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Zu lasch, zu zotig, zu unoriginell

Was macht die deutsche Komödie falsch?

15.03.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Manche deutschen Komödien machen es richtig, einige falsch.
© Universal
Manche deutschen Komödien machen es richtig, einige falsch.
Die deutsche Kömödie ist eines der größten Probleme unserer heimischen Filmindustrie. Mal zu schal, mal zu zotig, schaffen wir es einfach nicht, an das Lachmaterial der internationalen Konkurrenz heranzukommen. Warum eigentlich?

Heute kommt die deutsche Komödie Türkisch für Anfänger – Der Film mit Elyas M’Barek und Josefine Preuß ins Kino, die auf der gleichnamigen TV-Serie basiert. Türkisch für Anfänger sorgte mit seinem politisch unkorrektem Humor schon von Anfang an für erheiternde Kontroversen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die der Film nun wohl auf die Spitze treiben will. Damit ist er eine Ausnahme im weiten Feld der meist laschen deutschen Komödien, die mit ihren amerikanischen Konkurrenten kaum mithalten können. Natürlich gibt es mit Lammbock – Alles in Handarbeit, Schtonk!, Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding, Pappa ante Portas und anderen auch hochgelobte Exemplare aus dem Land von Kraut und Lederhosen. Aber oft kommen uns die heimischen Erzeugnisse selbst ein wenig überzogen oder umgekehrt zu lasch vor.

Unsere Redaktion hat darüber etwas genauer nachgedacht und versucht, einen Finger auf die einzelnen Problemzonen zu legen. Dabei sind uns verschiedene Dinge aufgefallen, die wir besonders schlimm finden.

Malte regt sich über den Stilklau auf
Für mich ist es immer am Schlimmsten, wenn deutsche Film und insbesondere Komödien versuchen, das amerikanische Kino zu imitieren. Dabei geht es gar nicht um Fernsehproduktionen, die mit Titeln wie Meine verrückte türkische Hochzeit auf das Kino der anderen Seite anspielen, sondern vielmehr um die Dramaturgie. Die neuen deutschen Komödienerfolge wie Keinohrhasen, Zweiohrküken, What a Man oder Rubbeldiekatz orientieren sich an den Erzählmustern und am glattgeleckten Look vieler amerikanischer Standardkomödien, anstatt etwas ganz Eigenes zu schaffen. Das mag kommerziell eine Zeit lang funktionieren, aber letztendlich kann jede mittelmäßige amerikanische Komödie ihre eigenen Klischees doch besser bedienen. In deutschen Filmen sieht das einfach nur fehl am Platze und offensichtlich nur des Erfolgs wegen kopiert aus.

Thomas fehlen die Überzeugungstäter
Mein Problem mit dem Großteil der deutschen Komödien schließt eigentlich direkt an Maltes Punkt an. Filmemacher wie Til Schweiger und Matthias Schweighöfer haben viel zu sehr die Einnahmen an der Kinokasse im Auge, als dass sie wirklich eine witzige Geschichte erzählen wollen. Deshalb kommt bei deren Anstrengungen am Ende auch meist maximal der gleiche, weichgespülte Familienfilm heraus, bei dem sich vor allem gelangweilte Hausfrauen und Heranwachsende besonders wohl fühlen. “Das sind ja sowieso die einzigen, die ins Kino gehen”, scheint da die Denkweise zu lauten. Für die ganz Kleinen gibt es dann noch Bully und co. Aber wo sind die Komödien, die zumindest ein wenig Anspruch bieten? Werfen wir einen Blick auf unser größtes Nachbarland, können wir nur vor Neid erblassen. Nicht erst seit Ziemlich beste Freunde kommen aus Frankreich nämlich Komödien, die aus einem deutlichen breiteren Fundus schöpfen, was Themen und Szenarien angeht. Das Niveau solcher Filme wie beispielsweise von Guillaume Canet (Kleine wahre Lügen, Bad, Bad Things) zu erreichen, wäre zumindest schon einmal ein kleiner Fortschritt. Aber dafür bräuchte es mehr Überzeugungstäter im deuschen Comedy-Bereich, denen das Genre wirklich am Herzen liegt.

Theo kann den Proll-Humor nicht ausstehen
Bei völlig niveaulosen Komödien stößt es mir für gewöhnlich übel auf. Wenn sich die Witzpalette nur im Spektrum der verschiedenen Ausgänge des menschlichen Körpers abspielt, erwarte ich zumindest äußerste Kreativität, die mich so überrascht, dass das Lachen einfach aus mir herausplatzt. Meiner Erfahrung nach gelang dies in Deutschland noch überhaupt keinem Film und somit kann mir jegliche Art des viel zu häufig gewordenen Proll-Humors gestohlen bleiben. Wenn die x-te Fortsetzung der platten Werner – Beinhart! – Reihe veröffentlicht wird, kann ich nur noch mit Unverständnis reagieren.

Andy langweilt sich am ewigen Dopplungseffekt
Auch wenn ich Michael Herbig a.k.a. Bully mit seiner Sketch-Comedy noch zu Beginn als recht amüsant empfand, hat sich dieses Urteil mittlerweile leider Gottes ins genaue Gegenteil gedreht. Denn an dem Versuch, diese episodenhaften Witzeleien in Filmform umzumünzen, ist Bully samt seiner Crew mit Traumschiff Surprise – Periode 1 oder Wickie und die starken Männer kläglich gescheitert. Das wenig kreative Muster, sich stets auf sein mehr oder minder vorhandenes Imitations-Talent zu verlassen, war vielleicht in seinem Debut Der Schuh des Manitu noch einigermaßen ertragbar und ansehnlich, nach dem x-ten Versuch geht mir das aber nur noch auf die Nerven und zeugt nun mal so gar nicht von Einfallsreichtum.

Jenny fehlt es an Biss
Diese typisch deutsche Trennung von Kleinkunst und Comedy, die sich von der Bühne bis ins Fernsehen zieht, hat auch ihre Auswirkungen auf das Kino. Es gibt in Deutschland sicher wahnsinnig talentierte Kabarettisten, die satirisch sattelfest das Zeitgeschehen aufs Korn nehmen können und intelligente Unterhaltung mit Biss liefern. Doch dieses Können in filmische Form zu gießen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn deutsche Filme Satire in Angriff nehmen, dann verharren sie oft genug in platten, vorhersehbaren Mustern oder es fehlt ihnen schlicht der Mut, bis zum Letzten zu gehen. Kein Wunder, dass ein inoffizielles Remake wie Stromberg eine derart treue Fanbase anzieht. Es fehlt schließlich die Konkurrenz.

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