanu Reeves’ als echter, lebendiger Schauspieler untrennbar miteinander verschmolzen. Als ich kürzlich nach Jahren mal wieder Matrix geguckt habe, hatte ich das permanente Gefühl, gleich den Film neustarten zu müssen, weil Neos Gesicht mitten im Satz einfriert. Wenn Kolleg:innen begeistert über News zu John Wick 4 sprechen, denke ich daran, wie Johns Hintern unbeweglich in der Luft schwebt, weil der Stuhl, auf dem er sitzt, einfach verschwunden ist. Oder alle Statisten komplett synchron vor einer Explosion wegrennen, als würden sie sich in einem besonders abgefuckten Musical ohne Gesangsparts befinden.

Es tut mir leid, Keanu Reeves. Wirklich. Aber wenn ich dir auf der Straße begegne und panisch weglaufe, dann liegt es nicht an dir, dann liegt es an Cyberpunk 2077 – und diesen verdammten brennenden Autos.

Podcast-Empfehlung für Fans von Keanu Reeves

In einer Spezial-Folge vom Moviepilot-Podcast Streamgestöber haben wir die Matrix-Trilogie genauer unter die Lupe genommen und uns gefragt: Lohnen sich die Filme auch fast 20 Jahre später noch?

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externe Inhalte zulassenMehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Rund zwei Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen könnt ihr derzeit die komplette Matrix-Trilogie bei Netflix streamen. In Vorfreude auf Matrix 4 erzählen euch Andrea Wöger und Matthias Hopf, warum sich ein Rewatch aller drei Filme lohnt und was es in den umstrittenen Matrix-Fortsetzungen Matrix Reloaded und Matrix Revolutions zu entdecken gibt.

Wie fandet ihr Keanu Reeves in Cyberpunk 2077?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News