Joker 2 als Musical klingt fantastisch – und beweist, dass DC dem MCU meilenweit voraus ist

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© Warner Bros./Disney
Joker 2 tanzt gegen die Avengers
18.06.2022 - 09:00 UhrVor 10 Tagen aktualisiert
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DC gibt Joker eine Fortsetzung: Joker 2 wird ein Musical mit Lady Gaga als Harley Quinn. Wir erklären, warum diese unfassbare Idee vor allem dem MCU zu denken geben sollte.

Im April wurden große Pläne für die Zukunft von DC Entertainment und Warner bekannt. Hier entstehen Superheldenfilme wie The Suicide Squad oder Wonder Woman 2. DC solle einen Anführer vom Format eines Kevin Feige entwickeln, der das Marvel Cinematic Universe (MCU) in eine Gelddruckmaschine verwandelte (berichtete Variety ). Denn anders als dem MCU mangele es DC an einer "kohärenten kreativen und Marken-Strategie". Vereinfacht ausgedrückt: Das DCEU sollte mehr wie sein Konkurrent werden, mal wieder.

Joker 2 zeigt: Das MCU kann gerade nicht mit DC mithalten

Zu unserem Glück wurde dieser Wunschzettel offenbar zerknüllt und in einem Kamin verbrannt. Denn zwei Monate später stehen wir vor diesem Joker 2. Der ein Musical werden soll! Mit Lady Gaga und als Harley Quinn! Und er heißt Joker 2: Folie à deux! Das ist französisch und heißt so viel wie "Wahnsinn zu zweit". Kohärente Strategie am Arsch! Wer braucht eine kohärente Strategie, wenn er Lady Gaga und Joaquin Phoenix in Comic-Kostümen ein Duett auf den Joker Stairs  singen lassen kann? Und wer braucht Kevin Feige, wenn er Todd Phillips haben kann, den entfesselten ehemaligen Hangover-Erfinder und jetzt Joker-Regisseur?

Würde jemand in Kevin Feiges Büro kommen und ihm einen Film wie Joker 2 vorschlagen, würde der Marvel-Boss über ein Mikrofon im Kragen seines Kurzarmhemdes den Sicherheitsdienst rufen. Joker 2 ist mehr als nur ein irgendwie freaky klingender Comic-Film. Er setzt ein grellgrün unterstrichenes Ausrufezeichen im kreativen Wettstreit der beiden Superhelden-Marken. DC wischt mit dem MCU gerade den Boden auf.

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DC vs MCU: Vom Prügelknaben zur Triebfeder des Superheldengenres

DC musste viel einstecken in den letzten Jahren. Im Versuch, das MCU (oder besser: seinen Erfolg) nachzuahmen, entstanden Rumpffilme wie Suicide Squad (2016) und Justice League (2017). Das MCU-Äquivalent DCEU blieb unvollendet, sein wichtigster Kopf wurde erst nach allen Regeln der Kunst desillusioniert und dann mit dem Snyder-Cut begnadigt. Für die Lernkurve von DC war das Justice League-Desaster ein Segen.

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Eher aus der Not, weil es auch ohne einen verbindenden Plan weitergehen musste, wurde Ende des vergangenen Jahrzehnts ein neuer Ansatz für die vielen orientierungslosen Superheld:innen geboren: DC als Spielwiese für Autorenfilmer wie James Gunn (The Suicide Squad) und Regisseur:innen mit starker Stimme wie Patty Jenkins (Wonder Woman) und Matt Reeves (The Batman).

Damit verlor DC zwar die Anziehungskraft einer kontinuierlichen, zusammenhängenden Erzählung, die man dem Kontrahenten lange neidete.

Doch es gewann Freiheit. Neben Standardware wie Shazam und Aquaman gibt es bei DC vor allem viel Raum für besondere Filme, die sich über einen einen neuartigen Ansatz, einen einzigartigen Stil oder ein originelles Casting auf dem Markt behaupten. Siehe Joker 2, für den die 15 Jahre Joker-Verbot übrigens aufgehoben sind.

