The Walking Dead: Der Comic beweist mehr Mut, als die Serie je hatte

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Rick Grimes ist tot. Diese Tatsache halte ich mir seit wenigen Tagen immer wieder vor Augen, doch so wirklich kann ich es nicht glauben. Dabei war es nie eine Frage, ob Rick einmal stirbt, The Walking Dead Comic-Schöpfer Robert Kirkman hat aus seinen Plänen nie einen Hehl gemacht, sondern nur aus dem Zeitpunkt.

Doch gerade jetzt schmerzt sein Tod umso mehr. Wie Moses sollte Rick seine Schäfchen über Jahre durch die Zombieapokalypse führen, aber nur kurzzeitig im Gelobten Land verweilen, es ein letztes Mal retten und dann sterben. Das ist bitter.

Dieses gelobte Land ist das Commonwealth und sowas wie das große Ziel in The Walking Dead. Seitdem Rick und seine Überlebenden sich den Zombies in Alexandria stellten und siegten, wurden die Beißer zum Hintergrundrauschen in ihrer eigenen Geschichte. Stattdessen fokussiert sich der Comic seit über 100 Ausgaben auf das Endgame in der Zombieapokalypse: der Wiederaufbau der Zivilisation.

Nach einem harten Stück Arbeit behielt Rick recht. Seine langfristige Planung und unzerstörbarer Wille führten die Überlebenden in eine bessere Zukunft. Doch das Commonwealth, eine wesentlich größere und besser organisierte Siedlung mit mehreren Zehntausend Einwohner, steht in einer anderen Kategorie.

Nachdem Rick den brodelnden Konflikt durch eine Wendung seines ikonischen "We are the walking dead!"-Ausrufs befrieden konnte, standen ihm Tür und Tor offen, der neue Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Oder was auch immer jetzt das Äquivalent wäre. Stattdessen stirbt er in den The Walking Dead-Comics einen politischen Tod. Ermordet vom Sohn seiner ehemaligen Gegenspielerin.

The Walking Dead-Comics: Die Art des Todes schmerzt

Dabei schmerzt besonders die Art seines Todes. Erschossen, mitten in der Nacht, in seinem eigenen Bett, von einem Feigling. Comic-Künstler Charlie Adlard gelingt mit der Zeichnung eine schöne Parallele zum ersten Panel des Comics. Dort wachte Rick allein, verlassen, umgeben von Walkern aus dem Koma auf.

Dann überlebte Rick so ziemlich alles, was sich ihm in den Weg stellte. Er wurde mehrfach angeschossen, mit einem Pfeil durchbohrt, verlor seine Hand und drei Partnerinnen. Seit Negan ihm das Bein brach, war er sogar auf einen Gehstock angewiesen.

Nun blutet er aus, allein, verlassen, und doch umgeben von Menschen, die ihr Überleben ihm schulden. Eine schöne Spiegelung, die aber nur wenig über die gnadenlose Brutalität des Todes hinwegtäuscht. Das Zeitliche zu segnen kann in The Walking Dead sehr schmerzhaft und unschön sein. Im Verhältnis dazu hat Rick es gut getroffen, sein Tod ist schnell.

Doch gerade die Auflösung des Cliffhangers in der letzten Ausgabe ist für Fans so schmerzhaft. Während anderen Figuren ein langer Abschied nach ihrem Todesurteil gegönnt wurde, prasseln die Kugeln Schuss nach Schuss erbarmungslos auf Rick ein. Das Unausweichliche wird unmissverständlich kommuniziert. Darin war Robert Kirkman schon immer gnadenlos talentiert.

Als Carl seinen Vater findet, zögert er nicht einmal mehr. Ein Schuss - und er ist für immer allein.

Der Comic beweist Mut, den die Serie niemals hatte

Mit dem Tod von Rick Grimes beweist Autor Robert Kirkman erneut den Mut, den Fans seither von den Kreativen vermissen, die seine Geschichten fürs Fernsehen adaptieren. In der Fernsehserie durchlitt auch Schauspieler Andrew Lincoln als Rick Grimes etliche Konflikte und Gefahren. Im Unterschied zu vielen anderen Figuren erhielt Rick eine sehr genaue Nacherzählung seines Serienvorbilds. Bis der Schauspieler keine Lust mehr hatte.

Ohne Vorgabe inszenierten die Autoren einen fünf Episoden langen Schwanengesang. Das war sicherlich in sich stimmig und auch bewegend, aber ohne den finalen Tod des Charakters zugleich eine bedeutungslose Veranstaltung. Hier beweist der Comic den Mut, den die Serie nicht hatte. Ohne Rick vermag The Walking Dead zwar weiterhin zu unterhalten, doch der Rest der 9. Staffel glich einer Schiffsreise ohne Ruder. Die Aussicht ist ganz nett, aber man weiß nicht mehr, wohin es geht.

Auch der Comic badet zunächst in diesem Gefühl. Während sich die Serie Rick für ein ominöses Ende in einer Finalität versprechenden Filmtrilogie aufhebt, ist sein Tod im Comic bereits final. Sowohl Leser als auch Figuren müssen das ertragen. Doch gleichzeitig gelingt es Kirkman, in Carl den Anker zu finden, den die Serie gänzlich vermisst.

The Walking Dead: Ricks Tod ist erst der Anfang

The Walking Dead war schon immer von zwei Genres dominiert: Dem Western und dem Familiendrama. Zunächst rückte die amerikanische Frontier wieder in die vermeintlich sicheren Vorstädte und schickte die Figuren samt Cowboyhut zurück in die tödliche Wildnis des Kontinents. Gleichzeitig reduziert die Zombieapokalypse den Kreis der Vertrauten auf den Nukleus der Familie.

Seit über 150 Ausgaben hieß das für The Walking Dead: Vater und Sohn.

"When you become a parent one thing becomes clear, that you want your children to feel safe", beschwört Cooper in Interstellar. Besser könnte man Ricks Motivation nicht zusammenfassen. Für seine Anhänger mag er zwar zum utilitaristischen Helden geworden sein, doch Rick hatte stets ein wahres langfristiges Ziel vor Augen: Carl das Leben zu schenken, das er ohne die Apokalypse verdient hätte. Auch wenn die Umsetzung eines Plans zehn Jahre dauern würde, wäre es eine lohnende Idee, sagt Rick an einer frühen Stelle im Comic.

Somit ist Ricks Tod für die übergeordnete Mythologie nur von Bedeutung, sofern sein Sohn Carl den Comic weiter als Hauptfigur fortführen kann, die er insgeheim sowieso schon immer war. Der Wechsel von Carl zu Rick ist ein Geniestreich Kirkmans. Als hätte es bereits ewig so sein müssen, folgen wir plötzlich mit dem Umschlagen der Seite einer zwar vertrauten Nebenfigur, die fortan aber die ganze Mythologie schultern muss. Dies war schon immer Carls Geschichte. Nur jetzt sitzt er auch am Steuer.

Die Serie tötete Carl und legte Rick auf Eis. Ihr fehlt nicht nur der Mut des Comics, sondern auch der Sinn.

Was sagt ihr zu Ricks Tod in den The Walking Dead-Comics?

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