Seltsame Casting-Entscheidungen

White-Washing-Vorwürfe gegen Der Marsianer

09.10.2015 - 11:10 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Der Marsianer - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Matt Damon in Der MarsianerAbspielen
© 20th Century Fox
Matt Damon in Der Marsianer
In der Roman-Verfilmung Der Marsianer wurde ein ursprünglich asiatischer Charakter mit einer weißen Schauspielerin besetzt. Die Organisation MANAA erhebt deshalb Vorwürfe des White-Washings gegen die Produktion.

„Die beleidigende Praxis des White-Washings muss aufhören. Alarmierend ist, dass die Häufigkeit zugenommen hat.“ Der Unmut des MANAA-Präsidenten (Media Action Network for Asian Americans) Aki Aleong richtet sich gegen den Blockbuster Der Marsianer - Rettet Mark Watney. Der gestern in den deutschen Kinos gestartete Science-Fiction-Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir. Der US-amerikanische Schriftsteller beschreibt dort diverse Charaktere explizit als asiatisch oder asiatischstämmig. Diese ethnischen Identitäten soll der Film von Ridley Scott in seinen Casting-Entscheidungen teilweise nicht berücksichtigt haben, schreibt Deadline .

Speziell geht es in den Vorwürfen um die Rollen von Mackenzie Davis und Chiwetel Ejiofor. Davies spielt eine Wissenschaftlerin, die im Buch als koreanisch-amerikanisch beschrieben wird. Ejiofor wurde für den indischen Roman-Charakter Dr. Venkat Kapoor engagiert. Der heißt im Film Vincent Kapoor und ist Director of Mars Operations der NASA. Ejiofor hingegen hat nigerianische Eltern und ist selber Brite. Auch wenn es sich bei Ejiofors Besetzung nicht um White-Washing handelt, erhielt der Charakter im Film doch eine andere ethnische Identität als im Roman.

Im Cast sind zwar durchaus asiatische Schauspieler vertreten, allerdings in kleineren Rollen. So spielt Benedict Wong in Der Marsianer etwa den Wissenschaftler Bruce Ng. Außerdem dabei: Shu Chen, Yang Haiwen, Eddy Ko, Yang Liu, Xue Xuxing und Narantsogt Tsogtsaikhan. Hier hakt Guy Aoki ein, einer der Gründer von MANAA. Er ist enttäuscht davon, dass in The Martian die Gelegenheit verpasst wurde, anspruchsvolle Rollen an asiatische Schauspieler zu vergeben. Stattdessen würden die entsprechenden Charaktere nun von einer weißen Frau und einem schwarzen Mann dargestellt.

Mehr: Was sagen die Kritiker zu... Der Marsianer?

Der Deadline-Artikel zählt noch weitere jüngere Casting-Entscheidungen auf, die dem Vorwurf des White-Washings ausgesetzt waren: In Cameron Crowe’s Aloha - Die Chance auf Glück spielt Emma Stone einen halb hawaiischen/halb chinesischen Charakter, in Marvels Doctor Strange wird ein in der Comic-Vorlage alter, tibetanischer Mann von Tilda Swinton dargestellt. Als herausragendes Beispiel wird auch Ghost in the Shell angeführt. In der Verfilmung der Manga-Serie spielt Scarlett Johansson den japanischen Charakter Motoko Kusanagi.

Welche White-Washing-Fälle sind euch aufgestoßen? Zählt ihr Casting-Besetzungen über ethnische Grenzen hinweg zur künstlerischen Freiheit?

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