Das Musical Joker 2 ist gar nicht so überraschend, wie es zunächst wirkt

Joker 2 ist die Fortsetzung (1) eines Superheldenfilms (2), der auf der bekanntesten Superschurkenfigur (3) eines traditionsreichen Comicverlages basiert (4) und zudem in einem Crossover (5) auf die ebenfalls populäre Harley Quinn trifft. Oberflächlich betrachtet sind das 5 Kreuze auf dem Bullshit-Bingo-Zettel des modernen Franchise-Kinos. Das täuscht.

Tatsächlich ist das Superheldenkino unter diesem DC so spannend und unvorhersehbar wie vielleicht noch nie. Blockbuster von DC sind Superheldenfilme, aber sehr häufig auch noch etwas anderes:

  • Joker war ein Psychodrama im Gewand eines Superheldenfilms.
  • The Suicide Squad eine Kriegsgroteske im Gewand eines Superheldenfilms.
  • The Batman ein Serienkillerthriller im regennassen Cape eines Superheldenfilms.
  • Und Joker 2 wird ein Musical im Gewand eines Superheldenfilms.

Der DC-Blockbuster ist ein Gehege, doch in diesem Gehege ist alles möglich.

Anders als DC ist das MCU in seiner eigenen Formel gefangen

Das ist der Unterschied. MCU-Filme sind Superheldenfilme, nichts anderes. Maximal noch Buddykomödien (Thor 3) oder Familienkomödien (Ant-Man 1+2). Letztlich bleibt das Feige-Kino in seinem Popcorn-Kanal und tut drei bis vier Mal im Jahr das Erwartbare. Was okay ist, aber auch sterbenslangweilig.

Wir gehen selbst in schlechte Marvel-Filme, weil sie verlässlich sind. Darauf ist der gesamte Erfolg errichtet. Deshalb ist das Aufregendste, was dieses Systemkino gerade probiert, die Sache mit dem Multiversum –und selbst die dient bisher nur als Vorwand für noch mehr Crossover, Cameos und Nostalgie-Load.

Das MCU befindet sich in einem künstlerischen Lockdown, einem Isolationszustand, der äußere Einflüsse, wenn überhaupt, nur gefiltert zulässt. Sollten markante Regisseur:innen wie Chloé Zhao in Eternals nur entfernt eigene Stile in ihre Filme einflechten, stößt das MCU-Gewebe den Fremdkörper irritiert ab. Der letzte Rest Wiedererkennungswert, der zurückbleibt, geht unter in der Corporate Identity.

Horror-Regisseur Sam Raimi hatte ähnliche Probleme. Im Interview mit Moviepilot sagte der Doctor Strange 2-Macher über seine Arbeit an dem Film:

Es ist auf jeden Fall anders. Der wichtigste Job des Filmemachers ist es nicht länger, etwas Unerwartetes zu machen, das Publikum durchzuschütteln oder an einen Ort zu bringen, an dem sie vorher noch nie waren.

Man müsse als Regisseur "sein Ego unterdrücken" und an das große Ganze denken. DC-Filmemacher:innen müssen das nicht. The Batman zuletzt war klar als Matt Reeves-Film erkennbar.

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DC vertraut Menschen, das ist seine Geheimformel

Weil bei DC Menschen über Filme entscheiden und keine Formeln , wirkt Joker 2 jetzt wie das pure Chaos. An den Erfolg des eher trocken klingenden Ansatzes von Joker 1 wollte niemand glauben. Aber Todd Phillips hatte lange über seiner Idee gebrütet und sie mit Herzblut vorangetrieben. Joker hätte grandios floppen können (tat er nicht) und Joker 2 ist davor auch nicht geschützt.

"Jeder, der sich auf das Sequel gefreut hat, ist sauer. Jeder, der gedacht hat, das Sequel ist unnötig, freut sich", schrieb jemand bei Twitter  über Joker 2. Ob dieser Film erfolgreich wird? Keine Ahnung. Und das ist ja das Schöne daran. Wer will, dass der Erfolg von Filmen exakt berechenbar ist, macht Filme berechenbar. Und weil DC genau das nicht tut, ist es dem MCU gerade haushoch überlegen.

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