Auf keinen Fall der schlechteste MCU-Film: Eternals übertrifft sogar Avengers: Endgame

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Eternals
07.11.2021 - 10:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Der neue Marvel-Film Eternals ist mit denkbar unvorteilhaften Kritiken gestartet. Dabei stellt er die interessanteste MCU-Erweiterung seit Jahren dar und übertrifft sogar Avengers: Endgame.

Achtung, es folgen Spoiler!

In den vergangenen Tagen ist etwas Ungewöhnliches passiert. Neue Filme aus dem Marvel Cinematic Universe treten in der Regel schon vor ihrem Kinostart einen kleinen Siegeszug dank wohlgesonnener Kritiken an. Der neue Superheldenfilm Eternals wurde hingegen von einem Sturm aus negativen Besprechungen überrannt. Das haben wir in dieser Form in der über 10-jährigen MCU-Geschichte noch nicht erlebt.

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Sowohl bei Rotten Tomatoes als auch bei Metacritic landet Eternals auf dem letzten Platz im MCU-Vergleich. Hierbei handelt es sich um die zwei größten englischsprachigen Seiten, die Filmkritiken sammeln und daraus eine Durchschnittswertung errechnen. Wie aussagekräftig dieser Durchschnitt wirklich ist, wird seit Jahren diskutiert. Dass ein Marvel-Film das Prädikat "verfault" erhält, ist jedoch definitiv eine Auffälligkeit.

Eternals ist der aufregendste MCU-Film seit Jahren

Verdient Chloé Zhaos Blockbuster-Debüt so einen niederschmetternden Empfang? Nein, definitiv nicht. Eternals ist der interessanteste MCU-Film seit einer gefühlten Ewigkeit und eines der wenigen Wagnisse in einem Franchise, dem mitunter zu Recht eine unattraktive Formelhaftigkeit vorgeworfen wird. Entgegen der mutlosen Routine, die nach über 25 MCU-Filmen einsetzen, stellt sich Zhao einen Superheldenfilm voller Neugier vor.

Stimmt euch mit dem finalen Trailer auf Eternals ein:

Eternals - Finaler Trailer (Deutsch) HD
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Die Geschichte führt uns tausende Jahren in der Vergangenheit zurück und erzählt von außerirdischen Wesen, die im Auftrag der gottgleichen Celestials auf die Erde geschickt werden, um die Menschheit vor den böswilligen Deviants zu beschützen. Eben noch reisen wir mit einem monolithischen Raumschiff durch das Universum, da bezeugen wir die Entstehung Babylons und landen schließlich im London der Gegenwart.

Das Ausmaß von Eternals ist gigantisch und stellt selbst die Avengers-Spektakel Infinity War und Endgame in den Schatten, die ihre kosmische Ebene nur behaupten, allerdings nie daran interessiert sind, die unheimliche Größe des MCU wirklich zu erforschen. Eternals ist kein perfekter Film, was ihn aber besonders macht, ist sein Entdeckergeist: Zhao lässt uns eine atemberaubende Schöpfungsgeschichte bezeugen.

Eternals begeistert durch seine emotionale Intelligenz

Mit einer Vielzahl an neuen Figuren und Schauplätzen entsagt Eternals den vertrauten MCU-Bahnen und setzt auf Eigenständigkeit. Mal blicken wir einem Celestial ins Angesicht, der titanisch im Weltraum schwebt, mal rennen wir durch Tempel und Wüsten, ehe der Erdboden aufbricht und sich eine riesige Gestalt aus dem Inneren des Planeten erhebt. Eternals reiht einen überlebensgroßen Moment an den anderen.

Eternals

Für die größte Gänsehaut ist allerdings etwas anderes verantwortlich: die emotionale Intelligenz des Films. Sie ist definitiv auf Zhao als Regisseurin zurückzuführen. Selbst wenn Eternals visuell nicht durchgängig an die atemberaubende Schönheit ihrer vorherigen Filme anschließen kann, zu denen etwa der diesjährige Oscar-Gewinner Nomadland zählt, bleibt sie sich in diesem Punkt treu. Zhao ist jemand, der Figuren sieht und versteht.

Oft sind es nur die Körper und Ideen, die über dem MCU thronen und seine miteinander verknüpften Geschichten lenken. Eternals fragt eindringlich, was Menschlichkeit bedeutet, und führt die Frage so weit, dass die neue Superheld:innen-Gruppe an ihren eigenen Zweifeln zerbricht. Erst Jahrhunderte später findet sie wieder zusammen. Die eigene Existenz wird nicht nur reflektiert – es werden gleich Konsequenzen gezogen.

Eternals ist ein erfrischender und berührender Marvel-Impuls

Konsequenzen sind etwas, das vom MCU zugunsten des eigenen Erhalts am liebsten großräumig umschifft wird. Eternals stellt uns dagegen gleich mehrere Figuren vor, die spannende Entwicklungen durchlaufen, Seiten wechseln und mit den verheerenden Auswirkungen ihres Eingreifens in die Geschichte konfrontiert werden. Chao interessiert sich dabei vor allem für die zerrissenen Seelen dahinter.

Eternals

Jeder Blickwechsel zwischen Gemma Chan und Richard Madden als Sersi und Ikaris birgt unglaubliche Tragik in sich und eine Sinnlichkeit, von der Avengers: Endgame trotz aller ausgestellten Emotionen nur träumen kann. Dazu kommt die Verschlossenheit, die von Angelina Jolie ausgeht, wenn ihre verletzliche Kriegerin die Kontrolle verliert und sich völlig von sich selbst entfremdet durch die Weltgeschichte kämpft.

In Erinnerung bleiben der Schock und die Fassungslosigkeit in den Augen von Brian Tyree Henry, dessen erfinderischer Phastos an den Interpretationen des Fortschritts verzweifelt, sowie das zwielichtige Grübeln, das Barry Keoghan als Druig an den Tag legt. Dafür, dass Eternals auf einen Schlag über zehn Figuren ins MCU einführt, kann der Film erstaunlich viele Akzente setzen, die weit über die Post-Credit-Szene hinaus nachhallen.

In der vierten Phase des MCU, die bisher hauptsächlich mit dem Vergangenen beschäftigt war, strahlt kein Film und auch keine der Serien auf Disney+ so viel Aufbruch aus wie Eternals. Auch wenn Chloé Zhao das MCU nicht komplett umkrempeln kann, hat sie einen Film geschaffen, der dem abgeklärten Franchise etwas Verletzliches entgegenstellt. Und das ist wunderschön.

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