Startet Tenet in Deutschland? Das große Kino-Problem im Sommer

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© Warner Bros.
Tenet mit John David Washington
17.07.2020 - 16:05 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Die Kinos in Deutschland haben wieder geöffnet, doch wie steht es um die Blockbuster-Saison im Sommer? Die Corona-Lage in den USA macht ein Problem deutlich, das noch lange Folgen nach sich ziehen kann.

Nachdem das öffentliche Leben in Deutschland Schritt für Schritt angekurbelt wurde, wurden auch die meisten Kinos mittlerweile wieder geöffnet. Das aktuelle Programm verdeutlicht jedoch die große Problematik der Corona-Pandemie, von der weltweit die USA mit am stärksten betroffen sind.

Größere amerikanische Produktionen sind zurzeit noch Mangelware im Kinoprogramm. Zumindest Tenet soll mindestens ein Highlight der Sommer-Blockbuster-Saison werden. Der neue Film von Christopher Nolan soll Mitte August in die deutschen Kinos kommen, doch wie realistisch ist dieser Start momentan überhaupt?

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Hinter den Tenet-Kulissen herrscht viel Unsicherheit

Zweimal wurde der Kinostart des neuen Nolan-Blockbusters jetzt schon verschoben. Nachdem Tenet ursprünglich am 16. Juli 2020 ins Kino kommen sollte, wurde das Datum erst auf den 30. Juli 2020 und schließlich auf den 12. August 2020 gelegt. Grund dafür sind die extrem hohen Corona-Infektionsszahlen der USA, die dem Studio Warner Bros. eine Kinoveröffentlichung von Tenet stark erschweren.

Studios wie Disney oder Universal haben kommende Blockbuster-Highlights wie Black Widow, Fast & Furious 9 und James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben um viele Monate oder direkt ins nächste Jahr verschoben, um finanzielle Risiken zu vermeiden. Ein Ende der Corona-Pandemie ist aktuell jedoch noch nicht in Sicht.

Tenet ist aber ein speziellerer Fall. Aktuell kämpft Christopher Nolan regelrecht um den zeitnahen Start seines Films, um ein Zeichen für das Kino zu setzen und den Menschen weltweit zum möglichst gleichen Zeitpunkt ein Erlebnis zu bieten.

Aus einem umfangreichen Vulture -Artikel zur aktuellen US-Kino-Situation geht hervor, dass sowohl Warner Bros. als auch Nolan gemeinsam das Ziel verfolgen sollen, Tenet nicht in anderen Ländern außerhalb der USA zuerst zu veröffentlichen.

Tenet mit John David Washington und Robert Pattinson

Ihre Gründe dafür sind nachvollziehbar. Neben der Gefahr, dass Spoiler zur bisher überwiegend streng geheimen Handlung des Blockbusters schnell im Netz durchsickern würden, wäre ein noch größeres Risiko die Filmpiraterie, durch die illegale Aufnahmen des Films noch vor der eigentlichen US-Kinoveröffentlichung verbreitet werden würden.

Analysten prophezeien einen Sommer ohne Kino-Blockbuster

Ein entscheidender Faktor für Hollywood ist auch immer China. Hier existiert der weltweit zweitgrößte Markt für das Kino, den die USA bei Filmveröffentlichungen nicht unberücksichtigt lassen kann. Auch wenn vor wenigen Tagen berichtet wurde, dass die Kinos in China ab dem 20. Juli 2020 wieder geöffnet werden dürfen, bleiben im Fall von Tenet die Probleme möglicher Spoiler-Enthüllungen und Filmpiraterie bestehen.

Von dem Box Office-Analysten Eric Handler wurde laut Deadline  prophezeit, dass die Wahrscheinlichkeit des Tenet-Kinostarts am 12. August 2020 sehr gering sei. Der Redakteur Richard Rushfield des großen Hollywood-Newsletters The Ankler zieht laut Vulture ein noch ernüchternderes Fazit. Er sieht bis zum Ende des Jahres Studio-Verluste von 50 bis 80 Prozent voraus und rät dazu, dieses Jahr gar keinen größeren Film oder Blockbuster mehr zu veröffentlichen.

Sein Ratschlag, zeitgemäßere Veröffentlichungsstrategien zu berücksichtigen und vor allem Video-on-Demand (VoD) zu nutzen, entfacht einmal mehr die Debatte rund um die Zukunft des Kinos. Gerade jemand wie Christopher Nolan, einer der aktuell größten Verfechter des klassischen Kinobesuchs, dürfte eine VoD-Veröffentlichung von Tenet als allerletzte Möglichkeit in Erwägung ziehen.

Eine zufriedenstellen Lösung für alle Parteien scheint dadurch aktuell kaum möglich zu sein. Da sich sowohl Warner Bros. als auch Nolan für einen gleichzeitigen Start des Films einsetzen und gleichzeitig sichere Box Office-Verluste in der aktuellen Corona-Pandemie in Kauf nehmen müssen, erscheint eine erneute weltweite Tenet-Verschiebung momentan am wahrscheinlichsten.

Trotz Blockbuster-Flaute lohnt sich in Deutschland der Kinobesuch

Wer gerade ins Kino gehen will und kann, sollte sich trotz der aktuellen Situation aber nicht abhalten lassen. Ein Blick ins momentane Programm zeigt, dass sich zur Wiedereröffnung der Lichtspielhäuser gerade das deutsche Kino in aufregender Form präsentiert.

Zu sehen gibt es beispielsweise Undine von Christian Petzold, in dem der Regisseur die titelgebende Sage in ein modernes Märchen verwandelt, das leichte Poesie und große Gefühle miteinander vereint. Als betörender Tagtraum, in dem leise Tragik im Hintergrund mitschwingt, bricht Undine die Grenze zwischen verspielter Fantasie und verträumtem Realismus auf. Wie Paula Beer ihre Undine hier voller zerbrechlicher Sinnlichkeit und mysteriöser Gefährlichkeit spielt, hält locker mit den gewohnten Nolan-Höhepunkten mit.

Paula Beer in Undine

Wer deutsches Kino in seiner überwältigendsten Form erleben will, kommt dagegen mit dem gerade gestarteten Berlin Alexanderplatz auf seine Kosten. Darin versetzt Regisseur Burhan Qurbani die gleichnamige Romanvorlage von 1929 ins Berlin der Gegenwart, um die Geschichte aus der Perspektive eines Flüchtlings neu zu interpretieren.

In bewundernswert groß gedachten Bildern und Erzählsträngen entfaltet sich der rund 3-stündige Berlin Alexanderplatz als wuchtiges Epos, das bitteren Sozialrealismus und elektrisierende Genre-Spannung zu einer intensiven Großstadtsymphonie verbindet.

Während Undine vor allem von Paula Beers grandioser Schauspielleistung getragen wird, wird Berlin Alexanderplatz von einem Albrecht Schuch als durchtriebenes, teuflisches Monstrum veredelt, dessen Performance zu den eindringlichsten der jüngsten deutschen Kinogeschichte gehört.

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