Zum Tod von Luke Perry: Der coolste Junge im Fernsehen

Luke Perry
© The CW/Paramount
Luke Perry
04.03.2019 - 22:15 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Heute ist Luke Perry im Alter von nur 52 Jahren gestorben. Als Dylan in Beverly Hills 90210 spielte er einen der ikonischen TV-Teenies der 90er und als Archies Vater in Riverdale führte er den Rebellen ins Erwachsenenalter.

Luke Perry war zu alt für die Rolle des Dylan in Beverly Hills, 90210 und er war perfekt. Die hohe Stirn mit ihren viel zu tiefen Falten für einen 16-Jährigen versprach Lebenserfahrung, die sonst mit Lederjacken und Tattoos vorgespielt werden muss. Sie versprach Narben. Sie versprach ein gespanntes Zuhören. Sie versprach Seelenverwandtschaft, ob man nun im sonnigen Beverly Hills wohnte oder im regentrüben Osten Thüringens. Acht Jahre älter war Luke Perry als jene Serienfigur, die ihn 1990 schlagartig berühmt machte, und trotzdem konnte er ihr nicht entwachsen. Er lernte damit zu leben und zu spielen. Er wurde mit ihr älter, bis er schließlich in Riverdale selbst zum Vater eines Rebellen wurde. Heute ist Luke Perry, Teenie-Idol der 1990er, gestorben.

Luke Perry in Beverly Hills, 90210 - Ein Rebell der 90er

Die Haare bezeugen die direkte Verwandtschaft. Dylan McKay war der Popkultur-Sohn von James Deans Held aus ... denn sie wissen nicht, was sie tun. Mit der Schmalztolle über dem ernsten Gesicht und den schnittigen Koteletten blickten seine dunklen Augen skeptisch auf die Glitzerwelt von Beverly Hills.

James Dean hatte den gequälten Vorstadt-Rebellen der 50er gegeben, dessen Eltern sich hinter feinen Vorgärten jeden Abend zerfleischten. Luke Perrys Dylan dagegen war ein Scheidungskind. Er war ein 90er-"Kid" und letzter Ausläufer der Generation X. Die konnte gegen nichts mehr rebellieren als die Desillusionierung selbst. Das Revolutionieren hatten die Älteren erledigt.

Luke Perry und Jennie Garth in Beverly Hills 90210

Kein Wunder, dass sich Brendan und Brenda Walsh sofort in diesen Jungen verliebten. Beide zogen mit ihren Eltern aus dem verschneiten Mittleren Westen der USA in die sonnige Gegend mit der Postleitzahl 90210. Sie öffneten uns die Tore in die Welt der Reichen und Schönen von Los Angeles und vor allem ihrer Kinder.

Das war der Clou der Serie von Aaron Spelling (Der Denver-Clan) und Darren Star (Sex and the City). Beverly Hills, die Domäne der Seifenoper, wurde von Teenagern bewohnt. Die Jugendlichen wurden wiederum von Mittzwanzigern gespielt, die mit ihrem Körpern längst im Reinen waren. Das fundamental Unangenehme der Pubertät wurde aus dem Bild getilgt, die Schönheit blieb.

Sechs Staffeln spielte Luke Perry Dylan - dann war vorerst Schluss

Von allen Schönen in Beverly Hills, 90210 war Dylan McKay der Schönste. Vermutlich weil der Millionärssohn hierher gehörte, ohne es zu wollen, während alle anderen hierher gehören wollten, ohne es zu verdienen. Dylan sah aus wie alter Hollywood-Adel, doch diese Schönheit war am Schmerz geschult. Unter seinen dichten Augenbrauen lauerten tausend Kindertage, in denen Geld die Elternliebe ersetzen sollte.

Sechs Staffeln spielte Luke Perry diesen Bad Boy des 90er-Fernsehens, dessen nächste Evolutionsstufen Jordan Catalano (Willkommen im Leben) und Pacey Witter (Dawsons Creek) heißen sollten. Dann nahm er Abschied von der Rolle. Wie erwartet tragisch: Seine frisch Angetraute wird aus Versehen von Killern erschossen. Dylan schreit seine Seele aus dem Leib und verschwindet. Vorerst.

