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Mit Bruno Ganz und Otto Sander am Himmel über Berlin

05.02.2015 - 20:45 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Bruno Ganz in Der Himmel über BerlinAbspielen
© Basis-Film-Verleih GmbH
Bruno Ganz in Der Himmel über Berlin
Wer heute Lust auf einen absoluten Klassiker der deutschen Filmgeschichte hat, kommt an Wim Wenders' Drama Der Himmel über Berlin nicht vorbei. Im Film gibt Bruno Ganz als Damiel seine Existenz als Engel auf, um zum Menschen zu werden...

Wer über die großen Klassiker des deutschen Kinos spricht, kommt an manchen Filmen einfach nicht vorbei. Zum Beispiel an den frühen Stummfilmklassikern wie Fritz Langs Metropolis, F.W. Murnaus Nosferatu, eine Symphonie des Grauens oder Leni Riefenstahls Olympia. Später landen wir zwangsläufig beim Neuen Deutschen Film der Sechziger- und Siebzigerjahre, zum Beispiel Volker Schlöndorffs Die Blechtrommel, Werner Herzogs Aguirre, der Zorn Gottes oder Rainer Werner Fassbinders Die Ehe der Maria Braun. Und natürlich landen wir bei Wim Wenders. Es ist praktisch unmöglich, nicht über dessen große Klassiker zu reden, über Paris, Texas, Alice in den Städten und – ihr ahnt es schon – Der Himmel über Berlin. Letzterer ist nämlich eines der bedeutendsten Werke der deutschen Filmgeschichte und wurde völlig zu Recht mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel 1987 in Cannes für die beste Regie und ein Jahr später mit dem Europäischen Filmpreis, ebenfalls für die beste Regie.

Für Der Himmel über Berlin kehrte Wenders Mitte der Achtziger in sein Heimatland zurück, nachdem er acht Jahre lang in den USA gelebt hatte, um Deutschland neu für sich zu entdecken und zu erforschen. Das zentrale Motiv der Reise wird diesmal nicht in Form eines Road Movies, sondern in einem Streifzug durch Berlin und das Wesen des Menschen thematisiert. Wim Wenders selbst hielt Der Himmel über Berlin für „eine Art Filmgedicht“ und damit liegt er gar nicht mal falsch. Denn am ehesten ist die kryptischen Erzählweise als lyrisch zu bezeichnen: Gedanken- und Gesprächsfetzen, Fragmente von Begegnungen und Eindrücken setzen sich zu einem Porträt des Menschseins zusammen. Eine Dramaturgie im klassischen Sinn gibt es nicht. Es gab auch kein Drehbuch, sondern lediglich ein paar Dialoge von Peter Handke und eine Art Blackboard mit verschiedenen, unzusammenhängenden Ideen. Es ist die so entstandene Lyrik, diese Szenenskizzen und Fragmente, die Der Himmel über Berlin im Kern ausmacht. Im Gegensatz zu Stadt der Engel, dem überflüssigen Hollywood-Remake des Films mit Nicolas Cage und Meg Ryan, besitzt Wenders' Film keine tragischen Zuspitzungen, sondern entfaltet sich in einem stetigen, langsamen Erzählfluss, der viel Raum für Assoziationen zulässt.

Berlin 1987. Der Engel Damiel (Bruno Ganz) zieht in Begleitung seines Freundes Cassiel (Otto Sander) durch Berlin, das von der Mauer geteilt ist. Von den Menschen nicht zu erkennen, lauschen die beiden aufmerksam und geduldig deren Gedanken und Gesprächen. Mit steigender Neugierde wendet Damiel sich seinen Schützlingen zu und verliebt sich schließlich in die Akrobatin Marion (Solveig Dommartin). Seine Suche nach menschlichen Gefühlen, nach Leidenschaft, Sehnsucht, Kummer und Schmerz, wird immer größer und er entschließt sich dazu, seine Unsterblichkeit gegen eine irdische Existenz als Mensch einzutauschen. Plötzlich sieht er die Welt in einem ganz anderen Licht und versucht sich Stück für Stück in seiner neuen Existenz zurechtzufinden, mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Kritiker-Legende Roger Ebert  würdigte Wim Wenders' Der Himmel über Berlin mit der Höchstwertung von vier Sternen und urteilte über das Drama wie folgt:

Himmel über Berlin erzeugt Spannung gerade nicht dadurch, dass er seinen Plot herunterfilmt. Er erschafft vielmehr eine Stimmung der Traurigkeit und der Isolation, der Sehnsucht und der Vergänglichkeit alles Irdischen. Falls der Mensch tatsächlich das einzige Tier ist, das weiß, dass es in der Zeit existiert, handelt dieser Film von genau diesem Wissen. Ein wunderschöner Film.

Noch eine kleine Info für Wenders-Fans: Wer Der Himmel über Berlin und viele weitere Filme des Regisseurs mal auf der großen Leinwand bewundern will, sollte auf der diesjährigen Berlinale vorbeischauen, wo seine Filme in der Sektion Hommage gezeigt werden.

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