The Zero Theorem

Budget und Kunst - Die zwei Seiten der Medaille

The Zero Theorem
© Concorde
The Zero Theorem

Am morgigen Donnerstag startet der neue Film des 12 Monkeys-Regisseurs und Ex-Monty-Python-Mitglieds Terry Gilliam, der Science-Fiction-Film The Zero Theorem in den deutschen Kinos - mit einem kahlgeschorenen Christoph Waltz in der Hauptrolle. Dieser spielt das manische Computergenie Qohen Leth, der in einer dystopischen Zukunft nach dem "Zero Theorem" sucht, jener mathematischen Formel, die endlich die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten soll. In den USA hat der neue Streich Gilliams durchwachsene Kritiken erhalten. So wird bemängelt, dass sich der Wahlbrite in seiner Filmografie sowohl inhaltlich als auch stilistisch zu oft wiederholt und dass auch The Zero Theorem zu sehr früheren Werken seines Oeuvres gleichen soll.

Ebenfalls eine Rolle in der schwierigen Bewertung des Films spielt das geringe Produktionsbudget von nur knapp 10 Millionen Euro, das Gilliam zur Verfügung stand - das geringste Budget des alt-eingesessenen Filmemachers seit den Siebzigerjahren. Dieser Umstand zwang Gilliam dazu, den Film in nur einem Jahr abzudrehen (die meisten seiner Projekte beanspruchten drei Jahre) und mit den wenigen Ressourcen möglichst kreativ und erfinderisch umzugehen, was sich im Endprodukt äußerst ambivalent äußert. So schafft der Film in jedem Fall den Gilliam-typischen Look, den wir zwar als anachronistisch bewerten, doch Freunde der Gilliam'schen Zukunftsvisionen wird mit The Zero Theorem wieder eine skurrile und morbide Welt geboten. Trotzdem werden wir den Eindruck nicht los, dass die Vision Gilliams bzw. des Drehbuchautors Pat Rushin mit einem größeren Budget an den richtigen Stellen einfach besser hätte umgesetzt werden können.

Die Art und Weise, wie sich das Produktionsbudget von Filmen auf den kreativen Prozess selbiger auswirkt, ist ziemlich interessant zu beobachten. Es gibt zahlreiche Filme, die trotz guter Ideen nicht zustande kommen oder aufgrund eines zu niedrigen Budgets komplett in die Hose gehen. Doch ebenso gibt es zahlreiche Beispiele grandioser Low-Budget-Filme, die ihre knappen Ressourcen clever einsetzen und das beste daraus machen - oft mit kreativerem Ausgang als vergleichbarer Filme mit höherem Budget.

Robert Rodriguez produzierte seinen ersten Film, El Mariachi, für unschlagbare 7000 US-Dollar und nahm dafür im Vorfeld medizinische Experimente an sich selbst und minimalste Mittel während der Dreharbeiten in Kauf. Auch wenn der gitarrenspielende Mariachi nach heutigen Standards wohl die wenigsten noch vom Hocker hauen dürfte, so war der Film zu seiner Zeit eine kleine Sensation. Zudem ist er ein perfektes Beispiel, dass einem jungen Filmemacher Talent, Einfallsreichtum und Kreativität ausreichen können.

Von diesen Eigenschaften besaßen auch Sam Raimi und Peter Jackson, die ihre Karrieren im Horror-Genre begannen, so einige. Raimi schuf mit der Tanz der Teufel-Reihe dreckige, kleine Independent-Filme, die heute zu den Klassikern des Horror-Genres zählen und nur so vor Ideen- und Einfallsreichtum strotzen - ein Paradebeispiel für kostengünstig, aber effektiv produzierten Horror. Mit steigenden Geldern und ausufernden Effektgewittern in Filmen wie Die fantastische Welt von Oz sank leider deutlich die inszenatorische Ausgefallenheit und Ideenvielfalt Raimis. Ähnlich so bei Peter Jackson, der seine Karriere mit launischen Splatter-Orgien wie Bad Taste und Braindead begründete und mit der Der Herr der Ringe-Trilogie noch triumphierte, inzwischen aber ebenfalls dem hochbudgetierten und spürbar liebloseren CGI-Wahn in seinen Der Hobbit-Filmen fröhnt. Werke wie Donnie Darko, Primer und District 9 (letzterer interessanterweise unterstützt von Peter Jackson) sind wiederum weitere Beispiele für gelungene Low-Budget-Science-Fiction-Filme, die seit dem Anbruch des neuen Jahrtausends entstanden sind.

Wir kennen aber auch Beispiele von Filmen, deren Macher mit steigenden Budgets scheinbar auch fauler wurden und in Sachen Einfallsreichtum deutlich zu wünschen übrig ließen - eben weil sie nicht mehr darauf angewiesen waren. Ein Beispiel dafür ist Regisseur Ridley Scott mit seinen Filmen Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und Blade Runner. Zwar waren beides keine Low-Budget-Filme im eigentlichen Sinne aber durchaus Projekte mit etwas knapper bemessenen Ressourcen. Heute genießen beide Kultstatus, unter anderem, weil sie einen großen Teil ihrer Faszination daher beziehen, dass sie der Fantasie des Zuschauers Freiraum lassen und eben nicht alles ausformulieren - damit bieten sie insgesamt eine viel intensivere Erfahrung, als zum Beispiel Scotts Prometheus - Dunkle Zeichen, der wiederum ein riesiges Budget im Rücken hatte, dieses aber nicht in allen Belangen sinnvoll einzusetzen wusste.

Wem wir in dieser Hinsicht kaum einen Vorwurf machen können - und damit kommen wir zu Filmen, die mit ihrem hohen Budget tatsächlich umzugehen wussten - ist zum Beispiel Regisseur James Cameron. Terminator war seinerzeit ein rundum gelungener Action-/Science-Fiction-Film mit einem relativ geringen Budget von 6,4 Millionen Dollar, doch Cameron toppte seinen eigenen Film einige Jahre später mit Terminator 2 - Tag der Abrechnung noch einmal - eine klare Steigerung nicht nur im Budget (102 Millionen Dollar), sondern auch in der Qualität, was wir nicht über viele Sequels sagen können. Einige Jahre später schuf Cameron mit Titanic einen Film, der damals spektakuläre 200 Millionen Dollar kostete, eine unfassbar hohe Summe zur Zeit Ende der Neunzigerjahre. Sicherlich sieht der Zuschauer allen drei Filmen ihr Budget an, doch es gibt keine großartigen darstellerischen, inszenatorischen oder Drehbuch-technischen Schwächen, die durch auffälliges Effektgewitter oder andere Spielereien kompensiert werden müssten. Hier wurde alles richtig gemacht und das Budget sinnvoll eingesetzt.

Bei einer Diskussion um das bestmögliche Budget für einen Film kommen wir zu keinem eindeutigen Ergebnis. Es ist allerdings interessant, zu sehen, welche Filmemacher mit welchen Summen wie umgehen. Wir sollten aber im Kopf behalten, dass der Regisseur eines Filmes nicht immer die volle, kreative Entscheidungsgewalt innehat und dass auch Studios und Produzenten ihre Finger im Spiel haben. Doch teilweise sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache. Die Frage, ob The Zero Theorem wegen seinem Drehbuch, unrunder Inszenierung oder zu geringem Budget schwächelt, können wir an dieser Stelle nicht eindeutig beantworten. Wahrscheinlich würde Terry Gilliam eine kleine Finanzspritze bei seinem nächsten Projekt trotzdem ganz gut tun.

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Ex-Unterwäschemodel und 08/15-Pessimist
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