Luke Perry in Das fünfte Element

Luke Perry wuchs weit entfernt vom Glamour Beverly Hills' auf. Geboren 1966 in Mansfield, Ohio, zog es ihn nach der Schule an die Westküste. Die Schauspielkarriere lockte. Werbespots und Auftritte in Seifenopern folgten, bevor er für die Rolle des reichen Schnösels Steve Sanders in Beverly Hills, 90210 vorsprach. Ian Ziering bekam den Part, Perry sollte für ein paar Folgen als Dylan auftreten. Die Senderchefs waren nämlich noch nicht überzeugt, die Teenie-Mädchen dagegen schenkten ihm ihr Herz. Mit Staffel 2 hoben die Quoten der Serie ab.

Beinahe perfekt stülpt sich Beverly Hills, 90210 über die 90er (die Serie lief zwischen 1990 und 2000). Luke Perry, Jason Priestley, Shannen Doherty und Jennie Garth wurden zu den Teenie-Idolen der Zeit. Sie zogen vom Fernsehen direkt in die Bravo-Doppelseiten. Priestley und Doherty (und Produzenten-Tochter Tori Spelling) fütterten die Klatschspalten, Luke Perry blieb der ruhige Star. Etwas zu ruhig, zumindest nach seinem Ausstieg 1995.

Mit der Filmkarriere klappte es für Luke Perry nicht

Er spielte in Independentfilmen (Normal Life) und Pulp (American Strays). Er öffnete in Das fünfte Element für ein paar Minuten ein Fenster in eine Welt mit "Luke Perry, Filmstar". Einen halben Indiana Jones sehen wir da im Prolog, einer, der den Helden der 30er-Serials noch viel ähnlicher sieht als Harrison Ford. Und dann war das Fenster wieder geschlossen.

Luke Perry als Halbbruder von Krusty dem Clown in Die Simpsons

Luke Perry kehrte bald zurück für die letzten Folgen von Beverly Hills, 90210. Danach wurde er zum Charakterdarsteller, etwa als Reverend in der Gefängnisserie Oz - Hölle hinter Gittern von HBO. Diese frühe Blüte im Goldenen Serienzeitalter deutete an, wo sich Luke Perrys Karriere auch hätte hinbewegen können, nämlich geradewegs in die Karriere-Renaissance im Fernsehen. Dass diese nicht kam, lag an den Serien (John From Cincinnati), aber wohl auch an Luke Perry selbst.

Mit Riverdale schloss Luke Perry einen Serien-Kreis

Seine herausragende Rolle war die von Luke Perry, Teenie-Idol der 90er Jahre. Er nahm seinen Status mit Humor. Die Simpsons schossen den schönen jungen Cartoon-Mann mit einer Kanone in eine Sandpapier-Fabrik (er sprach sich natürlich selbst) und für italienische Komiker spielte er einen ganzen Film lang "Luke Perry" (Vacanze di Natale '95).

Während Kollegen ihr Image im Kampf gegen Sharknados veräppelten, hatte Luke Perry nichts zu veräppeln, nichts das die Fremdscham auf sich zieht. Dylan McKay war ein klassisches Geschöpf der 90er: mit einem Bein in der Pastiche eines früheren Jahrzehnts, mit dem anderen stand er auf dem Nerv der Zeit. Er lebte, liebte und litt in diesem Jahrzehnt und dann war seine Zeit vorbei.

Luke Perry in Riverdale

Mit der Rolle des Vaters von Archie Andrews, dem popkulturellen Ur-Teenie der USA, schloss sich für Luke Perry in Riverdale der Kreis. The CW ist in der zerbröselnden Medienlandschaft längst das Heim der Teen-Eskapaden geworden und heute würde ein Luke Perry hier seine ersten Serienschritte in die Berühmtheit machen. Die Serien-Verjüngung 90210 lief auch auf dem The Flash-Sender. Sie lief und wurde vergessen. Das gewisse Etwas fehlte. Die 90er zum Beispiel und mit Sicherheit der unnachahmlich brütende Luke Perry.

Am Montag ist Luke Perry an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er wurde nur 52 Jahre alt.

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